Am 26. September wird nicht nur der Bundestag gewählt, sondern auch die nächste Landrätin oder der Landrat für den Landkreis Trier-Saarburg. Alle Kandidierenden haben Fragen der Redaktion beantwortet, die womöglich bei der Wahlentscheidung ausschlaggebend sein können. An jedem Abend wird eine Fragerunde online gehen – heute mit Guido Klein (parteilos).

Stellen Sie sich kurz vor!

Ich wurde 1967 in Trier geboren, bin verheiratet, habe drei Kinder sowie zwei Enkelkinderund wohne in Riol an der schönen Mosel. Nach Ausbildung und Studium zum staatl. geprüften Handelsbetriebswirt führte ich über 15 Jahre bis zu 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei international tätigen Unternehmen. Seit 2010 arbeite ich als selbstständiger Personal- und Unternehmensberater. Seit 8 Jahren bin ich Vorsitzender des Schulelternbeirates des Stefan-Andres-Gymnasiums in Schweich. Als pädagogische Fachkraft, Jugendleiter und lizenzierter Fußballtrainer engagierte ich mich viele Jahre vor Ort. Als Vorstandsmitglied des Landeselternbeirates, vertrete ich die Interessen von ca. 750.000 Eltern gegenüber der Landesregierung. Im Ausschuss „Jugendschutz und Medieninhalte“ sowie als stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses „Digitalisierung und Medienkonvergenz“ der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, setze ich mich nachhaltig für die Interessen aller Kinder, Familien und älterer Menschen im Land ein.

Wo fühlen Sie sich in Ihrem Landkreis am wohlsten?

Wir leben da, wo andere Urlaub machen. Insofern fühle ich mich im ganzen Kreis Trier-Saarburg sowie unserer Region wohl, da jeder Ort etwas zum Wohlfühlen hat. Am wohlsten fühle ich mich natürlich, Zuhause bei meiner Familie.

Für welche Werte steht Ihre Politik? Was zeichnet sie aus?

Glaubwürdigkeit. Meine DNA ist handeln und Zukunft gestalten. Jetzt brauchen wir einen handlungsstarken Landrat mit Führungskompetenz und strategischem Weitblick, der die Zukunft aktiv gestaltet. Der es gewohnt ist, große interdisziplinäre Projekte erfolgreich umzusetzen. Der wirtschaften kann und dabei alle Menschen auf dem Weg zum Zielmitnimmt.

Wie beurteilen Sie die letzten Jahre bezüglich der Landes- und Kommunalpolitik? Was möchten Sie anders machen, was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Die Liste der politischen Versäumnisse ist lang. Mein Trier-Saarburg der Zukunft ist sozial, digital, wirtschaftlich stark, aber auch klimaneutral. Der ÖPNV ist kostenlos, die Kreisverwaltung ist ein modernes, kundenorientiertes Dienstleistungszentrum, die Schulen sind digital und energetisch saniert. Generationsübergreifende Begegnungsstätten in jedem Dorf sind selbstverständlich. Bezahlbarer Wohnraum für alle. Vereine, Verbände und freiwillige Feuerwehren haben die gewünschte Ausstattung. Viele sind gerne ehrenamtlich aktiv. Gute medizinische Versorgung ist sichergestellt. Es gibt Bürgernähe durch feste Sprechstunden beim Landrat und aktive Bürgerbeteiligung.

Wie beurteilen Sie die Handlungen während und nach der Flutkatastrophe? Was hätten Sie anders gemacht und was wollen Sie anders machen?

Den vielen oft ehrenamtlichen Helfern möchte ich an dieser Stelle für Ihren unermüdlichen Einsatz danken. Dennoch muss der Katastrophenschutz gebietsübergreifend optimiert werden. Die Verantwortlichen in der Politik haben leider auch bei diesem Thema versagt, da Sie in der Vergangenheit nicht Ihre diesbezüglichen präventiven Aufgaben erledigt haben. Hochwasser und seine verheerenden Auswirkungen, gab es schon immer und wird es auch weiterhin geben. Leider hat man nicht genug daraus gelernt, oder weswegen fehlten z.B.: 1. die Warn App 2. funktionierende Sirenen 3. gebietsübergreifende Notfallpläne 4. App zur Abwicklung von Sachspenden 5. Katastrophennotfallfond.
Nun werden von Bund und Land hierzu Korrekturen angekündigt und sind teilweise auch schon beschlossen. Es bleibt aber noch viel zu tun.

Seit dem 1. September 2021 gibt es neue Fahrpläne und Buslinien im ÖPNV – Sehen Sie weiterhin Verbesserungsbedarf?

Am Morgen sind die Busse überfüllt. Es gibt keinen Sitzplatz je Fahrgast, speziell im Schülertransport. Mittags fahren die Busse nicht oder überwiegend nur Luft durch die Gegend. Hier läuft doch vieles falsch. Die Einführung des von mir geforderten kostenlosen ÖPNV mit einer höheren Taktung je Ort wird den Umstieg von Pkw auf Bus und Bahnbeschleunigen und damit die Verkehrs- und Klimabelastung reduzieren. Es braucht erst ein Angebot, damit die Menschen es auch annehmen können. Die Nachfrage ist nicht das Problem.

