Katastrophenschutz: Trierer Warnwochen- Warntag am 08. Dezember 2022

Die Trierer Warnwochen haben begonnen. Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, müssen Sirenen her sowie Aufklärung, was zu tun ist. Den Auftakt machte eine Pressekonferenz mit unter anderem OB Wolfram Leibe, Feuerwehrchef Andreas Kichartz und Leiter des Katastrophenschutzes, Florian Zonker:
Eine der neuen Sirenen in Trier-Ehrang. Foto: Florian Blaes
Eine der neuen Sirenen in Trier-Ehrang. Foto: Florian Blaes

Am Donnerstag, 10.11.2022, haben Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Feuerwehrdezernent Ralf Britten, Feuerwehrchef Andreas Kirchartz, Leiter Katastrophenschutz Florian Zonker und Tim Hartmann, Bereichsleiter Technische Dienste SWT die Presse im Stabsraum der Berufsfeuerwehr Trier empfangen. Hier ging es in erste Linie um die Kommunikationswege in einem Katastrophenfall in Trier. Konkret ging es um die Warnmittel, die zur Verfügung stehen, und wie die Bevölkerung gewarnt wird, wenn es zu einem Notfall größeren Ausmaßes kommen sollte.

Die Trierer Warnwochen haben begonnen. Foto: Florian Blaes

All das werden wir nun folglich ausführlich erläutern:

Rückblick: Hochwasser-Katastrophe in Ehrang

Die Bilder vom 15. Juli 2021 bleiben unvergessen. Tage zuvor hatte es bereits sehr viel Regen gegeben. Die Pegel der Flüsse stiegen rasant an. Auch die der „Kyll“, welche durch Trier-Ehrang fließt. Dass es mal Hochwasser gibt, sind die Menschen schon gewohnt. Doch das was im Sommer 2021 passierte, hat man so vorher noch nie gesehen. Auch darauf ging Oberbürgermeister Wolfram Leibe in seiner Begrüßung ein: “ Es war ein warmer Sommertag und es schien die Sonne, niemand hätte auch nur daran gedacht, dass an diesem Tag etwas Schlimmes in Ehrang passieren würde“, blickte der Oberbürgermeister zurück.

In der Tat, als die Feuerwehr wusste, dass es brenzlig werden würde und Menschen evakuiert werden mussten, sind die Einsatzkräfte bei Sonnenschein von Haus zu Haus und haben die Menschen aufgefordert ihre Häuser zu verlassen. Das Krankenhaus und das Altenheim mussten in kürzester Zeit geräumt werden. Aktive Sirenen gab es keine. Die Feuerwehr fuhr aber mit Lautsprecherdurchsagen durch die Straßen und klingelte aktiv an jedem Haus.

Die Menschen wollten nicht wahrhaben, dass eine Katastrophe kommen würde – und sie kam, in einer unvorstellbaren Geschwindigkeit. Doch eines hat man in Trier geschafft: Es hat niemand sein Leben verloren. Die Zusammenarbeit zwischen Behörden und den Kräften vor Ort funktionierte fast reibungslos. Man kam an die Grenzen und hat die Schwachstellen erkannt. Dazu gehörten auch der Digitalfunk und die digitale Alarmierung. Er funktionierte nicht, wie man es sich eigentlich gewünscht hätte. Der Oberbürgermeister erklärte: „Trier ist handlungsfähig in Ehrang gewesen, aber verbesserungsbedüftig. Und die Strukturen auf Bundesebene fehlen.“

„Die Welt hat immer eine Überraschung übrig“

Doch man hat auch aus dieser Katastrophe gelernt und entschieden, dass die Menschen in Trier noch besser (vor-)gewarnt werden müssen. Sie müssen wieder lernen, welche Mittel es gibt und was diese bedeuten, wenn eine Katastrophe sich anbahnt. All diese Themen und Fragen werden nun in den kommenden Wochen ausführlich erklärt und geprobt. Es wird zukünftig einen Warnmittel-Mix aus Sirenenalarm, Warnapps, Radio und Fernsehen, Sozialen Medien/ Internet und Lautsprecherfahrzeuge geben.

Eine der wichtigsten Neuerungen sind die Sirenen. In der Vergangenheit wurden sie abgebaut. Jeder kennt sie, die tellerartigen Sirenen auf den Dächern. Doch nach und nach sind sie verschwunden. Nun werden sie wieder aufgebaut und dienen als Warnmittel. Feuerwehrchef Andreas Kirchartz brachte es im Pressegespräch auf den Punkt: „Die Welt hat immer eine Überraschung übrig“, und das kann schon morgen sein.

