„Laurons II“ stürmische Fahrt durch Trier

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Mittwochnacht ist der Nachbau eines römischen Handelsschiffes bei Gewitter und Sturm quer durch die Stadt von der Universität bis zur Staustufe gefahren.

Trier. (bla) Es ist eines der Höhepunkte für Christoph Schäfer, Professor für Alte Geschichte der Universität Trier. Nach mehr als zweijähriger Bauzeit war es am Mittwochabend soweit. Ein Originalnachbau eines römischen Handelsschiffes mit dem Namen „Laurons II“ ist in der vergangenen Nacht mit einem Schwertransport von der Uni einmal quer durch die Stadt zum Wasser- und Schifffahrtsamt gefahren worden.
Bereits am Nachmittag wurde das Hallendach, welche eigens für den Bau des Schiffes gebaut wurde, geöffnet. Mit zwei großen Kränen wurde das Holzschiff schließlich aus der Halle gehoben und auf einen 8 achsigen Auflieger gestellt. Dann war es soweit. Um kurz nach 22 Uhr kommen immer mehr Menschen auf den Ostparkplatz der Universität. Das Schiff steht fest geschnurrt auf dem Schwertransporter und wartet auf die Abfahrt. Die Blicke von Professor Schäfer und allen Verantwortlichen gehen minütlich Richtung Himmel. „Eine Verschiebung ist wegen des großen Aufwandes im Vorfeld ausgeschlossen, wir hoffen das Beste“ ist der zuversichtlich. Nach en letzten Absprachen zwischen dem Schwertransportunternehmen, der Polizei, der SWT, Firma Wöffler und der Universität startet um kurz nach 22:30 Uhr der Transporter. Hier staunten einige Schaulustige nicht schlecht. Wo man eigentlich einen Schlepper erwartete, standen zwei Mitarbeiter der Firma Steil mit Fernsteuerungen und starteten die Räder. Der Schwertransporterauflieger wurde zu Fuß per Fernsteuerung gefahren.
Das Schiff hat das Unigelände kaum verlassen, fängt es richtig an zu stürmen und die Himmelschleusen öffneten sich. Zudem gesellten sich fast im Sekundentakt Blitze und lauter Donner. Doch die Fahrt wird fortgesetzt. So rollt der Zug von zwei Polizeifahrzeugen, ein Begleitfahrzeug der Firma Wöffler, das Schiff und ein Schwertransportbeleitfahrzeug in Richtung Tarfost und weiter Richtung Trier- Filsch. Ampeln werden kurzfristig abgeschaltet und auf Seite gedreht. Ebenso Verkehrsschilder. Aber alles verläuft routiniert und gut geplant. Bei starkem Gewitter rollt das Handelschiff weiter durch Trier- Olewig hin Richtung Kaiserthermen. Immer wieder halten Autos an, um das rollende Schiff zu fotografieren. „Ich möchte nicht das die zwei Arbeiter der Firma Steil allein mit dem Schwertransport im strömenden Regen gehen, also gehe ich selbstverständlich als Planungsverantwortlicher zu Fuß mit“ erklärt Professor Christoph Schäfer.
Problemlos fährt der Kollos über die Kaiserstraße bis zum St. Barbaraufer und über die Konrad- Adenauer- Brücke. Südlich der Mosel kommt das Schiff über die Luxemburgerstraße und der Diedenhofenerstraße schließlich um kurz vor 1 Uhr am Bauhof des Wasser- und Schifffahrtamtes an. „Alles hat reibungslos geklappt und wir sind sogar mehr als eine Stunde früher, als geplant angekommen, besser konnte es nicht laufen“ freut sich der Leiter des Bauprojekts Schäfer.
Um 8 Uhr am Donnerstagmorgen versammelten sich wieder Studenten der Universität, welche am Bauprojekt involviert waren mit ihrem Professor und zahlreiche andere Verantwortlichen zum Abladen des Schiffes. Wieder stehen zwei Kräne der Firma Steil vor Ort und bereiten das Anheben des Handelsschiffes vor. Mit dabei ist auch Peter Johann, Student an der Uni. „Ich habe vor zwei Jahren angefangen am Boot mitzubauen, weil es mir sehr gut gefallen hatte. Ein Erlebnis für mich war zu sehen, wie das Schiff immer größer wurde und gewachsen ist.“ Ihn freute es weiter zu sehen, wie es immer klarer wurde und die Konturen zu sehen waren. Die beiden letzten Tagen seien zwar stressig gewesen, aber der Aufwand habe sich gelohnt. „Jetzt habe ich ein weinendes und ein lachendes Auge. Ein weinendes, weil das Schiff nicht mehr bei uns an der Universität ist und ein lachendes, weil ich jetzt weiß, dass in Kürze die Testfahrten auf dem Wasser starten“ erzählt der Student weiter.
Währenddessen sind die Arbeiten zum Anheben und Übersetzten abgeschlossen. In langsamer Millimeterarbeit hebt sich das Schiff an und schwebt nun über dem Auflieger in der Luft. Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtamtes bereiten den Ablageort am Wasser im Hafen vor. Vorsichtig sinkt das Schiff wieder und kommt passend auf der Holzvorrichtung auf.
„Die Reise war für uns ein ganz besonderes Erlebnis, weil das Schiff zum ersten Mal gleich gewässert wurde, was natürlich nicht geplant war. Das richtige Schiff ist damals in einem Unwetter gesunken und heute fährt es in einem Unwetter quer durch die Stadt Trier.“ Ist Professor Christoph Schäfer begeistert.
Auf dem Bauhof des Wasser- und Schifffahrtamtes wird das Schiff nun in den kommenden Wochen fertig aufgebaut. Letzte Feinheiten werden erledigt, bevor Anfang Juli das Schiff schließlich getauft wird. Bis dahin erfreuen sich die Augen der Mitarbeiter des WSA des Bootes an Land- „Für uns ist das auch was ganz besonderes, ein römisches Nachbauschiff haben wir hier nicht alle Tage stehen.“ Freut sich Mathias Münch.

(Blaes)