Eigentlich sollte heute ein schöner Nachmittag und Abend für die Landjugend Bernkastel-Wittlich sein. Sie hatten die Idee mit ihren bunt geschmückten und beleuchteten Traktoren den Menschen in den Seniorenheimen in Wittlich, Morbach und Thalfang eine Freude zu bereiten. Sie planten dazu eine Lichterfahrt um in diesen schweren Zeiten etwas weihnachtliche Stimmung den Menschen vor Ort zu bereiten.
„Die Aktion sollte kontaktlos und unter Beachtung aller Corona Bedingungen stattfinden. Dies war schon abgeklärt mit der Kreisverwaltung BKS/WIL (Corona Abteilung)“ erklärt der Veranstalter Stefan Uhrmacher. Mit 15 Traktoren hätten sie sich auf den Weg gemacht und an den drei Seniorenheimen verteilt. „Meine Kollegen und ich haben für die vielen Lichterketten teils über 100 Euro für einen Traktor ausgegeben, um diese sso schön wie möglich zu dekorieren“ so Uhrmacher. Dolche Aktionen gab es in den letzten Wochen bereits in ganz Rheinland-Pfalz.
Doch dann nahmen die behördlichen Anträge ob JA oder Nein zu dieser Aktion ihren bitteren Lauf. „Wir hatten eine Zusage vom Morbacher Ordnungsamt. Nachdem ich in Wittlich auf der Kreisverwaltung angerufen habe, haben diese mit der Polizei gesprochen und plötzlich gab es eine schriftliche Absage“ erzählt der Junglandwirt sauer.
Zu den Begründungen wurde ihm mitgeteilt: „Es sei eine unnötige Aktion vor allem in solchen Zeiten. Unnötige Umweltbelastung und unnötige Störung des Straßenverkehrs.“ Auch wurden plötzlich die Beleuchtungseinrichtungen bemängelt. (In anderen Orten in RLP funktionierte es reibungslos.
Stefan Uhrmacher ist über die Politik die betrieben wurde stinksauer: „Meiner Meinung nach sind alles nur Notlügen. Wir werden einen Beschwerdebrief aufsetzen und an den Landrat und den Wittlicher Bürgermeister weiterleiten. Ich bin Stinksauer da wir schon alle in Beleuchtung und Vorbereitung viel Zeit und Geld investiert haben.“
newste.de hat bei der Polizei, der Kreisverwaltung und dem Seniorenheim in Thalfang nachgehört:
Karl-Peter Jochem, Pressestelle Polizei teilt mit: 
„Die Landjugend Bernkastel-Wittlich hatte zu keiner Zeit von den Polizeiinspektionen Morbach oder Wittlich Zusagen zur Durchführung der in Rede stehenden Lichterfahrt. Die Polizeiinspektion Morbach wurde auch nicht von der Landjugend kontaktiert. Im Übrigen ist die Polizei für die Genehmigung solcher Fahrten auch nicht zuständig. Die Polizeiinspektionen Wittlich und Morbach haben von der Stadtverwaltung Wittlich von der geplanten Lichterfahrt erfahren. Wir begrüßen es grundsätzlich, dass sich die Menschen Gedanken darüber machen, wie man anderen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in diesen Zeiten eine Freude bereiten kann. Allerdings haben die Polizeiinspektionen Morbach und Wittlich sowohl aufgrund der derzeit geltenden Corona-Beschränkungen als auch aus verkehrsrechtlicher Sicht Bedenken gegen die Lichterfahrt geäußert. Die Entscheidung über eine Genehmigung liegt aber letztendlich nicht bei der Polizei sondern bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde.“
Manuel Follmann, Pressestelle Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich teilt mit: 

„Zum konkreten Vorhaben kann gesagt werden, dass eine Genehmigung oder Durchführung nach Auffassung der Kreisverwaltung aus verschiedenen Gründen nicht möglich ist.

Zum einen aus straßenverkehrsrechtlicher Sicht: Nach der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) stellt das Vorhaben eine übermäßige Straßenbenutzung dar, die einer Erlaubnis bedürfte. Die angedachte Fahrt mit Traktoren mit zusätzlicher Weihnachtsbeleuchtung und Anbauten kann nach Auffassung der Kreisverwaltung zu Gefahrensituationen führen, die durch das Aufeinandertreffen mit schnellen Verkehren insbesondere auf vielbefahrenen Straßen des klassifizierten Straßennetzes entstehen können. Weiterhin kann durch die Anbauten und die Beleuchtung an den Traktoren das Sichtfeld des Fahrzeugführenden beeinträchtigt werden. Die zusätzlich angebrachte Beleuchtung aber auch die Anbauten können zudem zum Erlöschen der Betriebserlaubnis des Fahrzeugs führen. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass Traktoren mit grünem Kennzeichen nur für land- und forstwirtschaftliche Zwecke bestimmt sind. Nur im Rahmen einer örtlichen Brauchtumsveranstaltung dürften die Traktoren unter bestimmten Voraussetzungen zweckfremd eingesetzt werden.

Zum anderen sprechen auch Gründe des Infektionsschutzes gegen die Durchführung einer solchen Veranstaltung: Gemäß § 2 Abs. 8 der 14. Corona-Bekämpfungsverordnung sind Veranstaltungen oder Zusammenkünfte von Personen im öffentlichen Raum, die nicht unter besondere Regelungen der Verordnung fallen untersagt. Zwar können gemäß § 2 Abs. 10 der Verordnung im begründeten Einzelfall auf Antrag Ausnahmegenehmigungen von der zuständigen Kreisverwaltung unter Auflagen erteilt werden, allerdings nur soweit das Schutzniveau vergleichbar, dies aus epidemiologischer Sicht, insbesondere unter Berücksichtigung des jeweils aktuellen Infektionsgeschehens, vertretbar ist und der Zweck der Verordnung nicht beeinträchtigt wird.

Auch wenn die Absicht, den Heimbewohnern mit dem geschmückten Traktor-Korso in besonderen Zeiten eine Freude zu bereiten, grundsätzlich positiv zu werten ist, können die hierfür erforderlichen Ausnahmegenehmigungen nicht in Aussicht gestellt werden.“

Ivo Schedereit, Heimleitung Seniorenheim Charlottenhöhe Thalfang: 

„Enttäuschte Gesichter sind entstanden, als die Bewohner diese Nachricht erfuhren. Es wäre eine schöne Aktion gewesen um die schwere Zeit zu überbrücken. Anregende Gesprächsthemen wären aufgekommen, die unsere Senioren mit Freude erfüllt hätten. Dass junge Menschen in dieser Zeit an die alten Menschen in den Seniorenheimen denken ist berührend und verdient große Anerkennung.  Sicherlich wäre es eine schöne Ablenkung von dieser nicht ganz so einfachen Zeit gewesen. Ein dickes Lob an die Landjugend, über diesen bemerkenswerten Einfall, der die Bewohner an unbeschwerte Zeiten erinnert hätte“

Fazit des Autors: 

„Unsere Behörden machen es sich in diesem Fall sehr schwer, ihren Segen der Landjugend zu geben. Es hätte nicht geschadet, wenn die Traktorfahrer auf ihren Maschinen gesessen hätten und ihre bunten Traktoren den Senioren gezeigt hätten. Keinerlei Kontakte zwischen den Fahrern. Und zum Schluss- Was ist mit den Traktoren im Hunsrück, der Eifel und rund um Mainz gewesen? Dort durften sie über den öffentlichen Verkehrsraum mit ihren Beleuchtungen fahren. Hier scheint das nicht zu gehen… Schade!“