Wie werden Verschwörungstheorien durch Sprache glaubwürdig?

Verschwörungstheorien sind nicht zuletzt durch die anhaltende Corona-Pandemie in den Fokus der öffentlichen Debatte gerückt. Zwei Germanisten der Universität Trier untersuchen, wie Sprache Verschwörungstheorien glaubwürdig erscheinen lässt.

Für Verschwörungstheorien wird spezifisches Vokabular genutzt, so die Untersuchungen der Wissenschaftler. Symbolbild: Unsplash

„Phänomen Verschwörungstheorien“

In den letzten Jahren ist das „Phänomen Verschwörungstheorien“ zunehmend in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Die Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens sorgten für „ein nie dagewesenes Interesse an der Thematik.“

Daher befassen sich bereits zahlreiche Forschungsprojekte mit Verschwörungstheorien. So auch an der Universität Trier:

Wie Sprache Verschwörungstheorien glaubwürdig erscheinen lässt

Zwei Germanisten der Universität Trier, Dr. David Römer und Dr. Sören Stumpf, sind sich einig, dass „Sprache das Medium ist, durch das Verschwörungstheorien überhaupt erst vermittelt und wahrnehmbar werden“.

In einem gemeinsamen Projekt soll erforscht werden, „wie über das Medium Sprache Verschwörungstheorien als soziale Wirklichkeiten konstruiert werden.“ Untersucht wird unter anderem, welche rhetorischen Strategien und sprachlichen Mittel genutzt werden, um Verschwörungstheorien als plausibel darzustellen oder wie Sprache in Verschwörungstheorien eingesetzt wird, um wissenschaftliche Ergebnisse und gesellschaftlich anerkanntes Wissen anzufechten. Dabei sollen insbesondere Texte in den sozialen Medien analysiert werden.

Spezifisches Vokabular

In ihren bisherigen Studien konnten die beiden Sprachwissenschaftler bereits nachweisen, „dass Verschwörungstheoretiker ein spezifisches Vokabular verwenden.“ Als Beispiel nennen sie Kommentare unter Youtube-Videos, die den menschengemachten Klimawandel leugnen, Wissenschaftler und Klimaaktivsten als „Klima-Jünger“ oder Angehörige einer „Klimareligion“ bezeichnen.

Mithilfe solcher Metaphern gelinge es Verschwörungstheoretikern, die Überzeugung vom menschengemachten Klimawandel als irrational und nicht wissenschaftlich belegt darzustellen.

Verschwörungstheorien zu Terrorismus, Klimawandel und Gesundheitspolitik

Das Projekt ist noch in der Anfangsphase. Die Universität teilt mit, dass die Forscher das Untersuchungsmaterial für das neue Projekt noch zusammen stellen müssen. Dabei wollen sie insbesondere verschwörungstheoretische Texte zu den Themen Terrorismus, Klimawandel und Gesundheitspolitik berücksichtigen.

Ein besonderes Anliegen der beiden Wissenschaftler ist es, im Rahmen des Projekts Aufklärungsarbeit zu leisten. „Nur durch eine engagierte Wissenschaftskommunikation und einen systematisch betriebenen Wissenstransfer ist es möglich, mit der Gesellschaft ins Gespräch zu kommen. Das ist bei diesem Gegenstand und dem Bedarf, diesen zu erforschen, überaus wichtig“, betonen David Römer und Sören Stumpf.

So sind beispielsweise regelmäßige Workshops an Schulen geplant. Schülerinnen und Schüler sollen hier die sprachlichen Strategien, die in Verschwörungstheorien zum Einsatz kommen, kennenlernen. So soll es ihnen gelingen, Verschwörungstheorien leichter als solche zu erkennen und sich und ihr Umfeld besser vor ihnen zu schützen.