Ermittler finden bei Verdächtigem tonnenweise mutmaßliches Wilderei-Fleisch

Bei Durchsuchungen wurden tonnenweise Fleisch in Kühlräumen und Belege über 40.000 Euro gefunden. Laut "SPIEGEL"-Informationen habe der Verdächtige (38) einen Großhandel mit gewildertem Fleisch betrieben.
Am Montag, 31.01.2022, wurden zwei Polizeikräfte während einer Verkehrskontrolle erschossen. Foto: Florian Blaes
Am Montag, 31.01.2022, wurden zwei Polizeikräfte während einer Verkehrskontrolle erschossen. Foto: Florian Blaes

Durchsuchungen in Sulzbach

Offenbar betrieb einer der Verdächtigen (38) im Fall der getöteten Polizeikräfte über Jahre einen Großhandel mit mutmaßlich illegal erlegtem Wild, berichtet der SPIEGEL. Im Rahmen der Ermittlungen wurden bei einer Durchsuchung von Lagerräumen in Sulzbach am Montag „tonnenweise verkaufsfertiges, tiefgefrorenes Fleisch“ gefunden. Damit sei ein finanzielles Motiv wahrscheinlicher, so der SPIEGEL weiter. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücke führe Ermittlungen wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Wilderei.

Verdächtiger ohne Jagdschein

Der 38-jährige Tatverdächtige hatte in der Vergangenheit eine jagdliche Ausbildung gemacht, allerdings wurde ihm der Jagdschein bereits 2008 entzogen. Demnach war es ihm auch nicht mehr erlaubt, eine Waffe zu besitzen. Der Deutsche Jagdverband gab bekannt, dass in der Vergangenheit bereits gegen den Verdächtigen (38) wegen Wilderei ermittelt wurde.

Bei Durchsuchung „Art Buchführung“ gefunden

Weiter heißt es im Bericht des SPIEGEL dass Beamte bei den Durchsuchungen neben der großen Menge an Wildfleisch auch eine „Art Buchführung zu möglichen Kunden“ entdeckt. Allein zwischen September und Anfang Januar soll der Verdächtige etwa 40.000 Euro mit seinen Geschäften verdient haben, das werde durch „mutmaßliche Verkaufsunterlegen“ nahegelegt, so der SPIEGEL. Damit werde ein finanzielles Motiv im Mordfall wahrscheinlicher – „um gewerbsmäßige Wilderei zu vertuschen.“

Zusätzlich heißt es im Bericht, dass der Verdächtige bereits vor Jahren finanzielle Schwierigkeiten hatte. Im internen Vorgangssystem der saarländischen Polizei gebe es seit 2017 „mehrere Dutzend“ Einträge zu ihm, darunter ein Fall der Wilderei. Die anderen Einträge betreffen „mögliche Straftaten im Rahmen der Insolvenz seines Bäckereibetriebs“, führt der SPIEGEL aus. Seit 2019 habe es zudem Ermittlungen wegen versuchten Versicherungsbetruges gegeben. Letztes Jahr sei vom Amtsgericht Saarbrücken Anklage gegen den 38-Jährigen erhoben worden. Der Grund dafür: der „Verdacht der Insolvenzverschleppung sowie der Veruntreuung von Arbeitsentgelt in Höhe von rund 100.000 Euro.“, so die SPIEGEL-Informationen.

38-Jähriger schweigt, 32-Jähriger gibt Wilderei zu

Die beiden festgenommen Tatverdächtigen sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Der 38-Jährige macht bislang von seinem Schweigerecht Gebrauch. Der 32-jährige Beschuldigte sagte hingegen aus: Er habe gewildert, aber nicht geschossen. In beiden Haftbefehlen geht der Ermittlungsrichter davon aus, dass beide Männer die Tötung gemeinsam begangen haben.