Trier. (bla) In den letzten Tagen und Wochen haben vermehrt besorgte Bewohner aus Stadt und Land den zuständigen Behörden Komma wie im vergangenen Jahr, große und kleine Nester des Eichenprozessionsspinners gemeldet. So haben am Dienstag nach Pfingsten die Arbeiten zur Bekämpfung der Raupen in Trier begonnen. Im Vorfeld sind Mitarbeiter des StadtGrün Amtes Trier alle Bestände von Eichenbäumen im gesamten Stadtgebiet abgefahren und haben die Bäume nach einem möglichen Befall des Eichenprozessionsspinners untersucht. Wenn ein Nest gefunden wurde, wurden entsprechende Warnschilder und Hinweise dort aufgehangen.
„Im vergangenen Jahr haben wir bereits viel früher mit den Bekämpfungsarbeiten angefangen, etwa zwei Wochen früher Mitte Mai. Wir können schon jetzt eine Reduzierung der Ausbreitung in Trier feststellen“ erklärt Christian Thesen StadtGrün Trier.
Hierbei hat die Stadt Trier in diesem Jahr zum ersten Mal einen naturnahen und ökologischen Ansatz zur Bekämpfung durchgeführt. „Die Mitarbeiter vom Amt StadtGrün haben mehr als 1000 Meisenkästen im gesamten Stadtgebiet, dort wo es Eichenbestände gibt, aufgehangen“ so Thesen. Zur Aufzucht der Brut benötigt ein Meisen-Pärchen rund 17 Kilogramm Insekten. Diese bestehen zu einem guten Teil aus Raupen. In den letzten Jahren konnten Beobachtungen festgestellt werden, dass die Meisen die Prozessionsspinner auch inklusive der Brennhaare fressen und verfüttern. Neben den Meisen hat die Stadt auch die Populationen von räuberischen Insekten (Puppenräuber, Florfliegen und parasitäre Schlupfwespen) durch gezielte Maßnahmen wie Totholzhaufen, Insektenresidenzen, Extensivierung der Mahd gefördert. „Und es scheint tatsächlich zu funktionieren. Wir sind zwar noch in einem frühen Stadium, aber bislang ist es im Vergleich zum vergangenen Jahr, weniger geworden“ freut sich Christian Thesen.
Wir haben am Mittwochmorgen Niclas Gödert und Jonas Resch, Mitarbeiter vom Forstbetrieb Herter in Treis- Karden bei der Bekämpfung mit dem Sauger begleitet. Sie machen die Arbeit im Auftrag für die Stadt Trier schon mehrere Jahre.
Frühmorgens um 7:30 Uhr haben die beiden Arbeiter ihre Arbeit aufgenommen. Bevor es mit dem Steiger- Fahrzeug zu den befallenen Bäumen geht, müssen sie ihre Schutzanzüge anziehen. Das sind Einmalanzüge, die den ganzen Körper bedecken. Die Verbindung von Schuhen zum Anzug, werden mit Klebeband verschlossen. „In diesem Jahr war das garnicht so einfach diese Ganzkörperanzüge zu bekommen. Aber unsere Firma hatte sich im vergangenen Jahr bereits damit eingedeckt“ schmunzelt Niclas Gödert. Nachdem die Anzüge angezogen sind, fahren die beiden zu den ersten Bäumen. „Wir beginnen systematisch an Kindergärten und Schulen und arbeiten uns dann durch Wohngebiete und zum Schluss an landwirtschaftlichen Flächen durch“ erklärt der Fachmann. Wir treffen die beiden Insektenbekämpfer am Trimmelter Hof an Eichenbäumen zwischen eng bebauten Mehrfamilienhäusern. Nachdem sie die drei Bäume an der besagten Stelle gesichtet haben, beginnen die Arbeiten. „Wir haben hier vier Nester, die wir nun mit dem Sauger absaugen werden. Die Raupen landen dann in dem Luftdicht verpacktem Sauger und werden folglich der Vernichtung zugeführt“ erklärt Gödert die Vorgehensweise. In diesem Fall am Trimmelter Hof sind zwei Nester hinter den Warnhinweisschildern und zwei weitere inmitten der Bäume. Unten die beiden Nester können schnell ohne Probleme abgesaugt werden. Für die zwei weiteren Nester muss der Steiger in Stellung in Stellung gebracht werden. Jonas Resch macht sich fertig und fährt mit der Hebelbühne in den Baum zum Nest. „Das ist bislang unser größtes Nest. Stellt aber kein Problem für uns dar“ so Resch. Auch diese Raupen hat er in kurzer Zeit komplett abgesaugt. Anschließend wird Sprühkleber auf die Stelle gesprüht, wo die Eichenprozessionsspinner vorher waren.
So werden sich die beiden Männer voraussichtlich in den nächsten acht Wochen von baum zu Baum durcharbeiten und die Nester beseitigen. Niclas Gödert stellt aber klar: „Wenn wir ein Nest entfernt haben, bedeutet dass aber nicht, dass wir zu einem späteren Zeitpunkt nicht wieder zum gleichen Baum anrücken müssen. Sie können weiterhin befallen werden, besonders in den heißen Sommermonaten.“
Christian Thesen vom Amt StadtGrün erklärt in den Verhaltenstipps, dass sich Menschen, nach Möglichkeit von befallenen Bäumen fernhalten sollen. Wenn es mal luftiger sein sollte, können die Haare der kleinen Tiere aufgewirbelt werden und unter Umständen auf der Haut landen. Das führt zu Rötungen und Juckreiz. „Im Notfall dann doch immer einen Arzt aufsuchen, der sich die Haut anschaut.“ Wer im Stadtgebiet von Trier den Eichenprozessionsspinner sichten sollte, kann hier die Nummer 115 anrufen und den Standort melden. Folglich werden die Nester dann entfernt. So werden Niclas Gödert und Jonas Resch in den kommenden Wochen noch von Eichenbaum zu Eichenbaum reisen und den Eichenprozessionsspinner aufsaugen.

(Blaes)