Tankrabatt in Frankreich und Deutschland: Sorge bei Luxemburgs Tankstellen

Seit Einführung der Tankrabatte in Frankreich und Deutschland sinken die Verkaufszahlen an den luxemburgischen Tankstellen. Damit setzt sich der rückläufige Trend weiter fort. Wenn der Sprit in Frankreich nun noch billiger wird, spitzt sich die Lage zu:
Bekanntes Bild: Am Wochenende verzeichnen die luxemburgischen Tankstellen für gewöhnlich einen großen Ansturm. Foto: Florian Blaes
Bekanntes Bild: Am Wochenende verzeichnen die luxemburgischen Tankstellen für gewöhnlich einen großen Ansturm. Foto: Florian Blaes

Spritpreise in Frankreich unter Luxemburg-Niveau

Künftig wird das Tanken in Frankreich deutlich günstiger. Am gestrigen Mittwoch wurde in der Nationalversammlung ein Gesetz verabschiedet, mit dem der Tankrabatt erhöht wird. Demnach wird der Tankrabatt in Frankreich von derzeit 18 auf 30 Cent erhöht, berichtet unter anderem L’essentiel. Das bedeutet, dass je nach Kraftstoffart ein Literpreis von etwa 1,50 Euro möglich ist.

Lage in Luxemburg spitzt sich zu

„Wir befürchten niedrigere Verkaufszahlen an der französischen Grenze, so wie wir es in den vergangenen Monaten an der Grenze zu Deutschland beobachten mussten“, wird Jean-Marc Zahlen, Generalsekretär des Luxemburger Mineralölverbands GPL (Groupement Pétrolier Luxembourgeois), von L’essentiel zitiert. Dort seien im Mai und im Juni 20 bis 40 Prozent weniger durch die Zapfhähne geflossen. Seit Einführung des Tankrabatts in Deutschland waren die Spritpreise hierzulande zeitweise günstiger als an luxemburgischen Tankstellen. In Deutschland endet der Tankrabatt aber Ende August. Wie sich die Spritpreise danach verhalten, ist noch unklar.

Der Verband sei beunruhigt. Bereits in den vergangene Jahren war der Absatz ruckläufig. Weiter heißt es in dem Bericht, dass 2019 in Luxemburg noch eine halbe Milliarde Liter Benzin und zwei Milliarden Liter Diesel verkauft wurden. Im ersten Pandemiejahr 2020 sei der Absatz um 25 Prozent zurückgegangen und habe sich seither kaum erholt. Luxemburg helfe auch die Verlängerung des Tankrabatts bis August nicht weiter, da der Trend dadurch nicht abgewendet werde. Stattdessen werde höchstens „die Bruchlandung für die Ölkonzerne“ beschränkt, so Jean-Marc Zahlen.

Schließen bald die ersten Tankstellen?

Da Luxemburg wegen des geltenden EU-Rechts die Verbrauchsteuer nicht noch weiter senken kann, ist nur eine Senkung der Mehrwertsteuer oder eine direkte Subvention möglich – wie die für Heizöl. Allerdings sei diese Maßnahme unwahrscheinlich, weil die luxemburgische Regierung die CO2-Emmissionen bis 2030 um 55 Prozent senken will, so L’essentiel. Das sei nur möglich, wenn im Land insgesamt deutlich weniger getankt werde. „Mittelfristig sollen weniger Tanktouristen nach Luxemburg kommen“, wird Finanzministerin Yuriko Backes (DP) im Bericht zitiert.

Für den Mineralölverband bedeutet das 3.600 gefährdete Arbeitsplätze in der Branche – vor allem an den Tankstellen des Landes. „Diese politischen Maßnahmen tragen nichts zur Erfüllung von Klimazielen bei, sie führen nur dazu, dass der Verkauf in die Nachbarländer verlagert wird, und die Staatseinnahmen und die Arbeitsplätze hierzulande verloren gehen“, habe sich Jean-Marc Zahlen in dem Zusammenhang geärgert.

Es sei nicht auszuschließen, dass einige Tankstellen im Land bald schließen – zumindest zeitweise, „wenn sie mit Verlust verkaufen müssen“, so Zahlen.

Artikel von L'essentiel (28.07.2022)