Am Sonntagabend wurde es ab 21 Uhr wieder laut rund um das Aldi Zentrallager im Gewerbegebiet in Wittlich. Aus aktuellem Anlass versammelten sich zum zweiten Mal in diesem Jahr mehr als 100 Landwirte auf 70 Traktoren vor den Toren des Großkonzerns. Hierbei zeigten sie, dass die Landwirtschaft immer noch da und aktuell ist. Sie stellen sich ganz klar gegen die immer weiter fallenden Lebensmittelpreise und die Einkaufspolitik der Discounter. „Wir wollen dem Aldi-Konzern einfach mal klar machen, dass sie so mit uns nicht mehr umgehen können. Die aktuelle Preispolitik muss sich deutlich ändern“ erklärt einer der teilnehmenden Landwirte aus der Eifel Markus Hockertz. Hierbei spricht der Bio-Landwirt auch ganz aktuell den Milchpreis an. „Aldi und co. Haben erst kürzlich den Milch-Preis um 5 Cent gedrückt und dass werden wir wohl in den nächsten zwei Monaten zu spüren bekommen.“ Hierbei sprechen die Landwirte von großen Einbußen, die so nicht mehr aufgefangen werden können.

Polizei verbietet Straßenblockade

Nach Wittlich sind rund 70 Traktoren aus den Landkreisen Bernkastel- Wittlich, Bitburg- Prüm und Daun gekommen. Schon kurz nach dem Einfahren mit den zahlreichen Traktoren in die Röntgenstraße rückte eine Polizeistreife an und machte klar, dass alle Zufahrtswege, der Kreisverkehr an der L 52 und die Hauptzufahrt zu Aldi frei bleiben muss. Jedoch hinderte des die Landwirte nicht daran, zeitweise die Röntgenstraße zu blockieren. Wenige LKW mussten den Rückwärtsgang einlegen, um schließlich über die nahegelegene Edisonstraße auszufahren.

Landwirte fordern Einsicht von der Bevölkerung

Vor Ort gab es sachliche Unterhaltungen unter den Landwirten zu den Themen der Zeit, was die Landwirtschaft bewegt und auch fertig macht. Viele (Bio)-Landwirte sehen ihre Existenz in Gefahr. „Wenn sich in der Politik in Berlin und bei den Konzernen nichts ändert, dann werden viele Betriebe schließen müssen. Wir können unseren Fuhrpark und alles was zum Hof gehört nicht mehr unterhalten“ mahnt ein Landwirt aus Wittlich an. Ein anderer junger Landwirt fügt hinzu: „Solange die Bevölkerung in der Region und in ganz Deutschland nicht hinter uns stehen, wird es nichts werden. Solange die Menschen in die Supermärkte gehen und bei der Preispolitik mit machen und alles kaufen, wird das nichts werden. Die Menschen sind zu bequem. Sie gehen kaufen und wissen, dass immer was in den Regalen sein wird. Ob das frisch von uns oder dann aus dem Ausland exportiert wird.“

Schlimme Erfahrungen unter Landwirten

In den Gesprächen mit den Landwirten gab es auch ganz Schlimme Erzählungen. In den letzten Monaten haben sich in der Region und darüber hinaus drei Bauern das Leben genommen. Sie wussten einfach nicht mehr ein und nicht mehr aus. Wo soll das noch hinführen? Diese Frage stellen sich derzeit viele Landwirte. „Ich habe drei Kinder. Und ich werde allen drei sagen, dass sie nicht einmal auf den Gedanken kommen sollen, unseren Hof zu übernehmen. Ich werde ihnen raten einen festen Beruf zu erlernen. Es ist traurig, dass man als Vater sowas sagen muss“ erzählt uns ein anderer Landwirt aus dem Eifelkreis.

Höhepunkt: Blockade der Hauptzufahrt zum Aldi Zentrallager 

Gegen 23 Uhr kommt es bei der nicht angemeldeten deutschlandweiten Kundgebung zum Höhepunkt der Demonstration der Landwirte. Während viele der Teilnehmer bereits wieder abgereist sind, setzten sich die übrig gebliebenen auf ihre Traktoren und blockieren komplett die Hauptzufahrt zum Zentrallager. Es kommt kein LKW mehr rein und raus. Und es braucht nicht lange bis ein erster LKW beladen ist und ausfahren möchte. Die Landwirte suchen das Gespräch mit den Fahrern und wissen auch hier, dass sie zwar aktuell die Leidtragenden sind, aber sich ihre Wut auf die Konzerne selbst richtet. Wenige Minuten später steht der erste LKW im Kreisverkehr der Landstraße und kann nicht mehr einfahren. Am Ende stehen zahlreiche Lastwagen hintereinander und warten darauf, dass sich etwas ändert.

Polizei leitet Ermittlungsverfahren ein

Nach etwa 1,5 Stunden wurde die Blockade durch die Landwirte wieder aufgehoben und der Weg für die LKW freigemacht. Zuvor rückte die Polizei Wittlich mit zwei Fahrzeugen an. Ohne jeglichen Kontakt mit den Landwirten wurden die Kennzeichen der blockierenden Traktoren aufgenommen. Wie die Pressestelle der Polizei am Montagmorgen auf Nachfrage mitteilte, wurden drei Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Nötigung im Straßenverkehr eingeleitet. Sehr zur Freude der Landwirte rückte ein normaler Abschleppwagen an, welcher die blockierenden Traktoren abschleppen sollte. Doch bevor es womöglich zu größeren Schäden gekommen wäre, machten die Landwirte den Weg wieder frei.

„Wir halten hier alle zusammen. Schade ist es nur, dass wir auf die Polizei zugehen mussten und nicht sie auf uns zu kam, um mit uns zu reden. Das Anrücken des unnötigen Auto-Abschleppfahrzeug hätte man sich sparen können, wenn die Polizei mal auf uns zugekommen wäre“ beschreibt ein Landwirt die Situation vor Ort.

Gewinner: Die Landwirte! 

Die Präsenz der Landwirtschaft dauerte derweil bis zum frühen Montagmorgen an. „Unser Ziel haben wir erreicht. Das Blockieren der Zufahrt, ratlose Gesichter und man wird über uns reden. Jetzt sollen die Gespräche nur in die richtige Richtung gehen“ freut sich der Eifellandwirt Markus Hockertz. Zum Schluss fügt er hinzu: „Und jetzt geht’s es heim in den Stall, die Kühe warten auf uns!“


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  • Text, Bilder und Video: Florian Blaes