Ein über Jahre hinweg vernachlässigter Schädling, der ausnahmsweise mal nicht unsere geliebten Pflanzen sondern uns selbst befällt, wird nun seit einiger Zeit vermehrt zum Problem. Neben dem Menschen sind auch alle Warmblüter wie Hund, Katze, Pferd und wilde Tiere potentielle Ziele des winzigen Parasiten. In warmen Sommern sorgt er mit seinen Stichen gebietsweise für gefüllte Hautarztkliniken, in denen Patienten über stark juckende Pusteln klagen. Der Übeltäter ist ein relativ naher Verwandter der Zecke: Gemeint ist die fast weltweit vorkommende Grasmilbe. Allerdings lebt nur ein ganz bestimmtes Entwicklungsstadium der Grasmilbe als Parasit, weshalb die erwachsenen Milben völlig harmlos sind.

Aus Eiern, welche zu hunderten von weiblichen Grasmilben gelegt werden, schlüpfen meist von Juli bis Oktober die winzig kleinen Milbenlarven, welche nicht mal einen halben Millimeter messen. Warum sich die Larven in einigen Gebieten Deutschlands explosionsartig entwickeln und andere Gebiete verschont bleiben, konnte leider noch nicht geklärt werden. Auf jeden Fall steht fest, dass die kleinen Biester warme Temperaturen bevorzugen und die Befallstärke deswegen in einem warmen Sommer zunimmt. Die orangeroten Larven brauchen nun Nahrung für ihre Entwicklung zu einer erwachsenen Grasmilbe und suchen sich dafür einen Wirt. Die sehr beweglichen Larven der Grasmilbe erklimmen dafür 5 bis 30 cm hohe Gräser und warten auf ihr Opfer. Durch Erschütterungen beim Laufen und dem ausgeatmeten CO2 sollen die zeckenähnlichen Milben ihren Wirt erkennen und lassen sich auf ihn fallen.

Die Grasmilben suchen sich anschließend eine geeignete Stelle, um mit ihren Stechwerkzeugen Speichel in die Haut des befallenen Tieres oder eben Menschen zu injizieren. Der Speichel verdaut die Hautzellen um die Einstichstelle, welche dann später als eine Art Zellsaft von der Grasmilbe aufgesaugt wird (es wird kein Blut gesaugt, wie es bei der Zecke der Fall ist). Die nun satte und zufriedene Grasmilbe lässt sich bereits nach 4 bis 8 Stunden von ihrem Wirt fallen. Sie stellt dann keine Gefahr mehr für Mensch und Haustiere da, weil sich die späteren Entwicklungsstadien der Grasmilbe räuberisch von Kleinstlebewesen im Garten ernähren.

Weil die Grasmilbe beim Zustechen ihren Speichel in die Wirtshaut abgibt, kommt es zu einer unschönen Hautreaktion. Bei der dadurch ausgelöst Trombidiose (Hautreaktion auf Milbenstiche) werden die ersten Symptome 4 bis 36 Stunden nach dem ersten Stich bemerkbar. Die Symptome äußern sich bei Mensch und Tier am Anfang meist durch einen starken Juckreiz und mit jedem Stich entsteht eine kleine rote Quaddel. Die Stärke des Juckreizes erreicht nach 2 bis 3 Tagen ihren Höhepunkt und spätestens nach 8 bis 14 Tagen sollten der Juckreiz und die kleinen roten Quaddeln verschwunden sein. Bei einem ungünstigen Krankheitsverlauf und gerade, wenn an den Pusteln gekratzt wird, können sich die Einstichstellen entzünden. Spätestens dann sollte ein Arzt aufgesucht werden. In der Regel verschwinden die Symptome aber von alleine und ohne Komplikationen.

Weil die Symptome mit einer Verzögerung von bis zu 36 Stunden auftreten, sind die Milben meist schon über alle Berge, wenn das Jucken beginnt. Über den Verbleib der kleinen Grasmilben müssen Sie sich aber keine weiteren Gedanken machen. Langfristig können die Milben in der Wohnung oder im Haus nicht überleben und auch eine Übertragung von Tier zu Tier oder auch auf einen Menschen ist ausgeschlossen, da die Grasmilben in ihrem Entwicklungszyklus nur einen Wirt parasitieren und sich an diesem „satt fressen“.

Die Stiche der Grasmilbe sollten Sie auf jeden Fall behandeln. Dafür werden die Pusteln zuerst mit einer 70 % starken Alkohollösung abgetupft. Durch den Alkohol werden die Problemstellen desinfiziert und Grasmilben, die sich noch auf der Haut befinden, abgetötet. Anschließend können die Pusteln, je nach Stärke des Juckreizes, mit einem juckreizstillenden Präparat aus der Apotheke behandelt werden. Gerade bei Kindern ist dies zu empfehlen, damit sie die betroffenen Hautpartien nicht zu stark aufkratzen. Übrigens konnte bis heute nicht nachgewiesen werden, dass die Grasmilbe Krankheiten wie zum Beispiel die Borreliose überträgt. Aus diesem Grund gilt die Grasmilbe, im Gegensatz zu der Zecke, nicht als Überträger weiterer Krankheiten.

Tipp des DRK OV Saarburg: 

Symptome
  • Quaddeln
  • rötliche Hautveränderung
  • Juckreiz

Maßnahmen

  • Kühlen Sie die Veränderung um den Juckreiz zu stillen
  • allergische / lokal kühlende Gels (z.B. Fenistil® Gel) auftragen
  • bei starken Symptomen antiallergische Säfte oder Tabletten einsetzen
  • die genannten Präparate sind in Apotheken ohne Rezept erhältlich
  • eine ärztliche Behandlung ist nur bei starker Eiterbildung über den Hautveränderungen erforderlich

In der Region Trier haben die Apotheken derzeit einen sehr hohen Zulauf von besorgten Menschen, deren Kinder vor allem betroffen sind und nach kühlende Gels gesucht wird. Doch in den Apotheken ist unter anderem das Fenistil Gel derzeit eine Rarität und meist vergriffen. Erstaunlich hohes Aufkommen gab es in den Apotheken-Notdiensten am Samstag und Sonntag.