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Auch der Landrat Gregor Eibes (Bernkastel-Wittlich) hat sich impfen lassen. Hier sein Statement:

Sehr geehrter Damen und Herren,
liebe Bernkastel-Wittlicher Bürgerinnen und Bürger,

vielleicht haben Sie es den Medien entnommen, dass ich – obwohl nicht der Prioritätengruppe 1 angehörend – bereits im Januar dieses Jahres eine Corona-Impfung erhalten habe.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, Ihnen den zugrundeliegenden Sachverhalt zu erläutern, damit Sie sich Ihre persönliche Meinung bilden können:

Ich habe mich Anfang Januar mit einer Impfdosis impfen lassen, die im Laufe der Tagesplanung zu viel aufgezogen wurde und ansonsten hätte verworfen bzw. vernichtet werden müssen. Diese Situation entstand zu einem Zeitpunkt, als noch nicht genau feststand, wie viele Einzeldosen aus einem Injektionsfläschchen entnommen werden können. Die Entnahme schwankte wegen den damals verwendeten Kanülen zwischen 5 und 6 Einzeldosen. Die Liste der für den Fall von übrigbleibenden Impfdosen zu benachrichtigenden Personen aus der Prioritätsstufe 1 befand sich zu diesem Zeitpunkt noch im Aufbau und die vorhandenen Einträge waren bereits abgearbeitet, so dass an diesem Tag keine weitere Person kurzfristig für eine Impfung zur Verfügung stand.

Die Impfdosis wurde somit niemandem vorenthalten. Auch war zu diesem Zeitpunkt weder die Rede von zu verschiebenden Impfterminen wegen einer später eingetretenen Impfstoffknappheit noch gab es eine Diskussion über die unterschiedliche Qualität von Impfstoffen, da AstraZeneca noch nicht auf dem Markt war.

Natürlich habe ich mir die Frage gestellt, den Vorgang öffentlich zu machen, vor dem Hintergrund der öffentlichen Debatten über die Impfprioritätenfolge jedoch letztendlich darauf verzichtet. Denn es sind genau die ersten Reaktionen auf das Bekanntwerden meiner Impfung, die mich damals veranlasst haben, von der Herstellung einer Transparenz abzusehen und die vermutlich auch den Verordnungsgeber dazu bewogen haben, eine Bundeskanzlerin, eine Bundesregierung und andere politische Entscheiderebenen, so zum Beispiel auch die Landesregierungen, nicht weiter vorne in der Prioritätenvorgabe zu platzieren. Man möchte unter allen Umständen Diskussionen vermeiden, die eine Bevorzugung der politischen Ebene anprangern, obwohl eigentlich jeder weiß, dass gerade in Zeiten einer Pandemie mit einem solchen Ausmaß die Funktionsfähigkeit des Staates auf all seinen Ebenen von enormer Bedeutung ist.

Ich persönlich stehe zu meiner Entscheidung, die überzählige Impfdosis anzunehmen, wenngleich ich es bedauere, dieses nicht zu einem früheren Zeitpunkt transparent gemacht zu haben. Vom ersten Tag der Impfkampagne an war es landauf, landab Prämisse, dass kein Impfstoff verworfen wird. Dieser Tatsache trägt auch der Verordnungsgeber mittlerweile Rechnung, indem er die Impfverordnung dahingehend geändert hat, dass bevor ein Impfstoff vernichtet wird, auch Personen mit nachrangiger Priorität geimpft werden können. Kein anderer Sachverhalt hat damals vorgelegen. Ich hätte es als Landrat und Leiter einer Kreisverwaltung, die als Kreisordnungsbehörde, Gesundheitsamt und Katastrophenschutzbehörde seit nahezu einem Jahr zuvorderst mit der Bekämpfung der Pandemie befasst ist, eher als unmoralisch empfunden, den Impfstoff verfallen zu lassen, als mich in dieser Situation impfen zu lassen.

Liebe Bernkastel-Wittlicher Bürgerinnen und Bürger,

ich hoffe auf Ihr Verständnis und dass Sie weiterhin auf mich und meine Arbeit vertrauen. Gerne werde ich mich weiterhin mit vollem Einsatz der Bekämpfung der Pandemie widmen, um gemeinsam mit allen Akteuren deren Ende herbeizuführen.