Bleiben wir beim Verkehr: Wie stehen Sie zur kontroversen Westumfahrung?

Kaum ein Bereich des täglichen Lebens vollzieht aktuell einen größeren Wandel als der der Mobilität. Die Zukunft der Mobilität ist vernetzt, elektrisch und automatisiert. Dies ist auch für die Menschen im ländlichen Raum eine große Chance, klimaneutral und bedarfsgerecht, individuelle Mobilität zu gestalten. Jetzt muss hierfür eine intelligente vernetzte Verkehrsinfrastruktur mit High-Speed-Datenübertragung geschaffen werden, die es ermöglicht, Informationen über Verkehrssituation und Umgebung in Echtzeit zur Verfügung zu stellen, um mit Fahrzeugen zu kommunizieren.
Der Regelbetrieb für das automatisierte und vernetzte Fahren steht daher in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der digitalen Leistungsfähigkeit unserer Infrastruktur und einer durchgehenden Anbindung der Verkehrsteilnehmer an ein superschnelles Breitband. Die Umsetzung des Projektes Moselaufstieg gehört für mich zu einem zukunftsfähigen Mobilitätskonzept genauso dazu, wie der fortlaufende Ausbau von Radwegen.

Wohnungen werden immer teurer – wie stehen Sie zu einem bezahlbaren Wohnraum ?

Die Förderung des sozialen Wohnungsbaus und schnellere Genehmigungsverfahren werden dafür sorgen, dass private Investoren wieder Bauen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Auch muss mehrstöckiger Wohnungsbau möglich gemacht werden, um Baugrundstücke sinnvoll für die Menschen nutzbar zu machen. Ein großes Problem für interessierte Häuslebauer sind unter anderem, die seit Jahren explodierenden Grundstückspreise. Hier sollten wir es nicht mehr zulassen, dass im Rahmen von Genehmigungsverfahren für neu zu erschließende Baugebiete immer noch die Möglichkeit für Alteigentümer besteht, eine bevorzugte Selbstvermarktung durchzuführen. Stattdessen sollte die Genehmigung nur mit der Auflage erfolgen, dass sich die jeweilige Ortsgemeinde dazu verpflichtet, eine Vermarktung selbst durchzuführen und im Rahmen einer Ausschreibung die Vergabe z.B.: bevorzugt an ortsansässige Familien, mit geringen Einkommen und ohne eigenen Immobilienbesitz sowie großem Vermögen, zum Selbstkostenpreis abzugeben.

Was sind die Pläne im Landkreis für flächendeckendes schnelles Internet? Was wurde in den letzten Jahren bereits umgesetzt?

Leider haben wir hier noch zu viele weiße Flecken im Breitbandausbau und auch wurde viel zu wenig Glasfaserkabel verlegt. Die zuletzt vom Land veröffentlichte Zahl im Rahmen des Breitbandausbaus waren etwa 8 Prozent. Da ist noch viel zu tun. Hier müssen wir, wie bei allen politischen Versäumnissen der Vergangenheit, einen Masterplan mit Priorisierung und Umsetzungsplan erarbeiten, damit jeder weiß, wann welches Thema konkret auch für Ihn umgesetzt sein wird.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation der Schulen und Bildungseinrichtungen im Landkreis ?

Corona hat die Versäumnisse der Vergangenheit deutlich gemacht. Hier müssen endlich mal alle zusammenarbeiten. Der Kreis ist verantwortlich für die schnelle Umsetzung der von mir geforderten Digitalisierung sowie energetische und technische Sanierung aller Schulen bzw. alternativ zeitgemäß neu zu bauen, damit unsere Kinder in einer modernen digitalen Bildungseinrichtung qualitativ hochwertig lernen können. Auch muss der Kreis die Forderung nach einem Sitzplatz pro Kind im Bus umsetzen. Ebenso fehlt es an Ganztagsbetreuung in Schulen und Kitas, mit einem klaren pädagogischen Konzept. Das Land muss mehr Lehrerinnen und Lehrer einstellen, denn nur so kann der temporäre Unterrichtsausfallbewältigt werden. Durch den Einsatz von multiprofessionellen Teams kann Schule erfolgreich gelingen und dazu beitragen, mehr Chancen sowie Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder zu ermöglichen. Als Vorstandsmitglied des Landeselternbeirats vertrete ich die Interessen von ca. 750.000 Eltern im ganzen Land gegenüber der Landesregierung und bin im engen Austausch mit den bildungspolitischen Akteurinnen und Akteuren des Landes, um hier auch für den Kreis Trier-Saarburg Verbesserungen zu erzielen.

Wie wollen Sie dem Leerstand in den ländlichen Regionen entgegentreten?

