Prahlt mutmaßlicher Polizeimörder von Kusel im Gefängnis mit Leichenfotos?

Der Hauptangeklagte im Prozess um die Morde an zwei Polizeikräften im Landkreis Kusel soll im Gefängnis mit Leichenfotos geprahlt haben. Die Eltern der getöteten Polizistin haben Anzeige erstattet, geht aus einem Bericht des Südwestrundfunk hervor.
Der Hauptangeklagte im Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern. Dort begann am 21.06.2022 der Prozess wegen der Polizistenmorde im Januar in der Westpfalz. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach
Der Hauptangeklagte im Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern. Dort begann am 21.06.2022 der Prozess wegen der Polizistenmorde im Januar in der Westpfalz. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach

Am Landgericht Kaiserslautern wurde der Prozess um die Polizeimorde fortgesetzt. Am heutigen Prozesstag wurde die Anzeige der Nebenklage verlesen, berichtet der Südwestrundfunk (SWR).

Prahlt Angeklagter mit Fotos seiner Tat?

Offenbar soll der Hauptangeklagte Fotos der erschossenen Polizistin Yasmin B. einem Mithäftling gezeigt haben. Die Eltern der getöteten Polizistin haben Andreas S. (38) wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten“ angezeigt. Weiter heißt es, dass er mit diesem Mithäftling mehrfach über die Tat gesprochen habe, so die Angaben des Senders. Der 38-Jährige soll im Gefängnis zwei Tatortfotos der getöteten Frau aus den Ermittlungsakten weitergegeben zu haben.

Ansehen der getöteten Polizistin verletzt

Im Bericht des SWR heißt es dazu: „Aus Sicht der Nebenklage belege das Herumzeigen der Fotos, dass der Hauptangeklagte eine ‚Freude an extremen Situationen‘ habe. Das Vorführen der Fotos sei „grob anstößig“ und verletze das Ansehen von Yasmin B. Die Nebenklage habe das Verhalten des Angeklagten Andreas S. als „ungeheuerlich“ bezeichnet, berichtet der Sender weiter. Die Eltern der getöteten Polizistin baten deshalb, die Ermittlungen in diesem Fall aufzunehmen.

Aussage des Mitangeklagten wurde vertagt

Eigentlich wurde für den heutigen Prozesstag die Aussage des Nebenangeklagten erwartet. Der 33-Jährige schwieg an bisher 14 Verhandlungstagen im Landgericht Kaiserslautern – am Montag antwortete er nun auf etwa 40 Fragen von Richter Raphael Mall. Darin schilderte der Saarländer eine schwierige Jugend nach der Scheidung seiner Eltern und einem zeitweiligen Umzug nach Italien.

Die mit Spannung erwarteten Fragen zur Tat konnte Richter Raphael Mall nicht stellen: Ein wichtiger Gutachter fehlte wegen einer Corona-Erkrankung. Dieser sollte die Reaktionen des Hauptangeklagten Andreas S. beobachten und bewerten, während er der Aussage des Mitangeklagten lauscht, heißt es im Bericht des SWR.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Nebenangeklagten versuchte Strafvereitelung vor – er habe beim Verwischen der Spuren geholfen.

 

Beitrag SWR (19.09.2022), Deutsche Presse-Agentur