Preissprünge an Tankstellen: Woher kommen die extremen Preisunterschiede?

Vor wenigen Tagen stürzten die Spritpreise in Trier im Tagesverlauf um fast einen Euro ab. Trier ist ein teures Tankpflaster, aber wieso liegen die Preise in Trier im Vergleich meist weit über dem Durchschnitt? Unsere Anfrage wurde von ARAL beantwortet - wenn auch nur "schwammig".
Eine Sprecherin vom ARAL Kundenservice hat unsere Anfrage zu den enormen Preisunterschieden beantwortet. Symbolfoto: picture alliance / dpa | Oliver Berg
Eine Sprecherin vom ARAL Kundenservice hat unsere Anfrage zu den enormen Preisunterschieden beantwortet. Symbolfoto: picture alliance / dpa | Oliver Berg

Spritpreise kratzten an 3-Euro-Grenze

Wer am Sonntag, 11.09.2022, in Trier tanken wollte, musste schwer schlucken. Die Spritpreise kratzten an der 3-Euro-Grenze. Am Montagmorgen sah die Situation nicht anders aus. Innerhalb eines Tages fielen die Preise dann um fast 80 Cent bei Diesel, bei Benzin waren es sogar 95 Cent weniger. Hebert Rabl, Sprecher des Tankstelleninteressenverbands, erklärte gegenüber des Trierischen Volksfreunds, dass ein solcher Preissturz innerhalb eines Tages „völlig ungewöhnlich“ sei. Er vermutete, dass jemand in der Preisabteilung für Trier womöglich „aus Spaß“ an der Preisschraube gedreht hatte – um zu sehen, wie Mitbewerber reagieren würden. (Zum Bericht: Von 2,92 Euro auf 2,14 Euro: Preissturz an Trierer Tankstellen)

Wieso unterschieden sich Preise einer Tankstelle so enorm?

Zum Abend hin hatte sich die Preislage allmählich beruhigt. Was weitere Fragen aufwirft: Wieso unterschieden sich Tankstellen desselben Konzern so radikal? In unserem Beispiel geht es um die Aral-Tankstellen in Trier und Umgebung.

Bereits letzte Woche, vor der „verrückten“ Achterbahnfahrt, hatten wir den Konzern kontaktiert (Anfrage erfolgte am 09.09.2022). Grund für die Anfrage war, dass sich die Preise an den unterschiedlichen Aral-Tankstellen enorm unterschieden. Beispielsweise kostete zum Zeitpunkt der Anfrage der Sprit in der Trierer Ostallee über 60 Cent mehr als in Bitburg. Auch am heutigen Morgen, 15.09.2022, kostet ein Liter E 10 in Bitburg 1,89 Euro. Zum Vergleich: In Hermeskeil sind es 1,92 Euro, in Wittlich bereits 1,95 Euro und in Trier 2,01 Euro. Ausreißer ist die Tankstelle an der A 1 im Hochwald – dort kostet ein Liter 2,28 Euro.

So setzt sich der Literpreis zusammen:

Eine Sprecherin vom Aral-Kundenservice erklärte, welche Einflüsse sich auf die Preissprünge zwischen den Tankstellen auswirken. Auch verwies sie auf auf die Preisbildung- und struktur, die Aral auf der Webseite veröffentlicht:

Bei einem Literpreis von 180,9 Cent (Durchschnittspreises des Vormonats von Super E10) setzt sich der Preis wie folgt zusammen: 54 Prozent des Preises seien der Einkaufspreis, dieser beträgt laut Aral 97,8 Cent. 36 Prozent des Preises machen Steuern aus, diese liegen in dem Beispiel bei 65,1 Cent. Zu guter Letzt bleiben 10 Prozent für „Kosten und Gewinn„. Die Kosten würden bei 10 Cent liegen und der Gewinn lediglich bei ein bis zwei Cent pro Liter.

Wettbewerb und Konkurrenz treiben die Preise

„Unterschiedliche Wettbewerbsverhältnisse“ nehmen Einfluss auf die Tankstellen und lassen teils enorme Preisabstände entstehen, so die Sprecherin weiter. Besonders auffällig seien die Preisunterschiede bei regionalen Märkten mit hoher Wettbewerbsdichte und „scharfer Konkurrenz“. Das Problem in Trier ist also, dass es zu viele Tankstellen gibt. Im Wortlaut: „Wo etwa Anbieter wie Verbrauchermärkte oder große Möbelhäuser Tankstellen in Stadtrandlagen betreiben und Sprit zu Billigpreisen anbieten, um Kunden für ihr Kerngeschäft anzulocken, müssen auch die Tankstellenpächter der großen Marken mit niedrigeren Spritpreisen reagieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben und eine dauerhafte Kundenabwanderung zu verhindern.“ So würden sich in verschiedenen regionalen Märkten die teilweise enormen Differenzen erklären.

Wieso die Preise in Trier nun so viel höher sind, geht aus der Antwort nicht hervor. Offenbar handelt es sich hier um „geheime“ Preispolitik.

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