Anklage wegen Mordes: Staatsanwaltschaft veröffentlicht neue Details zum Polizeimord bei Kusel

Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern hat wegen des Mordes an zwei Polizeikräfte Ende Januar Anklage erhoben. Dem 38-jährigen Tatverdächtigen wird Doppelmord vorgeworfen. In der Anklage veröffentlicht die Staatsanwaltschaft grausame Details zum Tathergang:
In Sulzbach wurden die Tatverdächtigen festgenommen sowie die Tatwaffen sichergestellt. Foto: Florian Blaes
In Sulzbach wurden die Tatverdächtigen festgenommen sowie die Tatwaffen sichergestellt. Foto: Florian Blaes

Anklage nach tödlichen Schüssen auf Polizeikräfte

Während einer Verkehrskontrolle am 31. Januar 2022 wurden zwei Polizeikräfte erschossen. Die tödlichen Schüsse feuerte mutmaßlich der 38-jährige Andreas S. ab. Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern hat gegen den Tatverdächtigen Anklage erhoben. Ihm wird versuchter Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie zwei weitere vollendete Morde vor, zusätzlich Widerstand und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte.

Zunächst wurde auch seinem inzwischen 33-jährigen Komplizen Mord vorgeworfen, allerdings wurde der Vorwurf inzwischen fallengelassen und die Staatsanwaltschaft geht von Andreas S. als alleinigen Täter aus. Dem 33-Jährigen wird gewerbsmäßige Wilderei sowie versuchte Strafvereitelung vorgeworfen, weil er nach der Andreas S. nach der Tat dem 38-Jährigen bei dem Versuch half, Spuren der Morde beiseite zu räumen.

Staatsanwaltschaft schildert die Morde:

Mit der Anklage wurden neue Details zu den Morden an den beiden Polizeikräften bekannt. Mittlerweile werden dem 38-Jährigen drei Schüsse mit der Schrotflinte zu Last gelegt. Demnach habe Andreas S. den ersten Schuss „überraschend aus der Schrotflinte aus kurzer Entfernung auf den Kopf der Polizeibeamtin“ abgefeuert, die dadurch schwer verletzt und bewusstlos zu Boden ging – daher Andreas (38) zunächst davon aus, dass sie tot sei.

Den zweiten Schuss aus der Schrotflinte soll er aus größerer Entfernung auf den männlichen Polizeibeamten gefeuert haben. Danach schoss er drei Mal mit einem Jagdgewehr auf den Polizisten und verletzte ihn mit jedem Schuss schwer, so die Angaben der Staatsanwaltschaft. Der letzte Schuss traf den Polizisten am Kopf und war tödlich.

Weiterer Schuss aus kurzer Entfernung

Als sich der Schütze wieder der auf dem Boden liegenden Polizistin widmete, soll er bemerkt haben, dass sie noch lebte „und gab mit der Schrotflinte einen weiteren Schuss auf ihren Kopf ab.“

Keine Anhaltspunkte für verminderte Schuldfähigkeit

Zur Schuldfähigkeit beider Beschuldigter habe die Staatsanwaltschaft psychiatrische Gutachten eingeholt. Die Sachverständigen geben ihr abschließendes Gutachten erst in der Hauptverhandlung und aufgrund des Ergebnisses der Hauptverhandlung ab. Nach ihrer vorläufigen Bewertung gibt es bei keinem Beschuldigten Anhaltspunkte für eine Einschränkung der Schuldfähigkeit.

Ermittlungen gegen Ehefrau

Die Schrotflinte hatte der 38-Jährige vor längerer Zeit in einem Waffengeschäft im Saarland erworben und dann an eine Privatperson verkauft. Mitte 2021 kaufte die Ehefrau des 38-Jährigen dann die Waffe von dieser an, schildert die Staatsanwaltschaft weiter. Bereits im Frühling 2021 hatte die Ehefrau des 38-Jährigen das Jagdgewehr in einem weiteren Waffengeschäft im Saarland erworben. Der 38-Jährige lebte mit seiner Ehefrau, die die Waffen legal besaß, zusammen. Die näheren Umstände, wie der 38-Jährige in den Besitz der Tatwaffen kam, sind Gegenstand eines laufenden Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern gegen die Ehefrau wegen fahrlässiger Tötung und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Diese Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

 

Mitteilung der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern (10.05.2022), Eigene Berichte