Symbolfoto Statistik

Die guten Nachrichten schickt Polizeipräsident Rudolf Berg vorweg: „Die Polizei im
Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums (PP) Trier registrierte im Jahr 2020 einen
deutlichen Rückgang der Gesamtkriminalität gegenüber dem Vorjahr 2019. Auch die
Aufklärungsquote konnten die Ermittler auf einen bisherigen 10-Jahres-Höchststand
verbessern – und dies lag auch, aber nicht alleine an der Corona-Pandemie“.
Negativ hingegen ist die Entwicklung der Straftaten der sogenannten CyberKriminalität und bei der Kinderpornografie. Auch die Betäubungsmittelkriminalität
bewegt sich auf dem hohen Niveau des Vorjahres.
Mit einer Gesamtzahl vom 33.070 Straftaten, weist die Polizeilichen Kriminalstatistik
(PKS) 2020 des PP Trier 2.014 Delikte weniger aus als im Vorjahr. Dies entspricht
einem Rückgang um 5,74 Prozentpunkte.
Eine Besonderheit im PP Trier besteht jedoch seit Jahren. Die polizeilichen
Ermittlungsgruppen in den Aufnahmeeinrichtungen für Asylbegehrende im hiesigen
Zuständigkeitsbereich registrieren unter dem festgelegten PKS-Erfassungsschlüssel
7250 reine Formalverstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und EUFreizügigkeitsgesetz. Dies waren in 2020 in der Summe 2.182 Taten.
Da diese Formalverstöße ausschließlich von Asylbegehrenden im
Zusammenhang mit ihren Grenzübertritt bei der Einreise nach Deutschland
begangen werden können, beziehen sich die nachfolgenden Ausführungen auf
die um diesen Aspekt bereinigten Daten.
Dementsprechend beträgt die bereinigte Gesamtzahl der Straftaten nach PKS
2020 im PP Trier 30.888 gegenüber 32.397 in 2019. Dieser Rückgang entspricht
1.509 Fällen oder 4,66 Prozent.
„Von diesen Straftaten“, so der Polizeipräsident weiter, „klärten die Ermittler 21.110
auf und schafften so eine bisher unerreichte Aufklärungsquote von 68,3 Prozent, die
erneut über dem Landesdurchschnitt liegt“.
Damit ist die Wahrscheinlichkeit, in der Region Trier Opfer einer Straftat zu werden,
ausgedrückt durch die sogenannte Häufigkeitszahl (Anzahl der Straftaten pro 100.000
Einwohner), bei einem sehr guten Wert von 4.909. Gegenüber 2019 sank dieser um
258 Punkte und liegt damit deutlich unter dem Landeswert von 5.517.

Zu den 30.888 Fällen ermittelte die Polizei 14.652 Tatverdächtige (minus 862), von
denen 76,2 Prozent männlich waren. Mit einem Anteil von 22,8 Prozent an den
Gesamttatverdächtigen sind die unter 21-jährigen „Jungtatverdächtigen“ leicht
überproportional zu ihrem Bevölkerungsanteil auffällig, der bei 19.1 Prozent liegt.
Im Verhältnis zu ihrem 11,4-prozentigen Bevölkerungsanteil werden hingegen
Nichtdeutsche stark überproportional straffällig. Ihr Tatverdächtigenanteil liegt mit
3.980 bei 27,16 Prozent. Beim Gros dieser Tatverdächtigen handelt es sich um 2.681
Menschen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, die sich als Einwohner,
Arbeitnehmer oder Touristen berechtigt oder als reisende Straftäter temporär zur
gezielten Begehung von Straftaten in Deutschland aufgehalten haben. Bei 1.299 der
Tatverdächtigen handelte es sich um Zuwandernde.
Bei Betrachtung ausgewählter Deliktsbereiche ist festzustellen, dass sich 14 Taten
gegen das Leben von Menschen richteten. Das ist eine Tat mehr als im Vorjahr.
Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stieg um 83 auf 649
Fälle an. Bei der Analyse dieser Felder ist auffallend, dass es mit 198 Fällen ein Plus
von 14 beim sexuellen Missbrauch gab, wobei jedoch der sexuelle Missbrauch von
Kindern um 27 (= 20,5 Prozent) auf 105 Fälle zurückging.
Besonders groß ist die Zunahme der Fälle von Verbreitung pornografischer Schriften
um 79 auf insgesamt 248 Taten. Diese resultieren insbesondere aus dem Anstieg des
Deliktsfeldes „Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer
Schriften“ gem. § 184 b Strafgesetzbuch.
Die vermehrte Nutzung von Messenger-Diensten und sozialen Medien, wie z. B.
WhatsApp, Instagram, Snapchat oder Tik Tok, spielt dabei eine bedeutende Rolle. Der
Anteil von tatverdächtigen Kindern und Jugendlichen ist hierbei von 46 auf 70 deutlich
gestiegen. Kinder und Jugendliche verfügen vermehrt und von jungen Jahren an über
IT-Geräte, insbesondere über leistungsfähige Smartphones. Oftmals erfolgt keine
Kontrolle durch die Eltern und eine Aufklärung zur sachgerechten und legalen Nutzung
des Internets unterbleibt. Zudem ergeben sich eine Vielzahl von Folgeverfahren, die
gegen die Empfänger von solchen Nachrichten geführt werden.
Die Steigerung der Fallzahlen beruht im Wesentlichen auf einer Zunahme von
sogenannten NCMEC-Mitteilungen (NCMEC: National Centre for Missing and
Exploited Children). Hierbei handelt es sich um eine US-amerikanische Organisation,
die Fälle von Kinderpornografie an das Bundeskiminalamt meldet, wenn ein deutscher
Nutzer kinderpornografische Schriften zu US-Internetdiensten hoch lädt, deren Besitz
nach § 184 b StGB strafbar ist.
Dieser Aspekt internationaler Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von
Internetstraftaten und insbesondere der Kinderpornografie, auch mit NGOs, ist sehr zu
begrüßen. Für das Jahr 2021 wird eine weitere Steigerung derartiger Mitteilungen
prognostiziert.