(c) Florian Blaes

Wie ist der Katastrophenschutz in Trier aufgestellt?

Der Feuerwehrdezernent Ralf Britten erklärte, dass es in Trier die Berufsfeuerwehr Wache I und II gibt, zudem elf Löschzüge mit insgesamt 260 Hauptamtlichen und 340 ehrenamtlichen Männern und Frauen. Weiter gibt es die Hilfsorganisationen aller Art – DRK, Malteser, Arbeiter Samariter Bund und das THW – welche im Bedarfsfall, auch zum Teil in Schnellen Einsatzgruppen (SEG), zur Verfügung stehen. „Die Feuerwehr und alle Hilfsorganisationen in Trier sind sehr gut aufgestellt und können schnell im Großschadensfall agieren“, so Britten.

Aber er machte klar, dass die Menschen auch Verantwortung übernehmen müssen. Die Bevölkerung wird von der Stadt Trier und dem Warnmittel-Mix gewarnt und dann müssen sie selbstständig handeln. Das heißt auch Nachbarn warnen und ihnen, wenn nötig, helfen. Oder Menschen informieren, die Warnungen aus den verschiedensten Gründen nicht mitbekommen könnten. Hierbei reichen zur Warnung die Warnapps nicht immer aus. Andreas Kirchartz bringt es hier wieder auf dem Punkt: „Die Menschen haben zwar größtenteils alle ein Handy, aber es vibriert und blinkt mehrmals am Tag für anderen Dinge, wie SMS oder soziale Medien, und da schaut man dann durchaus auch nicht immer direkt auf das Handy, wenn eine wichtige Warnung über Nina oder Katwarn rein kommt.“ Also sind wir wieder bei den Sirenen. Sie werden gebraucht.

Das sind die neuen Sirenen

Andreas Kircharzt, der Feuerwehrchef erklärte, dass unabhängig von der Flutkatastrophe bereits vor drei Jahren mit einem Warnkonzept begonnen wurde. So wurden zum Beispiel die Lautsprechermodule für die Feuerwehrfahrzeuge angeschafft und schon mehrfach, besonders bei Bombenfunden, eingesetzt.

Nach der Flut in Ehrang wurden schnell drei Sirenen aufgebaut. Das sind die drei Standorte: Montessori Kindergarten (Alemannenstraße 7), DB Haltepunkt Ehrang (August-Antz-Straße) und am Friedhof Ehrang. Diese drei Sirenen wurden auf Masten in 16 Metern Höhe aufgebaut.

Zukünftige Sirenen sollen aber laut Planungen auf Dächer, nach Möglichkeit von städtischen Gebäuden gebaut werden. In den kommenden zwei Jahren soll es in ganz Trier dann wieder Sirenen geben. 26 Sirenen in 2023 und 26  in 2024, dann ist die Stadt Trier fertig und wird bis dahin 55 Sirenen haben. Das ist am Ende eine Gesamtinvestition von circa 825.000 Euro. Die Sirenen werden eine Reichweite von etwa 500 Metern haben, daher auch die große Menge an Sirenen, die nötig ist, um die komplette Stadt abzudecken.

Die Sirenen werden einen Schalldruckpegel/ Lautstärke von 115 Dezibel haben. Das entspricht in 30 Metern Entfernung dem „Lärm und Lautheit“ einer Kettensäge in einem Meter Abstand. Bei einem Stromausfall kann sie Batteriebetrieben bis zu zwölf Tage in Stand-By Modus sein und in dieser Zeit einer Notstromversorgung noch etwa 20 Alarme auslösen.

Das sind die ersten drei Sirenen: 

So verhalten Sie sich richtig

„Die Menschen müssen wissen: Warum heult die Sirene? Das Bewusstsein für unterschiedliche Gefahren muss wieder präsent in den Köpfen werden“, mahnt der Oberbürgermeister Leibe an. Bei großen Schadenslagen und Katastrophenfällen ist der Oberbürgermeister für die Stadt Trier der „Chef“ und Verantwortliche.

