Bundeswehr und Army haben das Kommando zum Flugzeugabsturz bei Rodt übernommen

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Zemmer- Rodt. Es ist der Tag 1 nach dem ein Kampfjet F16 des US Stützpunkt in Spangdahlem in einem Waldstück bei Zemmer- Rodt abgestürzt ist. Wir fassen zusammen was bisher bekannt ist:

Der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Trier- Land Jürgen Cordie blickt zurück „Unsere Alarmierung war am gestrigen Dienstag um 15:16 Uhr mit dem Stichwort Flugzeugabsturz groß. Es wurden die Wehren aus Rodt, Zemmer, Schleidweiler, Speicher und die Berufsfeuerwehr Trier alarmiert. Im weiteren Verlauf wurden Teileinheiten des Gefahrstoffzuges des Landkreises Trier- Saarburg und die Technische Einsatzleitung dazu gerufen. Als die ersten Einsatzkräfte der örtlichen Wehren an der Unglücksstelle angekommen sind, sah man zunächst nichts. Über die Leitstelle Trier wurde mitgeteilt, dass es zahlreiche Anrufer gibt die Angaben, dass das Flugzeug an der K 34 zwischen Rodt und der L46 sein muss. An einer Gefällstrecke sah man dann schon eine Schneise, an der die Bäume komplett ausgerissen waren und die Baumspitzen am brennen waren. Ein ungeheuerlicher Gestank von Kerosin lag in der Luft. Als sich die ersten Feuerwehrkräfte zum Flugzeugwrack mit schwerem Atemschutz abseilen wollten, um nach Überlebenden zu suchen und sich ein Bild von der Lage zu machen, bekamen wir auch schon von der Leitstelle in Trier die Info, dass der Pilot sich mit dem Schleudersitz gerettet hat. Da die Explosionsgefahr enorm hoch war, haben wir uns auch vorerst gänzlich zurückgezogen.“
Später haben die Einsatzkräfte erfahren, dass der Pilot bereits bei Heidweiler (Kreis Bernkastel- Wittlich) fast unverletzt gelandet ist und der Kampfjet führerlos und ziellos in den Wald bei Rodt abgestürzt ist.
„Man macht sich schon so seine Gedanken, ich wohne privat etwa 800 Meter von der Absturzstelle weg, eine starke Windböe oder andere Einflüsse und das Flugzeug hätte über Rodt abstürzen können. Meine Frau berichtete mir, dass es einen großen Knall gegeben hat, als der Jet heruntergekommen ist“, so Jürgen Cordie.

Noch am Nachmittag ist die Flugsicherung und zuständige der US Airbase an der Absturzstelle angekommen und haben alle Regenschaft an sich genommen. Das Gebiet wurde in einem großen Raduis komplett abgesperrt. Nicht einmal mehr die deutsche Feuerwehr durfte das Sperrgebiet betreten.
Am späten Abend ist dann die Bundeswehr aus Rheinland- Pfalz an der Einsatzstelle eingetroffen. An der Turnhalle in der Ortsmitte von Rodt wurde das Lager aufgeschlagen und zeitgleich die Einsatzleitung dort hin verlegt und aufgebaut.

