Prozessbeginn um Mord in Tankstelle in Idar-Oberstein – Verhandlung direkt unterbrochen

Heute beginnt der Prozess gegen einen mutmaßlichen Schützen (50), der im September vergangenen Jahres den 20-jährigen Tankstellenarbeiter erschossen haben soll.
Polizeiliche Sperrung der Tankstelle in Idar-Oberstein nach dem Mord im September 2021. Foto: Andreas Sommer/ newstr
Polizeiliche Sperrung der Tankstelle in Idar-Oberstein nach dem Mord im September 2021. Foto: Andreas Sommer/ newstr

Am 18. September 2021 soll der Angeklagte einen 20-jährigen Mitarbeiter einer Tankstelle in Idar-Oberstein erschossen haben (wir berichteten). Die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach wirft dem 50-jährigen Angeklagten Mord sowie unerlaubten Waffenbesitz vor.

Zuvor soll der 20-Jährige den Mann auf die geltende Maskenpflicht innerhalb des Verkaufsraum hingewiesen haben, so die Anklageschrift. Der Angeklagte sei verärgert nach Hause gefahren und mit einem Revolver zurückgekehrt, für den er keine Waffenerlaubnis besaß. Wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet, werde der Angeklagte nach Angaben des Anwalts gestehen, den 20-Jährigen erschossen zu haben.

Prozess unterbrochen

Wie der Südwestrundfunk (SWR) weiter berichtet, wurde der Prozess kurz nach der Verlesung der Anklage unterbrochen. Der Grund: der Verteidigung sei eine Stunde Zeit für die Akteneinsicht der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz ermöglicht worden. Diese Akten seien laut Staatsanwaltschaft erst am Donnerstag eingegangen. Bei den Unterlagen solle es sich um Chat-Protokolle und deren Auswertung handeln, so der SWR.

Zeichen gegen Corona-Maßnahmen setzen

Laut Anklage wollte der Beschuldigte (50) Bier kaufen, trug aber keine Maske. Nachdem der 20-jährige Mitarbeiter ihn auf die geltende Maskenpflicht hingewiesen habe, sei er nach kurzer Diskussion nach Hause gefahren. Dort habe der Beschuldigte sich weiter über die Situation geärgert und beschlossen, dass er „diese nicht auf sich beruhen lassen könne, sondern zeige müsse, dass es Grenzen gebe.“, so die Anklage.

Der Angeklagte soll sich durch die zur Bekämpfung der Corona-Pandemie angeordneten Beschränkungen belastet gefühlt haben. Laut Staatsanwaltschaft habe er  beschlossen, ein Zeichen zu setzen. Den Mitarbeiter der Aral-Tankstelle in Idar-Oberstein soll der Angeklagte als mitverantwortlich für die Gesamtsituation angesehen haben, weil dieser die Corona-Regelungen habe durchsetzen wollen.

Unerlaubter Waffenbesitz

Bei den Durchsuchungen wurden zwei Waffen sichergestellt, für die der 40-Jährige keine Erlaubnis besaß. Dabei handelte es sich um einen Revolver Smith & Wesson, Modell 686, Kaliber 357 Magnum, sowie eine Pistole Ceska 1945, Kaliber 6,35 mm Browning.

Bei der Tatwaffe handelte es sich um den Revolver. Der Angeklagte soll mehrere Patronen geladen haben, als er gegen 21:19 Uhr wieder in die Tankstelle zurückkehrte. Nachdem der 20-jährige Mitarbeiter ihn an der Kasse erneut auf die Maskenpflicht hingewiesen habe, zog der Angeklagte den Revolver aus seiner Hosentasche und schoss aus kurzer Distanz auf den 20-Jährigen.

Urteil Mitte Mai erwartet

Für die Verhandlung vor dem Landgericht Bad Kreuznach sind 13 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird demnach Mitte Mai (13.05.2022) erwartet.

Anklageschrift Landgerichts Bad Kreuznach (28.02.2022)