Corona-Strategie für RLP: Fokus auf Abwasser statt Inzidenzen

Die Corona-Sommerwelle ebbt gerade ab, aber das Land trifft bereits Vorbereitungen für den Herbst. Auch wenn die Infektionszahlen ruckläufig sind, bleiben die Belastungen in den Krankenhäusern sehr hoch. Bei einer Pressekonferenz informierte Gesundheitsminister Clemens Hoch über die Corona-Strategie des Landes für die kommenden Monate.
Symbolbild: Unsplash/ Jan Kopřiva
Symbolbild: Unsplash/ Jan Kopřiva

Frühwarnsystem über Abwasser-Kontrollen

Eine fundierte Datenbasis sei der Schlüssel, um künftige Maßnahmen noch genauer auf die aktuelle Lage anzupassen, sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch. Die Inzidenz habe ausgedient, so der Minister. Aktuell werde diskutiert, ob ein sogenanntes Abwassermonitoring als Frühwarnsystem eingeführt werde. Bis Herbst sollen rund 14 Kläranlagen – darunter Trier – eingebunden werden. Dort sollen zwei Mal pro Woche Proben entnommen werden, um die Art und Last der Viren im Wasser zu untersuchen.

Überlastung des Systems soll weiterhin verhindert werden

Zusätzlich soll das Infektionsgeschehen mit Testungen in einer sogenannten „Sentinel-Kohorte“, das heißt einer repräsentativ ausgewählten Personengruppe, überwacht werden. Dadurch habe das Land mithilfe des Abwassermonitoring und der Testungen eine „sehr solide Datengrundlage“, um „zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können“, sagte der Gesundheitsminister. Welche konkreten Maßnahmen ab Oktober durch die Länder erlassen werden können, hängt von der Neugestaltung des Bundesinfektionsschutzgesetzes und von der Entwicklung der Corona-Lage ab. Entwurf für Infektionsschutzgesetz: Diese Regeln könnten gelten

Impfungen bleiben weiterhin der Schlüssel

Auch die Schutzimpfung gewinne im Herbst und Winter wieder eine stärkere Bedeutung. Ziel sei weiterhin, gerade vulnerable Gruppen zu schützen und eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. „Je höher die Impfquote, umso besser kommen wir durch die nächste Welle.“, so Hoch. Monatlich seien rund 250.000 Impfungen möglich (Arztpraxen, mobile Impfteams, stationäre Impfangebote des Landes, Impfbusse)

Behandlung von Covid mit zugelassenen Medikamenten

Neben der unverzichtbaren Impfung im Kampf gegen die Pandemie richte das Land auch den Fokus auf die Behandlung von Covid mit bereits zugelassenen Medikamenten wie Paxlovid. Die Verordnung und Verabreichung obliege grundsätzlich den behandelnden Ärztinnen und Ärzten und stehe in ausreichender Menge zur Verfügung. Auch die Ursachen und Therapiemöglichkeiten von Spätfolgen einer Corona-Infektion werde genauer untersucht.

Land richtet Halle für Schutzausrüstung ein

Vor allem in der Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig medizinisches Material in Krisenzeiten ist. Um Engpässen wie zu Beginn der Pandemie zu vermeiden, richtet das Land eine Reserve an Schutzausrüstung beim Landeskrankenhaus in Andernach ein. Das „Pandemielager“ wird mit einer Größe von knapp 3.200 Quadratmetern auf dem Betriebs- und Versorgungsgelände der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach entstehen.

Das Pandemielager ist als Materiallager für persönliche Schutzausrüstung bei Schadensereignissen in Rheinland-Pfalz vorgesehen. Hierzu zählen insbesondere Infektionsgeschehen wie zum Beispiel Pandemien, aber auch weitere denkbare Schadensereignisse – beispielsweise Tierseuchen. Die Kosten für das Lager belaufen sich etwa auf 7,4 Millionen Euro (Stand 22.08.2022) und werden vom Land getragen. Wenn alles nach Plan läuft, werde das Lager Ende 2023 fertiggestellt.

Mitteilung Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit (22.08.2022)