Ein Sirenenalarm kann ausgelöst werden bei: Unwetter (Stürmen und Hochwasser), Ausfall der Versorgung wie Strom, Gas und Wasser, Austritt von Gefahrstoffen, Großbränden und Waffengewalt sowie Angriffen. Hier auch ein Beispiel: Bei der Amokfahrt in Trier stand in den ersten Minuten nicht fest, was los ist. Hier hätte eine Sirene im Innenstadtbereich heulen können, um die Menschen vor einer Gefahr zu warnen. Da sind wir dann bei der Eigenverantwortung: Beim Aufheulen der Sirene muss ich mich selbst darum kümmern, zu erfahren, was passiert ist. Fernsehen, Radio, Warnapps oder soziale Medien/ Internet. Wichtig ist aber auch hierbei Ruhe zu bewahren und je nach welcher Lage zunächst geschlossene Räume aufzusuchen, Fenster und Türen zu schließen. Und schließlich auf die Entwarnung warten. Die Notrufnummer 112 sollte nur dann gewählt werden, wenn Sie selbst oder Personen im Umfeld in akuter Gefahr sind.

Das sind die zwei wichtigen Alarmtöne der Sirenen

  • Alarm – akute Gefahr: Eine Minute an- und abschwellender Heulton
  • Entwarnung: Eine Minuten gleichbleibender Ton

Wichtig: Termine der Probealarme

Das alles oben Beschriebene muss geprobt werden. Die Menschen müssen sensibilisiert und auf die Sirenentöne aufmerksam gemacht werden. Vorerst betrifft das zunächst die Menschen in Trier-Ehrang. Dort wird es drei Probealarme der Sirenen geben. Das ist dann keine Gefahrenlage. Der Leiter Katastrophenschutz Florian Zonker macht klar: „sollte es mal fünf Minuten länger dauern oder gar nicht, ist das nicht schlimm. Es ist ein Probealarm, der darf auch schief gehen, auch wenn er es nicht sollte.“

Folgende Termine zur Probealarmierung in Trier-Ehrang:

  • Samstag, 19. November um 12 Uhr 
  • Samstag, 26. November um 12 Uhr 
  • Donnerstag, 08. Dezember um 11 Uhr (Bundesweiter Warntag) 
  • Probealarm, dann jeden ersten Samstag im Quartal sowie am bundesweiten Warntag 

Hinweis für Trier-Kürenz:

Für die Stadt Trier gibt es derzeit noch einen nachfolgenden Hinweis: In Trier-Kürenz gab es in den letzten Wochen immer wieder eine „Sirene“ zu hören, die genau die gleiche Heulart der neuen Sirenen hat. Das ist die Sirene des DB Regio Werks in Kürenz. Diese schlägt Alarm und heult auf, wenn die Brandmeldeanlage einläuft. Das hat bei vielen Menschen zu einer Verunsicherung und zahlriechen Notrufen geführt. Hier sind die Verantwortlichen der Stadt Trier mit der Deutschen Bahn im Gespräch, um eine Lösung zu finden. Diese soll es wohl auch schon zeitnah geben.

Was geschieht noch in den Trierer Warnwochen

In einem Katastrophenfall und der Probealarmierungen wird der Knopf der Sirenenauslösung im Übrigen vom Krisenstab der Leistelle Trier ausgelöst.  In den kommenden Tagen bekommen alle 5.500 Haushalt ein Trier-Ehrang und Trier-Quint, die 500 Unternehmen und Seniorenheime Handzettel mit allen Infos zu den Probealarmierungen. In den Schulen und Kitas gibt es Elternbriefe und die Feuerwehr in Trier wird am Verkaufsoffenen Sonntag in Trier am 27. November 2022 in der Innenstadt präsent sein.

Die Multiplikatoren wie Hausärzte und Vereine werden miteingebunden, in der gesamten Stadt werden Plakate an öffentlichen Gebäuden, Bushaltestellen und in den Bussen aufgehangen.  Der Oberbürgermeister wird zudem eine öffentliche Sprechstunde in Facebook zu dem Thema anbieten. Kinder und Flüchtlingsfamilien werden zu dem Thema der Sirenen sensibilisiert.

Leitstelle Trier. Foto: Florian Blaes

Abschließender Tipp

Zum Abschluss gibt der Feuerwehrdezernent Ralf Britten noch einen Tipp an die Menschen: „Sorgen Sie schon jetzt für ausreichende Lebensmittel im Haus. Ein benötigter Grundvorrat und Wasservorrat sollte ganzjährig und immer vorhanden sein. Es kann ganz schnell passieren, dass Lieferketten nicht funktionieren, dass die Energie nicht geliefert kann und Gefahren drohen. Gute Vorbereitung kann Leben retten!“

Viele weitere Infos zum Thema auch unter: Feuerwehr Trier – Sirenenalarm

Eigene Recherche