Arzt aus Waldrach schreibt beeindruckenden „Brand“-Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn

Ein großartiger Brief eines Allgemeinmediziners aus Waldrach sorgt für große Zustimmung in allem, was er dem Gesundheitsminister Jens Spahn zu sagen hat.

Symbolbild Corona-Impfung

Machen Sie sich mal ein Bild dieses Briefes, lesen Sie ihn sich durch und bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil. Kurz und knapp beschreibt Dr. med. Dirk Hagenburger genau das, was aktuell Deutschlandweit in den Arztpraxen abgeht. Wie die Mitarbeiter am Limit arbeiten. Und dann immer wieder neue Entscheidungen in der Politik, die von den Ärzten im Land irgendwie umgesetzt werden sollen, egal wie…. Sehen Sie selbst: 

Sehr geehrter Herr Gesundheitsminister, lieber Herr Spahn!
Vielleicht darf ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Dirk Hagenburger, 45 Jahre alt, seit 2012 niedergelassener Hausarzt in Waldrach, Rheinland-Pfalz. Unsere Gemeinschaftspraxis liegt in einem beschaulichen Weinanbaugebiet an der Ruwer, in einem Seitental der Mosel, nette Menschen, soweit also alles gut, Traumjob gefunden.

Und dann kam Corona…

Seither sind wir eigentlich nicht mehr als selbstständige Ärzte tätig, sondern setzen nur noch die uns von der Politik auferlegten Vorgaben um. Aus der einen Praxis mussten wir gefühlt drei Praxen schneidern, eine für Infektpatienten, eine für Impfungen und eine, man soll nicht glauben, dass es sie noch gibt, für die normalen Kranken. Diese Maßnahmen stellen uns jeden Tag vor Aufgaben, die auf Dauer weit über das Maß des Ertragbaren hinausgehen. Wir verlangen von unseren Helferinnen und Ärzten, die täglich eine wirklich herausragende Leistung erbringen, sich ständig auf neue Erlässe der Politik einzustellen und sie unseren Patienten zu vermitteln.
Die Politik hat es leider erneut versäumt, sich auf eine erneute Welle der Pandemie vorzubereiten. Es wurden Impfzentren geschlossen, weil ja nicht zu erwarten war, dass uns auch 2021 ein Winterbevorsteht, der alleine schon witterungsbedingt die Infektionszahlen in die Höhe treibt liegt es also wieder in der Verantwortung der Menschen die draußen in den Praxen am Patienten arbeiten, die Versäumnisse aufzuarbeiten. Wir müssen uns dabei täglich vor unseren Patienten rechtfertigen, warum sich die Gesundheitsminister der Länder und die in Lichtgeschwindigkeit arbeitende STIKO nicht einig sind, was die Empfehlung für Booster-Impfungen anbelangt und müssen uns von einem, in meinen Augen völlig weltfremden Prof. Karl Lauterbach anhören, wir müssten die Boosterimpfungen nach Alter und Erkrankung priorisieren, was de facto aufgrund der Vielzahl der Anfragen (unser Telefonsystem ist beispielsweise schon lange ausgestiegen) in keinster Weise mehr umsetzbar ist.
Dann kommt ein besonders schlauer Kommentar des Gesundheitsministers von NRW, dessen Name mir bis dato gar nicht geläufig war, die Ärzte sollen samstags lieber impfen statt golfen! Ich kann nicht golfen, aber mein fünfjähriger Sohn wird sicherlich gerne auch samstags auf seinen Papa verzichten, darin hat er ja mittlerweile Routine. Wir haben bereits, bevor Herr Laumann diese Aussage getätigt hat, erkannt, dass wir die hohe Nachfrage nach Impfungen nicht mehr in der Wochenarbeitszeit bewältigen können und daher für unsere Praxis 700 Impftermine an zwei Samstagen freigeschaltet, die innerhalb von knapp 48 Stunden ausgebucht waren.
Nach vorheriger Absprache mit unserem Apotheker, der uns zusagte, dass genügend Impfstoff der Firma BioNTech / Pfizer zu Verfügung steht, wurde allen Patienten (insgesamt stehen ca. 2000 Patienten verbindlich auf unserer Impfliste, da wir neben den genannten Samstagterminen ja auch noch während der Woche impfen) versichert, dass sie eben mit BioNTech geimpft werden, was auf breite Zustimmung getroffen ist. Tja, und dann kamen Sie…
Am gestrigen Tag haben Sie dann rausgehauen, dass ab sofort die Auslieferung des o.g. Impfstoffes auf 30 Impfdosen pro Arzt pro Woche limitiert wird, weil ja noch genug Impfstoff eines anderen Herstellers vorhanden ist, der ansonsten im Frühjahr verfällt. Bitte erklären Sie mir einmal, wie das bei Ihnen rein praktisch abläuft! Kommt da irgendwann ein Mitarbeiter aus dem Lager Ihres Ministeriums zu Ihnen, klopft Ihnen auf die Schulter und flüstert: „Hey Chef, ich hab da unten grad Inventur gemacht, wir haben noch ziemlich viel Moderna über, der müsste jetzt erstmal weg…“?!
Und dann machen Sie sich wieder einmal einen Spaß daraus, „Buh“ zu machen und die gesamte Ärzteschaft nebst aller, die am Patienten arbeiten, geht in die Knie.
Ich erkläre Ihnen mal wie ich das in unserer Praxis umsetzen werde! Ich werde nicht schon wieder wegen Ihnen (damit meine ich nicht nur Sie persönlich, sondern auch die Damen und Herren der STIKO, von deren Arbeit ich bis zum Ausbruch der Pandemie tatsächlich überzeugt war) mein Wort brechen und einen anderen Impfstoff verwenden, mit dem ich keinerlei Erfahrung und in den meine Patienten nicht das nötige Vertrauen haben! Und ich werde auch nicht von meinen Mitarbeiterinnen, die eh schon auf dem Zahnfleisch gehen und täglich Außergewöhnliches leisten, verlangen, 2000 Patienten anzurufen und, unserer Aufklärungspflicht folgend, zu diskutieren, warum jetzt doch ein andere Impfstoff zum Einsatz kommt. Soll heißen, dass wir, sollten wir nicht Impfstoff der Firma BioNTech / Pfizer in ausreichender Menge erhalten, uns ab sofort diesem Wahnsinn entziehen und keinerlei Impfungen mehr durchführen werden.


Vielleicht können ja Sie, lieber Herr Spahn, gemeinsam mit Herrn Prof. Lauterbach, Herrn Laumann und dem für die Inventur im Keller zuständigen Mitarbeiter für uns in die Presche springen und unseren Job übernehmen. Wir werden uns dann wieder um die Kranken kümmern…

Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund
Dr. med. Dirk Hagenburger