Die Gesamtzahl aller Körperverletzungen sinkt um 269 Fälle auf ein Fünfjahrestief von
3.900 Taten (minus 6,5 Prozent). Da diese Delikte häufig mit dem Konsum von Alkohol
einhergehen, könnte ein Zusammenhang mit den fehlenden Gelegenheiten aufgrund
der Schließung gastronomischer Betriebe sowie der Absage von Festen und Feiern im
Zusammenhang mit den Pandemiebeschränkungen bestehen.
Diese Aspekte könnten auch den Rückgang der Sachbeschädigungen von 3.951 um
381 auf 3.570 Fälle begünstigt haben.
Ebenso dürfte es sich mit den Ladendiebstählen verhalten, die um 13,6 Prozent auf
1411 zurückgingen. Veränderte Tatgelegenheitsstrukturen aufgrund geschlossener
Geschäfte während der Lock Downs sollten diese Entwicklung begünstigt haben. Die
Summe der Diebstähle unter erschwerten Umständen stieg, nach einem Rückgang in
den zurückliegenden Jahren, um 170 Fälle (7,9 Prozent) an. Sie liegt bei 2331 Fällen
allerdings deutlich unterhalb des Mittelwerts der letzten fünf Jahre.
Erfreulich hingegen ist der wiederholte Rückgang bei den Wohnungseinbruchsdiebstählen um weitere 62 auf ein Fünfjahrestief von 382 Fällen. Besonders
erwähnenswert ist der Anteil der Taten, die im Versuchsstadium endeten. Bei 201
Versuchen, das sind 52,6 Prozent, scheiterten die Einbrecher frühzeitig.
Die seit Jahren verfolgte strategische Bekämpfung dieses Deliktsphänomens mit der
Einrichtung eines spezialisierten Fachkommissariats, der Vernetzung nationaler und
internationaler Ermittlungsbehörden, einhergehend mit gezieltem und erhöhtem
Verfolgungsdruck, trägt hier weiter Früchte.
Zusätzlich zu präventiver Auf-/Nachrüstung von Häusern und Wohnungen sowie der
Reduzierung einbruchsbegünstigender Verhaltensweisen u. a. aufgrund polizeilicher
Beratungstätigkeit, könnten auch hier die Lock Downs Wirkung entfaltet haben. Die
Umstände, dass sich viele Menschen vermehrt zuhause aufhielten und überörtlich
agierende Tätergruppen in ihrer Mobilität eingeschränkt waren, dürften die
Tatgelegenheiten zusätzlich verringert haben.
Einen Anstieg verbuchte das PP Trier auch bei Sprengungen von
Geldausgabeautomaten, einem bundesweiten Phänomen mit Schwerpunkt in
Nordrhein-Westfalen. Von den 35 Straftaten in Rheinland-Pfalz ereigneten sich neun
(plus sieben) im Zuständigkeitsbereich des PP Trier. Die zentrale Sachbearbeitung
dieser Straftaten erfolgt durch das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz.
Eine Herausforderung für die Polizei dürfte in den kommenden Jahren das Thema
Cybercrime werden. Neben Straftaten, die sich gegen das Internet, Datennetze,
informationstechnische Systeme oder deren Daten richten, umfasst Cybercrime auch
Straftaten, die mittels dieser Informationstechnik begangen werden. Hier kristallisiert
sich das Internet als Tatmittel besonders heraus.
Bei den hierunter erfassten 2.313 Straftaten (plus 141) dominierte das Internet in 2.173
Fällen (plus 107) als Tatmittel – Tendenz steigend! Das Medium wird bevorzugt zur
Begehung von Vermögens- und Fälschungsdelikten, zur Verbreitung pornografischer
Schriften sowie von Beleidigungen und Bedrohungen verwandt.

