Schwerer Vorwurf: Polizist soll mutmaßlichem Mörder Andreas beim Wildern geholfen haben

Im Fall um den Polizeimord in Kusel wird den Tatverdächtigen Andreas S. und Florian V. vorgeworfen, die Polizeikräfte erschossen zu haben, um Wilderei zu vertuschen. Der Pächter eines Jagdreviers im Saarland behauptet, ein Polizist habe Andreas S. beim Wildern geholfen.
In Sulzbach wurden die Tatverdächtigen festgenommen sowie die Tatwaffen sichergestellt. Foto: Florian Blaes
In Sulzbach wurden die Tatverdächtigen festgenommen sowie die Tatwaffen sichergestellt. Foto: Florian Blaes

Im Januar wurden zwei Polizeikräfte bei einer Verkehrskontrolle im Landkreis Kusel erschossen. Den beiden Tatverdächtigen Andreas S. (38) und Florian V. (32) wird gemeinschaftlicher Mord und gewerbsmäßige Wilderei vorgeworfen.

Wilderei im großen Stil

Es wird angenommen, der 38-jährige Tatverdächtige im Mordfall habe seit Jahren einen Großhandel mit mutmaßlich illegal erlegtem Wild betrieben. Bei Durchsuchungen wurden „tonnenweise verkaufsfertiges, tiefgefrorenes Fleisch“ gefunden. Obwohl Andreas (38) in der Vergangenheit immer wieder wegen Wilderei unter Verdacht stand, wurde er nie bestraft. Ein Pächter eines Jagdreviers im Saarland erhebt einen neuen schweren Vorwurf: Er sagt gegenüber der Rheinpfalz, ein Polizist habe Andreas in einem Fall der Jagdwilderei im Jahr 2017 geholfen.

Hat ein Polizist Andreas S. bei der Wilderei geholfen?

Der Pächter eines Jagdreviers in Spiesen schildert gegenüber der Rheinpfalz einen Vorfall vom September 2017. Andreas soll an diesem Tag gegen 21:45 Uhr illegal ein Reh im Revier des Pächters erlegt haben. Ein Mitjäger solle versucht haben, Andreas zu stoppen, als dieser mit dem Auto davonfahren wollte. Andreas S. aber hätte Vollgas gegeben und ihn „über den Haufen gefahren“, wenn er nicht rechtzeitig zur Seite gesprungen wäre, so die Schilderung.

Nach dem Vorfall haben der Pächter und der Mitjäger mit Hunden das Gras abgesucht und das erschossene Reh gefunden. Anschließend kontaktierten sie die Polizei und der Jagdpächter nahm den Kopf des Rehs mit der dort befindlichen Kugel zur Beweissicherung mit nach Hause und fror ihn ein.

Log der Polizist, um Andreas‘ Wilderei zu decken?

Am nächsten Morgen habe eine Anwohnerin zwei Männer in der Spieser Wiese rumlaufen gesehen – dabei soll es sich um Andreas S. sowie einen ihr bekannten Polizisten gehandelt haben. Der Polizist habe ihr erzählt, dass sie nach einem erschossenen Reh Ausschau halten. Daraufhin informierte die Anwohnerin den Pächter über den Vorfall. Der Pächter konfrontierte den ihm bekannten Polizisten mit den Vorwürfen. Er habe ihn darauf hingewiesen, dass es illegal sei, in fremden Revieren zu jagen. Der Polizist soll nur geantwortet haben, dass ihnen nicht aufgefallen sei, dass sie sich in einem fremden Revier befinden. Auf die Frage des Jagdpächters, ob sie das Reh gefunden hätten, soll der Polizist gelogen haben.

Der Polizist soll ihm erzählt haben, dass sie den Kadaver gefunden hätten und es sich um einen Blattschuss gehandelt habe. „Ein Blattschuss ist ein Schuss in den Brustkorb, nahe dem Schulterblatt.“, wird im Bericht der Rheinpfalz erklärt. Die Angaben des Polizisten seien aber falsch, so der Pächter, der das mit Kopfschuss erlegte Reh zuvor gefunden hatte. Die Männer suchten erst am nächsten Morgen nach dem Reh, weil der Polizist am Vorabend getrunken hatte und somit nicht mehr fahrtüchtig war. Laut Bericht soll Andreas S. ihn am Abend gegen 23 Uhr mit der Bitte kontaktiert haben, mit ihm nach dem erschossenen Reh zu suchen.

Der Pächter erklärt in dem Bericht weiter, dass es für solche Fälle eine Nachrufliste gebe. „Es stellt sich folglich die Frage, ob Andreas S. lieber bis zum nächsten Morgen wartete, weil er wusste, dass der Polizist die Wilderei decken würde.“, heißt es im Bericht der Rheinpfalz.

Vorwürfe des Pächters

Der Pächter gibt an, dass er die Geschichte „genau so bei der Polizei zu Protokoll“ gegeben hatte, sich aber niemand bei ihm meldete und er nie verhört wurde. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen Andreas S. damals ein, weil drei Personen bezeugten, den Abend ihm ihm verbracht zu haben. Demnach könne er nicht im Revier des Pächters ein Reh gewildert haben.

Wenn die Geschichte des Pächters stimmt und Andreas S. an jenem Abend den Polizisten anrief und ihn bat, ihm bei der Suche nach dem Reh zu helfen, dann wäre das Alibi für Andreas S. hinfällig gewesen. Weiter heißt es: „Hätten die Ermittler damals den Polizisten, die Anwohnerin und den Jagdpächter befragt sowie den Kopf des erschossenen Rehs untersucht, hätten sie die Aussagen des Andreas S. und seiner Alibi-Geber wohl widerlegen können.“

Staatsanwaltschaft verweist auf Ermittlungen

Die Rheinfalz konfrontierte die Staatsanwaltschaft mit den Vorwürfen gegen den Polizisten. Weil das Ermittlungsverfahren noch am Anfang stehe, könnten Einzelheiten „gegenwärtig nicht mitgeteilt werden.“, so die Antwort der Staatsanwaltschaft Saarbrücken.

Artikel von "Rheinpfalz" (22.02.2022)