Trier. Klimaschutz-Aktivisten von Extinction Rebellion haben am Freitag von 11 bis 14.30 Uhr den Haupteingang der Burger-King-Filiale in der Trierer Simeonstraße blockiert. Dann lösten sie selbst den Spezialkleber auf, mit dem sie sich an die Außenscheiben festgeheftet hatten.

Seit 11 Uhr harrten vier Demonstranten in einer Art Sitzstreik unter Beobachtung der Polizei aus. Nach dem Ende der Aktion säuberten die insgesamt rund 20 Teilnehmer von Extinction Rebellion die Glasscheiben und zogen gegen 15.15 Uhr schließlich ab.

Im Vorfeld der Aktion hatte es nur geheißen, es sei im Bereich Porta Nigra etwas Ungewöhnliches geplant, keine klassische Demonstration mit Kundgebung. Als die Mitglieder der Gruppe Extinction Rebellion dann loslegten, entwickelte sich schnell eine gewisse Dynamik.

Vier Aktivisten setzten sich unter anderem vor den Haupteingang und klebten sich mit ihren Händen ans Glas fest. Passanten blieben stehen und sahen sich das Schauspiel an. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen an.

Auch Henry Hofmann hat seine beiden Hände an das Glas geklebt. Sitzend mit ausgestreckten Armen blieb der Aktivist mehr als 3,5 Stunden an der Eingangstür. „Ich bin mit der Fleischware und der damit verbundenen Massentierhaltung nicht einverstanden. Mit dieser Aktion möchte sich das Bewusstsein verschärfen auf das Thema Umwelt, Klima, Gesundheit und Tiere“ erklärt Henry Hofmann.

Aufgrund des Spezialklebers waren die Betroffenen nicht ohne Weiteres von den Scheiben zu lösen. Daher zog sich der Einsatz stundenlang hin, denn die Polizei hielt sich bewusst zurück. „Obwohl die Kundgebung nicht angemeldet war, hat die ebenfalls vor Ort erschienene Versammlungsbehörde der Stadt sie als Demonstration des Versammlungsgesetztes anerkannt und keine Auflösungsverfügung erteilt. Daher hat man die Demonstranten unter Aufsicht gewähren bzw. kleben lassen“ erklärt Uwe Konz, Pressesprecher der Polizei die Situation der Polizei. Den zwischenzeitlich wurde auch erwogen, die Berufsfeuerwehr Trier hinzuzuziehen. Der Gedanke wurde jedoch schnell verworfen.

„Nach eigener Darstellung der Demonstranten haben sie einen Kleber benutzt, der sich nach 3-4 Stunden ohne Personen- oder Sachschaden wieder löst. Auch hier gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Die Personen wurden deshalb nicht „von den Scheiben geschnitten“ oder ggf. mit Hilfe von Chemikalien gelöst, um unnötige Verletzungen und Sachschäden zu vermeiden. Da die betroffene Geschäftsfiliale einen weiteren, nicht beanspruchten Eingang hatte, war dies ohne weiteres möglich“ so Uwe Konz.

Die rund 20 Demonstranten mussten ihre anfangs eingesetzten Plakate und Banner zum Klimaschutz einpacken, weil die Demonstration bei der Stadtverwaltung nicht angemeldet war. Zudem wurde der Fußgängerweg für die vielen Touristen versperrt und der Mindestabstand konnte nicht eingehalten werden. Ursprünglich war der Stadt Trier eine Kundgebung in der Simeonstraße auf Höhe der Sparkasse angemeldet worden.

Auch der Unternehmer Michael Berger ist vor die neue Burger King Filiale gekommen. Ihm gehört das neue Schnellrestaurant. Er sucht mit dem Demonstranten den Dialog, auch um die Kundgebung schnell zu beenden. „Wir öffnen um 11 Uhr und erleben ohne eine Vorahnung eine solche Aktion. Zur Mittagszeit kommen die meisten Besucher, um zu Essen. Heute werden wir wohl große Einbußen erleben“ ist sich Michael Berger sicher. Mit den Demonstranten und den vier Aktivisten an den Scheiben versucht er ins Gespräch zu kommen, dass auch das Großunternehmen Burger King in Deutschland und weltweit schon viel für die Umwelt gemacht hat. Doch den Teilnehmenden der Kundgebung ist es noch zu wenig, auf einen gemeinsamen Nenner kommen sie schließlich nicht.

„Wir bleiben hier kleben, bis der Spezialkleber seine Wirkung verliert. Außer die Polizei greift ein“ so Hofmann. Und am ende kommt es genauso. Fast vier Stunden kleben die vier jungen Menschen an den Scheiben. Links und rechts weitere Sympathisanten und die Polizei.

Unterdessen ist eine Diskussion über die Form des Protestes und mögliche Konsequenzen entbrannt. Auch haftungsrechtliche Fragen sind zu klären, etwa über den zeitweisen Verdienstausfall für das Schnellrestaurant.

„Es wird ein Ermittlungsverfahren nach dem Versammlungsgesetz wegen der Nichtanmeldung einer geplanten Demonstration/Kundgebung eingeleitet“ kündigt die Polizei an. Ob Burger King Ansprüche geltend machen wird, ist unklar. „Wir haben vorher mit unseren Anwälten gesprochen und da wurden keine großen Bedenken geäußert, wenn wir keine Sachbeschädigungen anrichten. Zudem haben wir den Seiteneingang freigehalten, sodass der Betrieb weiter gehen konnte“ stellt Henry Hofmann klar. Für ihn und seine Mitstreiter war diese Aktion aus ihrer Sicht ein voller Erfolg. Viele Passanten haben angehalten und der Kundgebung ein Lob zugesteckt. Es gab aber zahlreiche Kritiker.