Weiskirchen. „Was ist den in Weiskirchen los?“ haben sich so einige Autofahrer aus dem Saarland und dem benachbarten Hochwald in Rheinland-Pfalz sich heute gefragt. In dem 6.300- Einwohnerort kurz hinter Grenze zu Waldweiler/ Kell am See war am Donnerstag einiges los. Egal aus welcher Richtung man gefahren kam, konnte man zahlreiche Mannschaftstransportwagen der Polizei und viele Motorräder der Polizei beobachten. Aber laut wurde es, je näher man an das Kurpark-Zentrum Vitals kam. Ein Hupkonzert von über 250 Landwirten.

Agrarministerkonferenz aller 16 Bundesländer in Weiskirchen

Den anlässlich der Agrarministerkonferenz in Weiskirchen sind rund 250 Landwirte mit 150 Traktoren zum Tagungsort gekommen, um gemeinsam gegen die Agrarpolitik der EU nach 2020 zu protestieren. Seit Mittwoch tagen die 16 Minister der Länder in dem beschaulichen Saarlandort im Hochwald. Zu der Kundgebung hatte der saarländische Bauernverband aufgerufen.

Große Gruppe aus ganz Rheinland- Pfalz und der Region nach Weiskirchen gefahren 

An der Kundgebung nahmen auch zahlreiche Landwirte mit ihrem Traktoren aus ganz Rheinland-Pfalz teil. Sie sind teilweise heute morgen um 6 Uhr mit ihren Schleppern im Hunsrück gestartet um pünktlich am Vormittag in Weiskirchen zu sein. So zog zum Beispiel ein Traktor-Zug von Niedert/ Hunsrück um 6:00 Uhr los über Bell, Kappel, Bärenbach, Hirschfeld, Thalfang, Malborn, Hermeskeil und Kell am See. Auf dieser Strecke sind folglich immer wieder Traktoren mit großen Bannern in den Zug angestoßen und Richtung Saarland mitgefahren.

In einer Sternfahrt wurden dann alle Schlepper von den Orten rund um Weiskirchen durch die Polizei zur Kundgebung am Vitalis- Kurpark geführt. Dort machten sie mit lautem Hupen auf sich Aufmerksam. In live-Übertragungen vor Ort gab es unter anderem Gespräche mit dem Saar- Bauernverband und dem Landwirtschaftminister des Saarlandes Jost.

Auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. war ebenfalls mit vor Ort, wie auch Greenpeace des Saarlandes.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner spricht mit den Landwirten 

Um kurz nach 14 Uhr kam schließlich auch die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Glöckler zur Agrarministerkonferenz. Doch zuvor ging sie auf die Landwirte und den Verband der Milchviehhalter überraschend zu und nahm sich eine halbe Stunde für Gespräche Zeit. Sie zeigte Verständnis für die Sichtweise der Landwirte, machte aber auch klar, dass es Forderungen gäbe, die die Politik nie unterstützen könne. Das wiederum sorgte für Unmut unter den Landwirten während des Gespräches.

Forderung des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V.

Unterdessen fordert der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V., Eberhard Hartelt, die Agrarminister der Länder dazu auf, gesetzliche Vorgaben aus Berlin und Brüssel nicht noch weiter zu verschärfen, sondern als Gegenpol aufzutreten. Auf der Kundgebung appellierte er an die politisch Verantwortlichen auf Landesebene, eine praxisorientierte und in allen Dimensionen nachhaltige Agrarpolitik zu betreiben. Die Gestaltungsmöglichkeiten in den verschiedenen Zuständigkeitsbereichen müssten voll ausgeschöpft werden, um Versäumnisse auf EU- und teilweise auch auf Bundesebene auszuräumen. Die Länder seien näher dran an den Anliegen, Sorgen und Nöten des Berufsstandes und seien sich so oftmals der Konsequenzen ihres Handelns für die Betriebe bewusster. Ihnen käme daher eine Schlüsselrolle zu.

  • Text und Bilder: Florian Blaes