Mit 3.544 Fällen von Betäubungsmittelkriminalität (minus 21) blieb das Niveau des
Vorjahres nahezu erhalten, in dem der Höchststand seit 2014 bei 3.565 Taten erreicht
wurde. Der hohe polizeiliche Ermittlungsansatz in diesem Feld der sogenannten
„Kontrollkriminalität“, sowohl durch gezielte kriminalpolizeiliche Ermittlungen als auch
durch verstärkte schutzpolizeiliche Kontrollen im Straßenverkehr und daraus
resultierende Folgeverfahren, führten zu diesem Ergebnis.
Einen regelrechten Boom erlebte die Onlinewache der Polizei, die den Menschen
landesweit als internetbasierte Serviceleistung seit 2018 zur Verfügung steht.
Geschädigte nutzten dieses Portal zur Erstattung von Strafanzeigen und für Hinweise
landesweit in 38.395 Fällen, von denen 5.923 Fälle in die Zuständigkeit des PP Trier
fielen. Dies entspricht einer Steigerung um 3674 Fälle oder 163,4 Prozent. Offenbar
fruchtete der polizeiliche Appell an die Bürgerinnen und Bürger, diesen Service auch
zur Reduzierung von Kontakten während der Pandemie in Anspruch zu nehmen.
Die angezeigten Fälle von Gewalt in engen sozialen Beziehungen (GesB) stiegen in
2020 gegenüber dem Vorjahr um 39 (plus 3,6 Prozent) auf 1.136 Taten an. Damit
bleibt der seit 2017 kontinuierlich leicht ansteigende Trend bestehen, liegt jedoch
unterhalb des Höchststands von 1.257 Fällen in 2016. In der Region Trier ist die
Befürchtung, die Pandemie könnte ein extremer GesB-Treiber sein, statistisch nicht
belegbar.
Die politisch motivierte Kriminalität (PMK) wird nach wie vor stark dominiert von
rechtsgerichteten Taten, auch wenn die Gesamtzahl in 2020 von 122 auf 111 Fälle
zurückging. Hier dominierten 69 sogenannte Propagandadelikte durch die
„Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“.
Von vier auf zwölf Fällen stieg linksgerichtete PMK mit unterschiedlichen Straftaten.
Eine Zunahme von 36 auf 49 Fälle verzeichnet das PP Trier im Bereich der „sonstigen
PMK“. Diese dürfte der 2020 neu hinzugekommen Corona-Leugner-/QuerdenkerBewegung zuzuordnen sein, deren Anhänger insbesondere durch Verstöße gegen das
Versammlungsgesetz aber auch durch Propaganda-Delikte mit entsprechenden Posts
in sozialen Netzwerken in Erscheinung getreten sind.
Besonders belastend für lebensältere (potenzielle) Opfer ist der sogenannte CallCenter-Betrug (CCB). Unter dem Phänomen „Falsche Polizeibeamte“, „Enkeltrick“,
und „Gewinnversprechen“ versuchen überwiegend aus dem Ausland agierende Täter
vermehrt, an das Geld gutgläubiger Menschen zu gelangen. Ein entscheidender
Bekämpfungsansatz liegt hier in der Prävention durch Aufklärung. Neben der Nutzung
aller klassischen und sozialen Medien entwickelte das PP Trier zwei gezielte
Kampagnen, um potenzielle Opfer, deren Familien sowie ihr soziales Umfeld zu
erreichen.
Die polizeiliche Puppenbühne schaffte unter dem Titel „Liebe Oma, lieber Opa – lasst
euch nicht reinlegen“ ein zwischenzeitlich landesweit gespieltes Theaterstück, um
Familienangehörige in Kindergärten und Grundschulen als Multiplikatoren zu
gewinnen.

Mit der besonderen Unterstützung des Trierer Originals, Theaterkünstlers und
Mundartsängers Helmut Leiendecker drehte die Pressestelle drei Präventionsvideos
mit dem Slogan „Lasst euch nit betuppen“ zu den o. g. Betrugsphänomenen und spielte
diese erfolgreich in den polizeilichen Social-Media-Kanälen aus.
„Insgesamt“, so stellt Polizeipräsident Berg fest, „sind diese Zahlen ein positiver
Ausdruck für das Verhältnis Bürger und Polizei. Nur wenn gegenseitiges Vertrauen
und gegenseitige Wertschätzung vorhanden sind, kann der gemeinsame Kampf gegen
die Kriminalität erfolgreich sein!“