400 Menschen bilden Menschenkette in Trier – von der Porta-Nigra bis zum Viehmarktplatz

Am Samstag, 12.02.2022, fanden im Trierer Innenstadtbereich zwei Demonstrationen statt, darunter eine Menschenkette von der Porta-Nigra bis zum Viehmarkt. An der Menschenkette beteiligten sich mehr als 400 Menschen.
(c) Andreas Sommer
(c) Andreas Sommer

Das Bündnis „Für ein buntes Trier“ rief für den Zeitraum von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr zu einer Menschenkette unter dem Motto „Trier steht zusammen“ sowie einer anschließenden Kundgebung auf dem Viehmarktplatz auf.

Das Aktionsbündnis „Trier hält zusammen“:

  • Setzt sich ein uns ein für mehr Mitmenschlichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme, statt der Berufung aufs Widerstandsrecht mit Holocaustverharmlosung und Gewaltaufrufen.
  • steht für Vertrauen in wissenschaftliche Arbeit und Medizin, statt Verschwörungsdenken und Wissenschaftsfeindlichkeit.
  • setzt auf eine vielfältige Gesellschaft und eine Weiterentwicklung der Demokratie statt absurde Diktaturvergleiche und demokratiefeindliche Äußerungen, die gesellschaftlichen Institutionen die Daseinsberechtigung absprechen.
  • befürwortet eine Demokratisierung des Gesundheitssystems, statt einer Priorisierung der Wirtschaft gegenüber der Gesundheit und ihrer Vermarktung.
  • Steht für gesellschaftliche Teilhabe und Inklusion Aller, statt für egoistische Selbstermächtigungsfantasien.
  • Will intensive gesellschaftliche Debatten, die uns alle weiterbringen, statt selbstbezogenen Forderungen nach Feier- und Konsumfreiheit sowie der Selbstinszenierung als Opfer der Corona- Schutzmaßnahmen.

An der Abschluss-Kundgebung auf den Viehmarktplatz gab es folgende Redner:innen 

  1. Klaus Jensen
  2. med. Christian Sprenger, med. Geschäftsführer Klinikum Mutterhaus
  3. Peter Berg, Regionalleiter BBT-Gruppe, Krankenhaus-Barmherzige Brüder
  4. Alexander Schewerda, DFKI – Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Uni Trier
  5. Paul Nachtwey, Beitrag zur Sozialpsychologie der Impfgegner/Querdenker
  6. Dieter Burgard, Beauftragter der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen
  7. Hildegard Slabik-Münter, Kinderärztin
  8. Wim Negelen, Internationaler Bund

Stimmen von Teilnehmenden an der Menschenkette

Oberbürgermeister Trier Leibe:

Es wird oft behauptet, dass die Gesellschaft gespalten sei. Das stimmt aber so nicht. Die überwiegende Mehrheit der Menschen ist für die Corona-Schutzmaßnahmen. Und deshalb ist es wichtig, dass die vermeintlich schweigende Mehrheit heute auch Flagge zeigt.

Anke Trapp (Teilnehmerin):

Für mich ist die Teilnahme an der heutigen Menschenkette wichtig, da ich und meine Familie auch die Schwächeren in unserer Gesellschaft schützen wollen, die sich nicht impfen lassen können. Sich mit der Gesellschaft solidarisch zu zeigen, ist mir und meiner Familie wichtig.

Oberbürgermeister a.D. Klaus Jensen:

Für mich war es wichtig heute dabei zu sein, weil ich glaube, das es eine Pflicht aller ist, für Coronaschutzmaßnehmen einzustehen. Die Pandemie stellt eine große Herausforderung an alle, die wir nur gemeinsam stemmen können und deshalb ist Zusammenhalt so wichtig. Dazu kann jeder einen Beitrag leisten. Es ist auch wichtig ein Zeichen gegen Rechts zu setzen, weil wir leider feststellen müssen, das rechte Gruppen eine Atmosphäre schaffen, in der Demokratie immer mehr ausgehölt wird. Das dürfen wir nicht zulassen. Mein Appell an alle Trierer, die bisher noch nicht geimpft sind: Lassen Sie sich impfen. Sie retten damit Leben und die Gesundheit anderer. Die vielen Einschränkungen, mit denen wir derzeit leben müssen, können nur aufgehoben werden, wenn sich möglichst viele Menschen impfen lassen.

Dr. Christian Sprenger (Geschäftsführer Klinikum Mutterhaus)

Die Pandemie belastet alle besonders die Mitarbeiter der kritischen Infrastruktur. Dazu gehören auch unsere beiden Kliniken (Klinikum Mutterhaus und Brüder Krankenhaus). Wir sind an der Belastungsgrenze angekommen. Wir sind jeden Tag vor Herausforderungen gestellt, weil einerseits viele Mitarbeiter fehlen und andererseits auch mit kleineren Coronaausbrüchen auf den Stationen umgegangen werden muß. Ich habe nichts dagegen, das Maßnahmen kritisch hinterfragt werden, aber es ist auch wichtig, immer eine bessere Alternative zu haben. Letztendlich ist festzuhatlen, das Impfen schützt und der einzige Weg raus aus der Pandemie bedeutet.

Die Menschenkette sowie die anschließende Kundgebung auf dem Viehmarkt verlief aus polizeilicher Sicht ohne besondere Vorkommnisse. Die Versammlung wurde gegen 17 Uhr beendet.

Kleine Gegenkundgebung am Domfreihof

Im Vorfeld der bevorstehenden Menschenkette stellten Einsatzkräfte der Polizei gegen 13:00 Uhr im Bereich des Hauptmarktes eine Gruppierung fest, welche sich als Corona-Maßnahmen-Kritiker zu erkennen gab. Sie beabsichtigten eine eigene Versammlung durchzuführen. Diese  Kundgebung „Team Freiheit“ wurde als stationäre Kundgebung auf dem angrenzenden Domfreihof gestattet. In deren Verlauf musste immer wieder die Einhaltung der Regularien eingefordert werden, so die Polizei. Diese Kundgebung wurde gegen 16 Uhr beendet.

Im Vorfeld gab es in den sozialen Netzwerken bereits Bekanntmachungen, dass das „Team Trier“ nicht erwünscht sei. Diese meldeten sich zu Wort und bedauerten diese Entscheidung.

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