Kassenärztechef: Kritik an geplanter neuen Testpflicht für Veranstaltungen

Kassenärztechef Andreas Gassen kritisiert nicht nur den Gesundheitsminister, sondern auch eine mögliche neue Testpflicht für Veranstaltungen. Man solle "keine Milliarden für sinnfreie Tests symptomfreier Menschen rausballern!", so der KBV-Chef.
Symbolbild: Unsplash/ Jan Kopřiva
Symbolbild: Unsplash/ Jan Kopřiva

Angesichts der anhaltend hohen Infektionszahlen beraten Bund und Länder derzeit über eine Wiedereinführung einer Testpflicht für Veranstaltungen. Im September läuft das aktuelle Infektionsschutzgesetz aus, bis dahin müssen neue Maßnahmen beschlossen werden, um auf den Herbst vorbereitet zu sein.

Kassenärztechef kritisiert Testpflicht als „aberwitzig“

Kassenärztechef Andreas Gassen hat die von Bund und Ländern geplante neue Corona-Testpflicht für Veranstaltungen scharf kritisiert. Mittlerweile seien längst alle Impfwilligen geimpft oder genesen beziehungsweise geimpft und genesen und somit vor schweren Verläufen geschützt.

„Wer immungeschwächt oder vorerkrankt ist, dem würde ich vom Besuch eines Rockkonzertes im Stadion abraten. Aber: Eine Testpflicht für alle Veranstaltungen, die Rückkehr zu 1G, das wäre eine aberwitzige Rolle rückwärts“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ).

Geld für sinnfreie Tests ausgeben

Gassen verwies auf das 17-Milliarden-Euro-Defizit der Krankenkassen. „Um die gewaltigen Finanzlücken im Gesundheitssystem zu stopfen, sollen die Kassenbeiträge angehoben und Leistungen gekürzt werden, und zugleich wollen Bund und Länder weiter Milliarden Euro für sinnfreie Tests von symptomfreien Menschen rausballern“, sagte der KBV-Chef der NOZ. Da könne er nur mit dem Kopf schütteln.

Neue Osnabrücker Zeitung (24.07.2022)