Bericht: Florian Blaes

Am heutigen 11.11.2020 um 11:11 Uhr hat in der Region Trier, in Rheinland-Pfalz und ganz Deutschland nicht nur unter Corona-Bedingungen die Karnevalssession begonnen. Nein, es war auch ein Tag für die Landwirtschaft in der Region Trier und in ganz Deutschland.

Pünktlich um 11:11 Uhr haben symbolisch in ganz Deutschland die Landwirte an den verschiedensten Produktionsstätten ein Forderungs-Schreiben abgegeben.

Ende Oktober startete ein erster Vorstoß bundesweit, indem die Landwirte mit ihren Traktoren (wir berichteten) die Aldi Zentrallager, so auch in Wittlich, umstellten.

Am heutigen Mittwoch wurde es dann Ernst. Die landwirtschaftlichen Betriebe mit ihren Tieren stehen mit den enormen Kosten und dem existenzbedrohenden Ausmaß, am Ende ihrer Kräfte. Die Produktionsstätten kaufen Milch, Fleisch und Getreide für immer weniger Geld ein und verkaufen es in den Regalen so, dass am Ende für die Landwirtschaft nichts mehr übrig ist. Die Kosten für die Betriebe steigen auch immer weiter.

Die Landwirte und vor allem Milchviehhalter haben heute einen Dialog mit den Produktionsstätten gestartet. Mit dabei waren der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter BDM e.V., die Milchgruppen von LsV Land schafft Verbindung, die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft AbL e.V., die Freien Bauern, das European Milk Board EMB und die MEG Milch Board w.V.,  unterstützt auch von der Bauern & Land Stiftung.

„Den Teilnehmern des Milchdialogs ist bewusst, dass mehr als eine Forderung an die Verarbeiter, die Molkereien und Schlachtbetriebe, nötig ist, um längerfristig wirklich gewinnbringende Preise über den Markt zu erreichen. Dafür braucht es entsprechende Rahmenbedingungen von der Politik und Initiative von allen Beteiligten der Wertschöpfungskette – vom Handel bis zu den Landwirten selbst“ schreibt das Bündnis milchdialog.com.

Weiter schreiben sie: „Auf politische Lösungen aber können die Bäuerinnen und Bauern in der aktuellen Situation nicht warten. Die Verarbeiter (Molkereien, Schlachtunternehmen etc.) sind unsere direkten Marktpartner, sie nehmen unsere Produkte ab und bezahlen uns. Wir verhandeln nicht mit dem Lebensmitteleinzelhandel, das tun unsere Verarbeiter. Sie ermöglichen den Handelskonzernen mit ihren „günstigen“ Kontraktangeboten den billigen Einkauf von Milch und Fleisch. Sie geben der Politik das Versprechen, mit Branchenlösungen und ohne politische Veränderungen der Marktrahmenbedingungen das wirtschaftliche Desaster der Bäuerinnen und Bauern beenden zu können. Unsere Verarbeiter sind in der Lage, auch kurzfristig mehr Wertschöpfung für die Bauern zu realisieren. Und wir brauchen schnell höhere Erlöse! Im Milchbereich brauchen wir für 100 % unserer Milch mehr Geld – nicht nur für die 37%, die an den Lebensmitteleinzelhandel gehen!“

So wurden heute in Rheinland-Pfalz und besonders in der Region Trier folgende Betriebe von den Landwirten besucht:

  • Hochwald, Thalfang
  • Arla, Pronsfeld
  • Schlachthof Simon, Wittlich
  • Schlachthof Fuchs, Prüm
  • Schlachthof Müller, Gerolstein
  • Oetker in Wittlich

Wir haben die Landwirte in Thalfang mit der Kamera begleitet.

Etwa 25 Traktoren mit den Landwirten sind um kurz vor 11 Uhr an der Hauptzufahrt von Hochwald vorgefahren. Kathrin Lorenz von der Leitung des Milchunternehmens erwartet die Landwirte bereits. Die Traktoren kamen vom Sprudelwerk kommend durch den ganzen Ort gefahren, um auf sich aufmerksam zu machen. Auf den Parkplätzen von Hochwald Milch wurden dann die Traktoren abgestellt. Mit Mundschutz und dem nötigen Abstand kamen sie vor dem Werk zu einem kurzen Dialog zusammen. Eine Mitarbeiterin verteilte unter den Landwirten verschiedene Milchgetränke.

Pünktlich um 11:11 Uhr wurde dann das Forderungsschreiben an Frau Lorenz von Hochwald übergeben:

„SCHLUSS MIT LUSTIG – UNS GEHT DIE LUFT AUS! In allen landwirtschaftlichen Bereichen und insbesondere bei den Tierhaltern brennt derzeit die Hütte. Schlachtkapazitäten brechen weg, seit Monaten ruinöse Preise für Rinder und Schweine und Milchpreise, die gerade mal noch zwei Drittel der Kosten decken. Und mit weiteren Auflagen steigen die Kosten weiter, während die Erlösseite stagniert oder sich rückwärts entwickelt.

Die Ursachen dafür mögen von Sektor zu Sektor unterschiedlich sein – gemeinsamer Fakt ist: Das halten unsere Betriebe nicht länger aus!

WIR BRAUCHEN ZWINGEND DEUTLICH HÖHERE MARKTERLÖSE FÜR MILCH, RINDER, SCHWEINE UND GEFLÜGEL:

Um unsere Betriebe erhalten und wirtschaftlich nachhaltig weiterentwickeln zu können, brauchen wir JETZT von unseren Verarbeitern in einem ersten Schritt:

  • für den Liter Milch mindestens 15 Cent mehr!
  • für das kg Rindfleisch mindestens 1 Euro mehr!
  • für das kg Schweinefleisch mindestens 50 Cent mehr!
  • Für das kg Geflügel mindestens 20 Cent mehr!

ES MUSS JETZT ALLES DAFÜR GETAN WERDEN, DASS DIES KURZFRISTIG REALISIERBAR IST!

 Kathrin Lorenz von Hochwald übernahm das Schreiben der Landwirte und versprach, dass sie in allen Ebenen und den Verantwortlichen darüber sprechen wird. Am 19.November 2020 kommen erneut die Landwirte zu den Betrieben gefahren, um die Ergebnisse einzufordern. „Wir holen uns die offizielle Stellungnahme unserer Verarbeiter persönlich ab! Kein Vertrösten auf eine unbestimmte Zeit, die wir nicht mehr haben!“ so die Landwirte.