Große Menschenkette „Trier hält zusammen“ am Samstag in der Fußgängerzone- hohe Beteiligung erwartet

Ein breites Aktionsbündnis mobilisiert zu einer Menschenkette für ein solidarisches Miteinander, Gemeinsinn und Vernunft am Samstag, 12. Februar, 14 Uhr, in Trier.
Symbolbild: Pixabay
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45 Gruppen, Gewerkschaften, Unternehmen und Parteien nehmen teil 

Das Trierer Aktionsbündnis „Trier hält zusammen“ ruft für Samstag, 12. Februar, zu einer Menschenkette durch die Trierer Fußgängerzone von der Simeonstraße bis zu Viehmarktplatz auf. „Wir wollen mit der Menschenkette ein klares Zeichen setzen FÜR einen gesellschaftlichen und demokratischen Zusammenhalt angesichts dieser Pandemie“, erklärt Hans-Jürgen Bucher, Co-Vorsitzender der Lokalen Agenda Trier, eine der Gruppen im breit aufgestellten Aktionsbündnis „Trier hält zusammen“ dem inzwischen 45 Gruppen, Gewerkschaften, Unternehmen und demokratische Parteien angehören. Ziel sei es, dass die große Mehrheit der Bevölkerung sichtbar werde, die Rücksicht übe und sich für ein solidarisches Miteinander einsetze, die sich an Corona-Schutzmaßnahmen halte und sich soweit möglich auch impfe.

Die seit zwei Jahren anhaltende Pandemie zehrt an unseren Kräften. Am stärksten trifft es alle, die Tag für Tag in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Praxen gegen Corona ankämpfen – und es trifft vor allem jene, die persönlich unter der Pandemie leiden müssen. Nicht jede der Corona-Maßnahme ist schlüssig, nicht jede Entscheidung ist nachvollziehbar oder gerecht. Unser Leben ist nach wie vor eingeschränkt, viele kämpfen mit existentiellen Problemen. Sozial marginalisierte Menschen wie Geflüchtete, Leiharbeiter:innen und Obdachlose treffen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie besonders stark. Ihnen gilt unsere Solidarität. „Mit unserer Menschenkette grenzen wir uns klar ab von den rechtsautoritären und verschwörungs- ideologischen Inhalten, die bei Spaziergängen oder Kundgebungen von Kritiker*innen von Coronaschutz- Maßnahmen wie dem ‚Team Freiheit Trier‘ verbreitet werden“, betont Alice Koller vom Verein Für ein

Das Aktionsbündnis „Trier hält zusammen“:

  • Setzt sich ein uns ein für mehr Mitmenschlichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme, statt der Berufung aufs Widerstandsrecht mit Holocaustverharmlosung und Gewaltaufrufen.
  • steht für Vertrauen in wissenschaftliche Arbeit und Medizin, statt Verschwörungsdenken und Wissenschaftsfeindlichkeit.
  • setzt auf eine vielfältige Gesellschaft und eine Weiterentwicklung der Demokratie statt absurde Diktaturvergleiche und demokratiefeindliche Äußerungen, die gesellschaftlichen Institutionen die Daseinsberechtigung absprechen.
  • befürwortet eine Demokratisierung des Gesundheitssystems, statt einer Priorisierung der Wirtschaft gegenüber der Gesundheit und ihrer Vermarktung.
  • Steht für gesellschaftliche Teilhabe und Inklusion Aller, statt für egoistische Selbstermächtigungsfantasien.
  • Will intensive gesellschaftliche Debatten, die uns alle weiterbringen, statt selbstbezogenen Forderungen nach Feier- und Konsumfreiheit sowie der Selbstinszenierung als Opfer der Corona- Schutzmaßnahmen.

