9 Euro-Ticket für ÖPNV: Scheitert die Umsetzung an Personal und Kosten?

Ab Juni soll ein 9 Euro-Ticket gültig sein - damit können Fahrgäste bundesweit den Nahverkehr nutzen. Das Angebot soll bis August gelten und ist Teil des Entlastungspakets der Bundesregierung. Aber die Einführung des Tickets wankt:
Foto: Deutsche Bahn AG/ Oliver Lang
Foto: Deutsche Bahn AG/ Oliver Lang

Um Bürgerinnen und Bürger angesichts der enorm gestiegenen Energiepreise zu entlasten, plant die Bundesregierung ein 9 Euro-Ticket einzuführen. Das Angebot soll ab 01. Juni verfügbar sein und bis August 2022 gelten. Innerhalb dieser drei Monate bekommen Fahrgäste die Tickets günstiger. Es kostet 9 Euro – und kann deutschlandweit im Nahverkehr genutzt werden. Mehr dazu: „9-Euro-Ticket soll zum 1. Juni kommen – So funktioniert es“.

Kritik am geplanten Ticket: Nicht genug Personal

Mitarbeitende der Deutschen Bahn befürchten eine Überlastung von bestimmten Zugstrecken, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Sie fordern für die Dauer des Angebots mehr Personal. „Wir begrüßen das 9-Euro-Ticket, befürchten aber eine Überlastung vor allem in den Ferienregionen“, sagte Ralf Damde, Vizevorsitzender des Gesamtbetriebsrats DB Regio. gegenüber RND.

Über Ostern beispielsweise nutzten 1,8 Millionen Reisende die Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn (DB). Das waren etwa 20 Prozent mehr als zu Ostern 2019. Wenn das 9 Euro-Ticket verfügbar wird, ist zu erwarten, dass die zusätzlich Reisenden größtenteils mit dem bestehenden Angebot an Zügen (Straßenbanen, S-Bahnen, U-Bahnen sowie Regionalzüge) und Bussen reisen werde. Damde sagte dem RND weiter: „Es werden allein bei DB Regio 40 bis 50 zusätzliche Doppelstockwagen betriebsbereit gemacht. Viel mehr Reserven gibt es aber nicht.

Auch sei für den geplante Zeitraum des 9 Euro-Tickets mehr Sicherheitspersonal nötig, „um überfüllte Züge und Bahnsteige bei Bedarf räumen zu können.“, so der Vizevorsitzende.

Unklarheiten bei Kosten

Von Juni bis August 2022 soll das 9 Euro-Ticket in Bussen, Straßenbanen, S-Bahnen, U-Bahnen sowie Regionalzügen gelten. Nach Informationen des RND soll eine Summe von 2,5 Milliarden Euro für die Länder vom Finanz- und Verkehrsministerium gedeckelt sein. Allerdings rege sich Widerstand deswegen.

Das Redaktionsnetzwerk zitiert Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU): „Hier wird ganz klar versucht, die Kosten bei Ländern, Kommunen und Verkehrsunternehmen abzuladen. Wenn, wie erwartet, viele Menschen das Ticket nutzen wollen und dafür zusätzliche Züge und Busse bereitgestellt werden müssen, will der Bund das Geld dafür nicht aufbringen“, befürchtet er. „Auch von den eigentlich im Koalitionsvertrag der Ampel vorgesehenen Mitteln für den Ausbau des ÖPNV und zur Unterstützung der Verkehrsunternehmen ist nun plötzlich keine Rede mehr.“

Auch Martin Burkert, stellvertretender Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), äußerte sich gegenüber dem RND kritisch. Der Bund dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Ein Fixbeitrag von 2,5 Milliarden Euro werde abgelehnt, die Länder müssten transparent abrechnen und der Bund die Gesamtkosten übernehmen.

 

Pressemitteilung Deutsche Bahn (19.04.2022), Artikel von Focus Online (25.04.2022), Artikel von RND (24.04.2022)