Austritte aus katholischer Kirche erreichen neuen Rekord

Im vergangenen Jahr sind fast 360.000 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten - das sind knapp 86.000 mehr als im bisherigen Rekord-Jahr 2019.
Kreuzgang des Doms St. Petrus. Foto: Trier Tourismus und Marketing GmbH
Kreuzgang des Doms St. Petrus. Foto: Trier Tourismus und Marketing GmbH

Die jährliche Kirchenstatistik für das vergangene Jahr 2021 wurde am heutigen Montag, 27.06.2022, veröffentlicht. Demnach hat die katholische Kirche im vergangenen Jahr einen neuen Rekord bei den Kirchenaustritten verzeichnet.

Enormer Anstieg von Austritten

Die Statistik zeigt, dass der Gottesdienstbesuch in 2021 erneut zurückgegangen ist (um 4,3 Prozent). Hingegen sind die Zahlen beim Sakramentenempfang teilweise deutlich gestiegen: die Zahl der kirchlichen Trauungen lag bei 20.140 (2020: 11.018), die Zahl der Taufen bei 141.992 (2020: 104.610) und die Zahl der Erstkommunionen bei 156.574 (2021: 139.752).

Im letzten Jahr sind 1.465 Menschen in die katholische Kirche eingetreten. Dem gegenüber ist die Zahl der Kirchenaustritte massiv gestiegen: 359.338 Menschen haben die Kirche verlassen. Das sind knapp 86.000 Menschen mehr als im Rekord-Jahr 2019 (2019: 272.771). In Trier haben sich letztes Jahr knapp 18.600 Menschen für den Austritt entschieden.

Katholische Kirche steckt in tiefgreifender Krise

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, äußerte sich zu der Statistik 2021 wie folgt: „Die Zahlen des Jahres 2021 zeigen die tiefgreifende Krise, in der wir uns als katholische Kirche in Deutschland befinden.“ Trotz der gestiegenen Zahlen der Sakramentenspendung sei er „zutiefst erschüttert“ über die extrem hohe Zahl der Kirchenaustritte. Mittlerweile müsse man einsehen, dass nicht nur Menschen austreten, die „über einen längeren Zeitraum wenig oder sogar keinen Kontakt“ zu ihrer Pfarrerei hatten, sondern auch jene, die zuvor sehr engagiert waren.

Die extrem hohe Zahl an Kirchenaustritten mache deutlich: „Es gibt keine Selbstverständlichkeiten mehr für uns als katholische Kirche. […] Zur Kirche zu gehören ist ebenso wenig eine Selbstverständlichkeit wie aktiv in ihr mitzuwirken. Die Skandale, die wir innerkirchlich zu beklagen und in erheblichem Maße selbst zu verantworten haben, zeigen sich in der Austrittszahl als Spiegelbild. Dieses dürfen wir nicht verzerren, wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass die Kirchen wieder voller werden oder die Zahl der Gläubigen wieder steigt.“

 

 

Kirchenstatistik 2021 (27.06.2022)