„Team Freiheit“ ist nicht erwünscht

„Wir wissen, dass es beim ‚Team Freiheit Trier‘ auch Aufrufe gab, sich an unserer Menschenkette zu beteiligen“, ergänzt Markus Pflüger von der AG Frieden Trier. „Wir haben klargemacht: Sie sind unerwünscht und werden als Störung einer friedlichen Menschenkette betrachtet.“ Pflüger kritisiert insbesondere die „unsäglichen Holocaustvergleiche der sogenannten Querdenker. Wenn sich Menschen aus diesem Spektrum an der Menschenkette beteiligen und dies eine Provokation sein soll, werden wir dem entschieden begegnen.“ „Wir begrüßen es, wenn Menschen ihre einseitige Desinformations-Blase verlassen und damit selbstkritisch zugeben, dass sie sich bisher geirrt haben“, sagt Pflüger. „Wir freuen uns, wenn sie künftig ein solidarisches Miteinander mit Rücksicht, konkret Mund-Nasenschutz-Masken, Schnelltests und auch Impfen für sinnvolle Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie mittragen und unterstützen.“

Organisatorisches und Ablauf

Ab 14 Uhr: Aufstellung der Menschenkette, Sammelpunkte: Simeonstraße (Höhe Sparkasse), Hauptmarkt, Brotstraße (Höhe Blaue Hand), Viehmarkt. An den Sammelpunkten werden die Bänder und Plakate für die Menschenkette verteilt, und es erfolgt eine Einreihung in die Kette durch unsere Ordner:innen. Um 15 Uhr wird die Menschenkette bis 15.15 Uhr geschlossen.

Ab 15.30 Uhr: Abschluss-Kundgebung auf den Viehmarktplatz, Redner:innen sind:

  1. Klaus Jensen
  2. med. Christian Sprenger, med. Geschäftsführer Klinikum Mutterhaus
  3. Peter Berg, Regionalleiter BBT-Gruppe, Krankenhaus-Barmherzige Brüder
  4. Alexander Schewerda, DFKI – Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Uni Trier
  5. Paul Nachtwey, Beitrag zur Sozialpsychologie der Impfgegner/Querdenker
  6. Dieter Burgard, Beauftragter der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen
  7. Hildegard Slabik-Münter, Kinderärztin
  8. Wim Negelen, Internationaler Bund

„Team Freiheit“ meldet sich auch zu Wort

In den sozialen Medien schreibt das Team Freiheit auf ihren Seiten :Liebe Mitmenschen, wie ihr lesen könnt, werden wir vom Buntes Trier usw. ausgegrenzt und sind nicht in der Menschenkette erwünscht. Wir sind unerwünscht und werden als Störer bezeichnet. Dabei sind wir friedlich, genauso wie wir es bisher auch waren. Selbst Oberbürgermeister Leibe hatte uns bei einer Demonstration beobachtet und uns als friedlich bezeichnet.

Wir wollten den Veranstaltern die Hand reichen und damit ein Zeichen setzen und der Gegenseite ebenso die Möglichkeit bieten zu zeigen, dass sie zu ihren Prinzipien stehen.

Wir distanzieren uns bei jeder Demonstration von Links- und Rechtsextremen und allen Radikalen Bewegungen. Leider haben einige Gegendemonstranten bisher immer noch nicht verstanden, dass in einer Demokratie aber jeder bei einer Demonstration anwesend sein darf. Auch können nicht einfach von der Polizei Platzverweise erteilt werden. Das haben wir schon oft genug kommuniziert. Genauso wie wir unsere Demonstrationsteilnehmer in Bezug auf Holocaustvergleiche sensibilisiert und dies kommuniziert haben. Leider gab es wenige, einzelne Fälle in der Vergangenheit. Auch diesbezüglich distanzieren wir uns ausdrücklich…

Mit der Überschrift „Trier hält zusammen“ hat man sich nun jedenfalls selbst belogen. Wir sind nicht die „Spalter“ und hätten diese Gelegenheit gerne genutzt um, wie wir glauben, viele Vorurteile auszuräumen. Dazu sind wir trotz dieser Reaktion auch jetzt noch bereit, denn es wird auch ein Leben „nach Corona“ geben und wir wollen uns nicht auf die selbe Stufe stellen, nur weil Menschen eine andere Meinung haben.
Wenn z.B. Buntes Trier sich selbst auf die Fahne schreibt: „Für eine Welt in der alle ohne Angst verschieden sein können“ und sich zu recht gegen Diskriminierung in unserer Gesellschaft einsetzt, dann sollte man dies aber auch konsequent. Wir sind auch Menschen.“