Die Rahmenbedingungen für Investoren müssen wir so gestalten, dass Sie hier gerne investieren. Bund, Land und Kommune müssen zusammenarbeiten. Jeder kann das seine dazu beitragen. Darüber hinaus müssen wir vor Ort alles tun, um Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen, weil das die wichtigste Voraussetzung ist. Die von mir vorgeschlagene Unterstützung der Wirtschaft auf dem Weg zur Digitalisierung und Klimaneutralität, um eine sozialökonomische Unternehmensumstrukturierung zu erreichen, die eine langfristige Unternehmens-/ sowie Arbeitsplatzsicherung zum Ziel hat und damit für eine Win/Win Situation sorgt, bei der die Interessen aller von Veränderungsprozessen Beteiligtenhinreichend berücksichtigt werden, hilft diese Grundvoraussetzung zu schaffen. Danach folgt eine gute Familienpolitik zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Im eigenen politischen Verantwortungsbereich schaffen wir das nur durch ausreichende kostenlose Ganztagsbetreuung in Schulen und Kitas mit einem klaren pädagogischen Konzept sowie freiwillige Homeoffice Angebote durch die Arbeitgeber. Schlussendlich sorgt eine gute Infrastruktur mit dem von mir vorgeschlagenen kostenlosen Personennahverkehr und einer modernen digitalen Schule dafür, dass die Menschen gerne vor Ort in ihrer Heimat bleiben und damit auch Leerstand reduziert wird.

Klimaschutz und Umwelt! Was tun Sie ganz konkret persönlich im Alltag dafür? Welche drei relativ schnell umsetzbaren Ideen hätten Sie für den Landkreis?

Persönlich tun wir hier als Familie viel. z.B.: Wo immer es geht, bilden wir Fahrgemeinschaften und nutzen Bus und Bahn. Unsere Wärme- und Warmwassererzeugung erfolgt über Erdwärme- und Luftwasserwärmepumpen. Wir kaufen regionale Produkte und haben auch Zugriff auf einen großen biologisch nachhaltig bewirtschafteten Nutzgarten, innerhalb der Familie. Wir kochen noch selbst und vermeiden Fertigprodukte und Verpackungsmüll. Usw.
Schnell umsetzbare Lösung zur Reduzierung der Klimabelastung: 1. Mit einem kostenlosen Schülertransport, auch für alle Oberstufenschüler, werden die von mir bereits mitgeteilten positiven Auswirkungen auf Klima, Umwelt und Familie sofortwirksam. 2. Durch einen Sitzplatz pro Kind im Schülertransport, werden die Fahrten im Elterntaxireduziert und unsere Kinder endlich sicher zu Schule gebracht. Seit mehr als 30 Jahren haben die Verantwortlichen hier nichts verändert. 3. Mehr Personal an den richtigen Stellen, um die notwendigen Zukunftsausgaben, hinsichtlich Infrastruktur und Reduzierung der Klimabelastung zu realisieren

Die Landwirtschaft ist sauer! Wie könnten Sie die Lebensmittelerzeuger unterstützen ?

Der Erhalt der Landwirtschaft ist für mich, nicht nur als Junge vom Land, ein fester Bestandteil meiner Vorstellung einer lebenswerten Zukunft. Hier sollten wir die Sorgen und Nöte aller Beteiligten ernst nehmen und schnell in einen konstruktiven Austausch treten, um Problemlösungen zu finden.

Was sehen Sie als größte Herausforderung für den Landkreis Trier-Saarburg?

Wie in ganz Deutschland sind die Themen Digitalisierung und Klimaneutralität die große Herausforderung der Zukunft, bei der jeder seinen Teil dazu beitragen muss. Die Menschen auf dem Weg zum Ziel mitzunehmen, ist hierfür die wichtigste Herausforderung.

Wenn Sie Landrat werden… Was tun Sie als Allererstes ?

Eine feste Sprechstunde für Bürgerinnen und Bürger beim Landrat wird sofort nach der Wahl eingerichtet, damit wieder direkte Bürgernähe dauerhaft hergestellt werden kann. Ich werde mir schnell einen umfassenden Überblick über die finanzielle Situation verschaffen. Danach wird jede Ausgabenposition auf einen dauerhaften Verbleib kritisch geprüft, damit ausreichend Geld zur Verfügung steht, um die von mir dargestellten notwendigen Zukunftsausgaben, hinsichtlich Infrastruktur und Reduzierung der Klimabelastung zu realisieren. Effektivitätssteigerung und die konsequente Nutzung der öffentlichen Fördertöpfe von Bund und Land sind zwei weitere wichtige Punkte. Zum Beispiel wurde die Finanzierung der Laptops für bedürftige Schülerinnen und Schüler vom Land Rheinland-Pfalz im Rahmen von Corona-Hilfen übernommen. Die noch nicht abgerufenen Gelder zur Digitalisierung der Schulen, ebenso wie die nicht genutzte Möglichkeit, die vom Land angebotene befristete Kostenübernahme zur Einführung der Gemeindeschwestern plus, zur Unterstützung von Familien und vor allem älterer Menschen nicht in Anspruch zu nehmen, zeigt doch wo das Problem liegt. Es gibt nicht zu wenig Geld, sondern es mangelt einfach an dem fehlenden Willen zur Umsetzung sowie an der oft überbordenden Bürokratie.