Amokfahrt-Prozess: Aussagen der Mordkommission und Freundin des Angeklagten

Am Dienstag, 02. November, ging es weiter im Prozess um die Amokfahrt in der Trierer Fußgängerzone. An diesem Tag starben fünf Menschen und zahlreiche andere wurden teils schwer verletzt. Nun machte der Leiter der eingerichteten Mordkommission seine Aussage sowie eine Bekannte des Angeklagten.
Am 19. August 2021 begann der Prozess am Trierer Landgericht. Foto: newstr
Am 19. August 2021 begann der Prozess am Trierer Landgericht. Foto: newstr

Bisherige Aussagen

Im laufenden Prozess machten bisher einige Polizisten ihre Aussagen. Vor Gericht sagten bereits die Beamten aus, die bei der Festnahme und bei dem ersten Verhör anwesend waren. Zuletzt machten die Beamte, deren Auftrag es war, mehr über den Angeklagten als Person und sein Leben herauszufinden, ihre Aussagen.

Amokfahrt sei geplant gewesen

Der Leiter der Mordkommission, Christian Soulier, sagte am Dienstag, 02. November, als Zeuge aus. Er ist überzeugt davon, dass der mutmaßliche Amokfahrer seine Tat im Voraus geplant habe. Die Hinweise seien deutlich. Demnach habe der Angeklagte im Vorfeld überraschend seinem Arbeitsgeber als Elektriker gekündigt, eine Bekannte beauftragt, sein Auto zu verkaufen sowie Schulden beglichen.

Christian Soulier ist der Leiter des Kommissariats für Kapitaldelikte bei der Trierer Kriminalpolizei. Nach der tödlichen Amokfahrt am 01. Dezember 2020 war er auch der Chef der 50-köpfigen Sonderkommission „Fußgängerzone“, die eingerichtet wurde. Soulier selbst hatte den Angeklagten am 08. Dezember 2020 vernommen, damals habe die Vernehmung mehr als drei Stunden gewesen. Das Verhör sei schwierig gewesen, weil die Aussagen des Angeklagten sehr sprunghaft waren. Ähnlich sagten auch Polizisten zuvor im Prozess aus.  Zudem habe er dem Angeklagten Fotos der Opfer gezeigt sowie Bilder aus den Überwachungskameras, dabei habe der Angeklagte kein Bedauern gezeigt.

Aussage einer engen Freundin des Angeklagten

Am Dienstag, 02. November, erschien ebenfalls eine enge Freundin des Angeklagten vor Gericht, um ihre Aussage zu machen. Bei der Frau handelt es sich um eine 63-jährige Rentnerin, die den Angeklagten seit etwa fünf Jahren kenne. Der Kontakt habe sich durch eine Nachbarin entwickelt und sie habe sich für ihn verantwortlich gefühlt, so die 63-Jährige. Über den Angeklagten sagte sie, dass er nie ausfallen war, sondern ein „lieber, höflicher und zuvorkommender Junge“.

Verhalten des Angeklagten änderte sich

Seit März 2020 sei das Leben des Angeklagten bergab gegangen, erzählte die Freundin. Seine Wohnung habe er nicht mehr verlassen wollen, ebenso wenig wollte er noch arbeiten gehen. Die meiste Zeit habe er dann bei ihr gelebt. Ihren Rat, sich psychiatrische Hilfe zu suchen, habe er abgelehnt.

Polizei vorgewarnt?

Die Zeugin sagte vor Gericht aus, dass sie etwa drei Wochen vor der Amokfahrt einen Anruf bei der Polizei getätigt hätte, dass sie jemanden kenne, der „durchdrehen will“. Damit sei sie von der Polizei abgewiesen worden mit der Bitte, sich zu melden, wenn es „konkreter“ werde.

Am Sonntag vor der Tat, 29. November 2020, wären die Aussagen des Angeklagten konkreter gewesen. Er habe sich von ihr verabschiedet, so die Freundin vor Gericht. Entweder werde er von der Polizei erschossen oder er müsse ins Gefängnis, so seine Aussage damals. Am 01. Dezember 2020 seien sie noch gemeinsam in die Stadt gegangen, sie habe ihm Auto auf ihn gewartet, während er beim Notar war. Als er zurückkehrte, habe er ihr erklärt: „Jetzt knallt’s“.

Mittags habe sie dann Einkäufe erledigt, bei ihrer Rückkehr hätten auf dem Tisch die Wohnungsschlüssel und einige Euro gelegen. Sie habe angenommen, er würde nun gegen einen Baum fahren und versucht, den Angeklagten mehrfach über sein Handy zu erreichen. Einen Tag nach der Amokfahrt am 01. Dezember sei die Freundin nach eigener Aussage in einer Psychiatrie gewesen. Dort habe man sie einen Monat lang behandelt.