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Die Brandkatastrophe am 18. August an einem Wohnhaus in Hahnenbach, bei der mehrere Fahrzeuge und das Haus schwer beschädigt wurden, beschäftigt weiterhin die Behörden.
Die nächste Gefahr lauert in den Asbestzementresten der Brandruine. Schon lange war bekannt, dass in der Garage Eternitplatten verbaut waren, welche die gesundheitsgefährdenden Fasern enthalten. Weil das zerstörte Gebäude abgerissen werden soll, ist Handeln erforderlich. Deformiertes Blech, etwas, das nach einem verschmorten Werkzeug aussieht, verkohlte Balken und Dämmplatten, ein halb zerbröckeltes Dach und über allem eine dicke Schicht Asche – viel hat sich nicht getan seit dem Brand, der am Einschulungstag die als Werkstatt genutzten Garage zerstört hat. Denn bei dem Dach handelt es sich um ein altes Wellendach, aus einem Asbest-Beton-Gemisch.
Eine tiefschwarze Rauchsäule hing Mitte August über L 182 zwischen Hahnenbach und Rhaunen: Mehrere Fahrzeuge, die Garage und das Wohnhaus standen dort in Flammen. Mehr als drei Stunden brauchten die Einsatzkräfte der Feuerwehr, um das Feuer zu löschen. Doch nicht nur Rauch stieg dabei in den Himmel auf, sondern auch Asbestrückstände verteilten sich in der direkten Umgebung. Die Bruchstücke als Ganzes ungefährlich sind, also nur Stücke, die zu groß sind, um sie einzuatmen. Und selbst bei Bränden, bei denen kleinere Asbestfasern freigesetzt werden, sei die Gefahr für Anwohner eher gering. „Gefährlich ist es in erster Linie für die Einsatzkräfte, die direkt in der Wolke stehen. In der Außenluft würde sich das aber relativ schnell verdünnen“, so die Experten vor Ort. Da sich sowieso immer eine geringe Menge an Asbest in der Luft befinde, würden sich durch Feuer freigesetzte Partikel oft nicht einmal bei Messungen bemerkbar machen. Die gesundheitlichen Folgen treten nicht akut auf, sondern zeitversetzt, mit einer Reaktionszeit von etwa 30 Jahren.
Dass der ganze Prozess ein paar Tage dauere, sei allerdings ganz normal – Versicherungsgutachten müssten erstellt und allerlei Genehmigungen eingeholt werden. Schließlich ist Asbest ein Gefahrstoff und dürfe nicht von jedermann einfach abgebrochen werden. Für die Entsorgung sei ebenfalls eine Genehmigung einzuholen, darum kümmere sich die Fachfirma A.R.D. aus Simmertal. Diese baute am Montag ihr Lager im Moselbad in Bernkastel-Kues ab, dort entsorgten die Speziallisten weiße alte Glaswolle. Das Unternehmen A.R.D in Simmertal investiert im vergangenen Jahr rund 120.000 € in einen Schadstoff Entsorgungszug, mit dem Hauptaugenmerk Asbest. Die Abriss- Spezialisten aus Simmertal stießen immer wieder auf das Problem mit Asbest. Asbest wurde in den Jahren 1960 bis 1993 in 95 Prozent aller Häuser verbaut. Hausbesitzer wissen nicht immer, ob und wo Asbest tatsächlich in den eigenen vier Wänden zu finden ist. Spachtelmassen, Putze oder Estriche können Asbest enthalten, aber auch alte Fußbodenbeläge und Dämmmaterialien im Dach gehören zu den verdächtigen Kandidaten.
Auf der viel befahrenen L182 dachten viele Autofahrer, die Feuerwehr ist schon wieder an der Brandruine. Doch das ehemailige Fahrzeug der Berufsfeuerwehr Heidelberg ein älteres Löschfahrzeug mit 2000 Liter Wasser, Pumpe und Lichtmast wurde durch die ARD erworben. Im ehemaligen 200 Liter Schaumtank des Fahrzeuges, ist nach dem Umbau nun Asbest-Faser-Bindemittel das so großflächig versprüht werden kann. Mit dem großen Anhänger, in dem Toiletten, Duschen, Waschbecken, Aufenthaltsraum und Werkstatt untergebracht sind, ist der Gefahrstoffzug völlig autark. Im Fahrzeug selbst, befinden sich diverse Schleif- und Saugmaschinen Verschiedenester Dimensionen, alle samt arbeiten sie mit Unterdruck, so dass alle Stäube und Fasern abgesaugt werden.
Die Brandruine soll nun so bald wie möglich abgebrochen werden. Bevor dies geschehen kann wird das Hausdach ebenfalls aus Asbest untersucht, das Garagendach und die belastete Asche aufwendig Entsorgt, sowie die Stromleitung samt Hausdachständer muss umgelegt werden.