Lauterbach warnt vor „katastrophaler“ Corona-Entwicklung im Herbst

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnt vor stark steigenden Corona-Infektionszahlen im Herbst, wenn keine Vorbereitungen getroffen werden. Er spricht von einer "katastrophalen" Corona-Entwicklung. Kassenärztechef Gassen widerspricht dem Minister.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, 2021-12-07 Unterzeichnung des Koalitionsvertrages der 20. Wahlperiode des Bundestages by Sandro Halank–033, CC BY-SA 4.0
Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, 2021-12-07 Unterzeichnung des Koalitionsvertrages der 20. Wahlperiode des Bundestages by Sandro Halank–033, CC BY-SA 4.0

Während seines Besuchs in den USA hat sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erneut für neue Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus ausgesprochen, berichten unter anderem SPIEGEL und Focus Online. Der Minister warnte vor einer „katastrophalen“ Corona-Entwicklung, wenn vor dem Herbst nicht ausreichend Maßnahmen getroffen werden.

Stark steigende Zahlen im Herbst

„Wenn wir so wie jetzt in den Herbst hineingingen, also ohne weitere Schutzmaßnahmen, ohne Masken, ohne alles, dann würde das bedeuten, dass die Fallzahlen stark steigen würden, aber auch die Intensivstationen überlastet würden“, habe Lauterbach am Donnerstag (Ortszeit) bei einem Besuch in der US-Hauptstadt Washington gegenüber der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Folglich würde auch Personal in Kliniken und Krankenhäusern ausfallen. Das sei „wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt“, so Lauterbach. „Unten brenne das Personal weg und oben die Patienten.“, wird im SPIEGEL-Artikel verdeutlicht.

„Wir werden vorbereitet sein“

Dass Maßnahmen nötig sind, sei klar, sagt Lauterbach. Es werden Vorbereitungen getroffen. Welche Maßnahmen möglich sind, darauf wollte der Gesundheitsminister nicht eingehen. Die aktuellen Maßnahmen, darunter die Maskenpflicht im ÖPNV und Kliniken, laufen zum 23. September aus. Bis dahin werde die Regierung neue beschlossen haben, um auf den Herbst vorbereitet zu sein.

Mit Blick auf die zweite Auffrischungsimpfung warnte er: „Die Älteren können nicht das Risiko eingehen, auf einen angepassten Impfstoff zu warten, der dann irgendwann im September oder Oktober kommt, bei den hohen Fallzahlen, die wir jetzt haben.“ Erst vor wenigen Tagen hat Lauterbach angesichts der steigenden Infektionszahlen eine vierte Impfung für unter 60-Jährige empfohlen.

Kassenärztechef widerspricht Lauterbach

Die Warnungen von Lauterbach vor einer „katastrophalen“ Lage im Herbst weist Kassenärztechef Andreas Gassen zurück. Im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) sagte Gassen, dass es derzeit keine Anzeichen für eine „Killer-Mutante“, die so ansteckend wie Omikron und so gefährlich wie Delta sei. „Sorgen bereiten mir daher nicht die aktuelle Corona-Entwicklung, sondern die Rufe nach erneuten überzogenen Schutzmaßnahmen bis hin zu einem neuen Lockdown“, so Gassen.

Weiter plädiert Gassen auch für ein neues Infektionsschutzgesetz, über das Lauterbach derzeit mit Justizminister Marco Buschmann (FDP) berät. „Das Infektionsschutzgesetz sollte um klare Parameter ergänzt werden, um die Hotspot-Regel für die Länder einfacher handhabbar zu machen.“ Im Gespräch mit der NOZ schränkt Gassen aber direkt ein, dass Maßnahmen nur gebraucht werden, wenn eine „nachweislich gefährlichere Virusvariante auftaucht und als Folge davon die Zahl der Schwerkranken erheblich ansteigt und eine Überbelegung der Intensivstationen“ drohe.

Zwei Maßnahmen sinnvoll: Maskenpflicht und Einschränkungen von Großveranstaltungen

Laut Kassenärztechef seien im Ernstfall zwei konkrete Maßnahmen sinnvoll: zum einen die Möglichkeit, einzelne Großveranstaltungen zu verbieten. Zum anderen könne auch „eine zeitlich und örtlich begrenzte Maskenpflicht für ÖPNV und Einzelhandel helfen“, die Verbreitung zu bremsen.

 

Artikel SPIEGEL und Focus Online (22.07.2022), Artikel Neue Osnabrücker Zeitung (22.07.2022)