Bruder Antonius Joos (2.v.r.) und andere Helfer. (Foto: privat)

Schlamm schippen, Kirchenbänke herausreißen, verschlammte Bücher aus der Pfarrbücherei bergen, einer alten Dame bei der Suche nach ihrer vermissten Freundin helfen: Bruder Antonius Joos ist wie so viele andere Helfende nach der Hochwasser-Katastrophe seit Tagen im Dauereinsatz in Ahrweiler. „Hier wird jede Hand gebraucht, also möchte ich mit anpacken“, sagt der Ordensmann der Barmherzigen Brüder. Eigentlich wohnt Joos im Trierer Stadtteil Ruwer, ist aber seit der Hochwasserkatastrophe jeden Tag knapp anderthalb Stunden bis in die zerstörte Stadt an der Ahr gefahren, um dort mit anzupacken. Seinem Ordensgründer hätte das sicherlich gefallen: Der zum Schornsteinfeger ausgebildete Peter Friedhofen hatte im 19. Jahrhundert bei Gründung der Barmherzigen Brüder vor allem die Hilfe für Arme, Kranke und Benachteiligte im Blick, also tätige Nächstenliebe.

Joos verbindet eine gute Freundschaft mit dem Ahrweiler Pfarrer und Dechanten Jörg Meyrer, der die verheerende Flut hautnah miterlebte. In einem ersten Telefonat direkt nach dem Unglück bot Joos an, Powerbanks und Hochdruckreiniger nach Lantershofen zu bringen, wo die kirchlichen Helferinnen und Helfer eine Art Krisenzentrum eingerichtet hatten. „Dort wurde ich gleich eingespannt in den Telefondienst und die Koordinierung der Ehrenamtlichen. Doch mir ist klar geworden: Das kann nicht alles sein, ich muss wiederkommen“, erinnert sich Joos. Also half der 47-Jährige fortan bei der Räumung der Pfarrkirche Sankt Laurentius mitten in Ahrweiler. „Ich habe mir den Luxus herausgenommen, abends immer nach Hause zu fahren, wo ich in meinem Bett schlafen kann – etwas, das viele Menschen im Ahrtal nicht mehr können“, sagt er. Irgendwann bot ihm eine Frau aus einem Ahrweiler Vorort ein Gästezimmer an, sodass er sich die Fahrten nach einer Woche sparen konnte. „Was mich motiviert, ist einfach diese Solidarität, diese Hilfsbereitschaft der Menschen. Hier packen so viele mit an, es gibt solch unterschiedliche Projekte, bei denen alle hoch motiviert mitarbeiten.“

An diesem Morgen ist er auf der Suche nach Leuten, die Motorsägen bedienen können – einen Facebook-Aufruf später hat er sie gefunden. Auch wenn die Menschen versuchten, nicht den Mut zu verlieren, sei es schwer, die Eindrücke zu verkraften. „Gestern haben wir gehört, dass ein Auto mit zwei toten Kindern gefunden wurde. Es ist einfach schrecklich.“ Einer älteren Dame, die seit Tagen ihre Freundin vermisst, hilft Joos mit Anrufen bei der zentralen Vermisstenstelle und indem er ihr ein Handy besorgt. Bestärkt fühlt er sich durch seine Mitbrüder in Trier: „Die halten mir den Rücken frei, nehmen mich und alle anderen Helfenden mit in ihr Gebet.“ Eineinhalb Wochen nach der Katastrophe möchte Joos für einen Tag zu Hause bleiben, bevor es weiter geht mit seinem Hilfseinsatz. „Ich merke, dass ich das brauche, denn es ist emotional und seelisch sehr schwierig, da noch hinterherzukommen.“