Immer weniger Grundschulkinder können schwimmen – das sind die Gründe

Die Zahl der Grundschulkinder, die schwimmen können, wird immer weniger. Mittlerweile habe sich die Zahl der "Nichtschwimmer" verdoppelt. Nicht nur die coronabedingten Einschränkungen seien Schuld an den Zahlen:
Ein Junge nimmt an einem Schwimmkurs für Kinder teil. Symbolfoto: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
Ein Junge nimmt an einem Schwimmkurs für Kinder teil. Symbolfoto: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd

Die Zahl der Grundschulkinder in Deutschland, die nicht schwimmen können, hat sich verdoppelt. Das zeigt eine repräsentative Umfrage, die von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) nach zuletzt 2017 erneut in Auftrag gegeben wurde.

Damals konnten den Angaben der Eltern zufolge zehn Prozent der Kinder (zwischen 6 und 19 Jahre) nicht schwimmen. Jetzt sind es 20 Prozent. Der Unterschied sei gravierend, aber angesichts der Entwicklungen in den vergangenen zwei bis drei Jahren auch wenig überraschend, sagte DLRG Präsidentin Ute Vogt.

Schwimmbäder wegen Corona-Pandemie geschlossen

Zum Einen konnte während der Corona-Pandemie über längere Zeiträume praktisch keine Schwimmausbildung stattfinden. Folglich haben deswegen aktuell 37 Prozent der Grundschulkinder noch kein Schwimmabzeichen – auch nicht das auf das Schwimmen vorbereitende Seepferdchen. Der Anteil der Kinder mit dem beliebten Abzeichen sei gegenüber 2017 von 69 auf 54 Prozent gesunken. Es gab seit dem Sommer 2021 viele Versuche, den Rückstand wieder aufzuholen, gibt Vogt zu bedenken.

Während des Lockdowns waren die Schwimmbäder geschlossen. Symbolfoto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Kira Hofmann

Weiteres Hindernis für Bäder: Energiepreise

Die DLRG Präsidentin mahnt ein weiteres Mal: „Wie Jungen und Mädchen lesen, schreiben und rechnen lernen, so müssen sie auch schwimmen lernen. Wir müssen dahin kommen, dass jedes Kind am Ende der Grundschule sicher schwimmen kann.“ Das gelte auch jetzt in der Energiekrise, in der eine ganze Reihe an Kommunen darüber nachdenken, ihr Bad zu schließen. Beispielsweise war lange unklar, ob das Hallenbad in Saarburg nach der Freibad-Saison öffnen werde. Letztlich entschied man sich, das Bad zu öffnen, aber den Saunabereich zu schließen.

Viel mehr Nichtschwimmer in ärmeren Haushalten

Die Umfrage habe auch gezeigt, dass Jungen und Mädchen in Familien mit einem geringen Haushaltseinkommen viel häufiger Nichtschwimmer sind. Die Hälfte (49 Porzent) der Kinder aus Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 2.500 Euro kann nicht schwimmen. Hingegen sind es bei einem Haushaltsnettoeinkommen über 4.000 Euro zwölf Prozent. Dazu Vogt: „Schwimmen zu können darf keine Frage des Geldes sein. Umso wichtiger ist es, dass jede Schule in die Lage versetzt wird, das Schwimmen angemessen zu unterrichten.“ Da die Schulen alle Kinder erreichen, ließen sich so derartige Unterschiede verringern.

Zahl der „sicheren Schwimmer“ gleichbleibend

Die Zahl der Kinder, die von ihren Eltern als sichere Schwimmer eingestuft werden, ist etwa gleichgeblieben (57 Prozent, im Jahr 2017 waren es 59 Prozent). Das Problem ist allerdings, dass viele Eltern der Meinung sind, ihr Kind könne schwimmen, wenn es das Seepferdchen-Abzeichen hat. Christian Landsberg, Leiter Ausbildung im DLRG Präsidium, sagt aber: „Da sind sie jedoch auf dem Holzweg. Das Seepferdchen bescheinigt das Beherrschen von wichtigen Grundlagen.“ Als sichere Schwimmer gelte man erst, wenn das Freizeichen – also das Schwimmabzeichen Bronze – abgelegt wurde.

Für das „Seepferdchen“ lernen Kinder wichtige Grundlagen. Symbolfoto: picture alliance/dpa | Nicolas Armer

Die DLRG gehe anhand der Angaben zu den abgelegten Schwimmabzeichen eher davon aus, dass derzeit sechs von zehn Kindern am Ende der Grundschule (58 Prozent) keine sicheren Schwimmer sind.

Weiterer Punkt: Entfernung zu Schwimmbädern

Immerhin 87 Prozent der Befragten haben ein Schwimmbad in der näheren Umgebung, das gut zu erreichen sei. Im Jahr 2017 waren es 92 Prozent. Bei Menschen aus Orten unter 5.000 Einwohnern ist der Wert von 90 auf 78 Prozent gesunken. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Trend bei der Bäderversorgung weiter in die falsche Richtung läuft“, sagt DLRG Chefin Ute Vogt und fordert: „Bund, Länder und Kommunen müssen nun endlich an einem Runden Tisch zusammenkommen.“ Dieser sollte eine bundesweite Bedarfsanalyse auf den Weg bringen, mit der die Grundlage geschaffen wird, um später die Mängel in der Bäderinfrastruktur systematisch zu beheben.

 

 

Weitere Ergebnisse aus der von der DLRG in Auftrag gegebenen repräsentativen Befragung „Schwimmfähigkeit der Bevölkerung 2022“ durch forsa gibt es unter dlrg.de/forsa2022

 

Pressemitteilung DLRG (24.01.2023), Eigener Bericht