Studie: Corona-Impfgegner von „Verschwörungsnarrativen beeinflusst“

Aus welchen Gründen weigern sich Menschen gegen eine Corona-Schutzimpfung? Das Land hat eine Studie in Auftrag gegeben, die zeigt, dass ein Großteil der Ungeimpften von Verschwörungstheorien beeinflusst werde.
Das Foto zeigt ein Plakat von einer Demo auf dem Trierer Viehmarkt im Januar 2022. Foto: Andreas Sommer/ newstr
Das Foto zeigt ein Plakat von einer Demo auf dem Trierer Viehmarkt im Januar 2022. Foto: Andreas Sommer/ newstr

Zwischen März und Mai 2022 wurden 8.600 Menschen befragt, wieso sie sich bislang nicht gegen das Coronavirus impfen lassen. Das Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit hat die Studie in Auftrag gegeben und die Ergebnisse vorgestellt.

Wegen aktuell steigender Corona-Zahlen, einem Anstieg der in den Krankenhäusern behandelten Personen und krankheitsbedingten Ausfällen „beschäftigen wir uns daher mit der Frage, wie wir bei Bedarf Menschen wieder dazu bewegen können, sich impfen zu lassen„, erklärt Landesimpfkoordinator Daniel Stich. Um schwere Verläufe zu verhindern, sei die Impfung „immer noch das Mittel der Wahl“.

Ziel: vulnerable Gruppen schützen und Überlastung des Gesundheitssystems verhindern

Nach wie vor sei das Zeil, vor allem vulnerable Gruppen zu schützen und eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Das gelinge besser mit einer hohen Impfquote. „Je höher die Impfquote, umso besser kommen wir durch die nächste Welle.“, so Landesimpfkoordinator Stich. Dennoch gäbe es Menschen, die auf eine Infektion ohne vorangegangene Impfung und die anschließende Behandlung durch entsprechende zugelassene Mittel setzten. „Das ist fahrlässig. Zwar lässt sich die Sterblichkeit durch eine angemessene und rechtzeitige Behandlung reduzieren. Die Gefahr schwerer Verläufe wird vor allem durch die Impfung gemindert“, so Stich.

Ergebnisse der Studie:

Laut Studie sei die Entscheidung gegen eine Corona-Impfung durch fehlendes Vertrauen in Politik, Medien, Institutionen und Gesellschaft geleitet. Dabei seien vor allem AFD-Wähler:innen, Nichtwähler:innen, Menschen mit osteuropäischem Migrationshintergrund und Bürger:innen mit niedrigem Einkommen „überpräsentiert“. „Ungeimpft-sein gilt als Zeichen eigener Widerstandsfähigkeit und ist damit identitätsstiftend. Die Wahrnehmung eigener Stärke führt zu einer Herabsetzung und einer bewussten Abgrenzung gegenüber geimpften Menschen. 87 Prozent der nicht aus medizinischen Gründen Ungeimpften werden von Verschwörungsnarrativen beeinflusst und sind daher überwiegend nicht für eine Impfkampagne erreichbar“, so Jana Faus, die Geschäftsführerin der pollytix strategic research gmbh.

Eine Minderheit von 13 Prozent, meist Eltern oder junge Frauen und Menschen aus städtischen Wohnorten seien noch offen, sich mithilfe von unabhängigen Langzeitstudien in verständlicher Sprache, individuellen Beratungsangeboten oder einer ergebnisoffenen, neutralen Impfkampagne von dem Impfschutz vor Langzeitfolgen einer Corona-Infektion überzeugen zu lassen.

Omikron-Impfstoff im Herbst

Für den Herbst werde die Verfügbarkeit omikronangepasster Impfstoffe erwartet. Der Landesimpfkoordinator rechne wie in den vorangegangenen Impfkampagnen auch mit einer hohen Impfbereitschaft in der Bevölkerung. Allerdings „auch mit Mythen, Legenden und Unwahrheiten, die aus dem Kreis der Verschwörungstheorie und der Impfgegner verbreitet werden“.

„Um noch gezielter für die Schutzimpfung zu werben, müssen wir verstehen, warum Menschen so vehement und abseits aller Fakten und Vernunft gegen das Impfen agieren. Mit der nun vorliegenden Studie erschließen sich uns mehr Klarheit über die Motivation aber auch neue Wege, um Menschen weiterhin für eine Impfung zu gewinnen. Wir werden akzeptieren müssen, dass es einen Teil von Menschen gibt, die wir nicht erreichen und noch weniger überzeugen können.“, sagte Landesimpfkoordinator Daniel Stich.

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Pressemitteilung Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit (26.07.2022)