Was geschah am Tag danach?
Bereits um 7 Uhr haben sich die Verantwortlichen der US- Army, der Bundeswehr, der technischen Einsatzleitung und Führungskräfte der Feuerwehr Trier- Land an der Einsatzzentrale an der Halle getroffen. Es gab erste Besprechungen, wie der Tag auflaufen würde. Schon früh hatte die US- Airbase die Verantwortung der Bundeswehr Rheinland- Pfalz übergeben. Etwa 100 Soldaten wurden unter anderem aus Idar- Oberstein nach Rodt verlegt, um dort ihren Einsatzbefehl auszuüben.
Dazu der Oberstleutnant Günther Bohn vom Landeskommando Rheinland- Pfalz: „Die Bundeswehr hat sich hier eingerichtet und betreibt ab sofort einen militärischen Sicherheitsbereich. Das bedeutet, dass wir die Absturzstelle in einem großen Radius komplett absperren und sichern. Dies tun wir auch um die Bevölkerung zu schützen und den Amerikanern zu ermöglichen sehr genau ihre Arbeit zu verrichten. Die Spezialisten werden sehr genau und detailliert jedes kleinste Wrackteil sichten, notieren und bergen. Es ist eine forensische Arbeit, die nicht verändert werden darf. Nur so kann man die Unfallursache herausfinden. Dazu sind auf der Kreisstraße zahlreiche große Zelte errichtet worden. Das Gelände liegt etwa 500 Meter abseits der Straße in einem Hang, was die Arbeit nicht erleichtert. Wir gehen davon aus, dass es noch Tage und sogar noch Wochen dauern kann.“
Solange ist die K 34 auch voll gesperrt. Von beiden Seiten der Sperrung stehen Soldaten der Bundeswehr uns sichern die Sperrungen zusätzlich ab. Auch sämtliche Landwirtschaftswege und Waldweg sind bewacht und gesperrt.

Unterdessen wurden am Mittwochmorgen um 8 Uhr und wiederholt um 13 Uhr mehrere Wasserproben aus einem angrenzenden Bachlauf in Daufenbach genommen. „Diese Wasserproben werden zur Untersuchung in die Labore nach Trier gesendet, um festzustellen, ob Gewässer verunreinigt wurden. Erste Probeergebnisse vor Ort waren negativ. Dennoch wissen wir, dass der Waldboden viel Kerosin abbekommen hat. Große Mengen des Kraftstoffes sind ausgetreten“ so Cordie. Mögliche Gefährdungen des Trinkwassers durch Kerosin oder Hydrazin wird nach Aussage der Bundeswehr noch durch Spezialisten untersucht (Gefahrstoff Messtrupp der Bundeswehr aus Euskirchen sowie Spezialisten der US Streitkräfte). Erste Luftmessungen durch den Gefahrstoffzug Trier-Saarburg am gestrigen Abend waren negativ.

Am späten Mittwochnachmittag, 24 Stunden nach dem Unglück, hat die Feuerwehr ihre Einsatzzentrale komplett zurück gebaut und sich komplett aus dem Einsatzgeschehen zurückgezogen. „Die Feuerwehr Rodt wird eine Bereitschaft aufrechterhalten, für den Fall, dass Hilfe benötigt wird“ so der Einsatzleiter Cordie.
Unterdessen zeigt sich der Bürgermeister von Rodt Edgar Schmitt (SPD) besorgt: „Der Absturz hat bei vielen Bürgern, vor allem Ältere Mitmenschen Ängste ausgelöst. Immer wieder führen wir Gespräche mit der Airbase Spangdahlem um die Flüge über unsere Ortschaften zu vermeiden. Wir wissen auch dass es nicht immer so einfach ist, dennoch nehmen ich dieses Unglück wieder zum Anlass, um darüber zu diskutieren.“

Cononel Jason T. Hokaj hat in einem Gespräch auf amerikanischer Sprache bedankt: „Ich möchte mich bei der deutschen Bevölkerung entschuldigen für dieses tragische Unglück, an dem aber Gott sei Dank niemand ums Leben kam. Die Zusammenarbeit der deutschen Feuerwehr ist sehr gut verlaufen. Sie haben großartige Arbeit geleistet. Mein Dank gilt auch dem Hubschrauberteam des Christoph 10, der den Piloten aufgenommen und ins Krankenhaus geflogen hat. In gemeinsamen Übungen habe sich bereits die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren gezeigt.“

Sollten außerhalb des Sperrbereichs Wrackteile gefunden werden, wenden Sie sich an die Polizei (110). Bitte diese Teile nicht anfassen!

(Blaes)