Ausstellung „KÖRPERWELTEN“ in Trier beginnt

Die umstrittene Ausstellung Körperwelten polarisiert. Vor der Porta Nigra gab es bereits einen kleinen Vorgeschmack. Zwischen dem 25. März und 17. Juli kommt die Ausstellung „Körperwelten – eine Herzenssache“ erstmals nach Trier in den Messepark.
Vor der Porta gab es bereits einen kleinen Vorgeschmack auf die Ausstellung. Foto: Facebook/ Körperwelten Trier (Messepark Trier)

Die Körperwelten-Ausstellung lebt von der Provokation. Deshalb stand am Mittwoch – zwei Tage vor Beginn der Ausstellung – ein Präparat vor der Porta Nigra. Für einige Stunden am Vormittag schaute ein echtes Präparat eines verstorbenen Menschen mit einem Fernrohr in die Ferne.

Auf einer unvergesslichen Reise unter die Haut zeigen einzigartige anatomische Präparate die beeindruckende Komplexität des menschlichen Körpers. Im Fokus dieser Ausstellung steht das Herz, der Motor unseres Lebens. Am Freitag, 25.03.2022, beginnt die Ausstellung KÖRPERWELTEN im Trierer Messepark. Wegen des Impfzentrums wurde eigens dafür eine mobile Multifunktionshalle aufgebaut (wir berichteten).

KÖRPERWELTEN – Eine Herzenssache

Die Ausstellung KÖRPERWELTEN nimmt Besucherinnen und Besucher mit auf eine unvergessliche Reise in den menschlichen Körper. Ab 25. März 2022 präsentieren Plastinator Dr. Gunther von Hagens und Kuratorin Dr. Angelina Whalley erstmals ihre aktuelle Ausstellung im Trierer Messepark. Rund 200 Exponate werden in der Ausstellung präsentiert, darunter 20 Ganzkörperplastinate sowie Teilpräparate, transparente Körperscheiben und einzelne Organe.

Tickets sind erhältlich unter www.koerperwelten.de, www.reservix.de und www.ticket-regional.de.

Herz im Fokus

Im Zentrum der im März beginnenden Ausstellung steht das Herz, der Motor des menschlichen Körpers. Die Ausstellung erläutert leicht verständlich, wie bereits kleine Änderungen im Alltag große Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem und den Gesamtzustand unseres Körpers haben, heißt es im Vorfeld. Die moderne Lebensführung setzt besonders das Herz großem Druck aus, sei es durch ungesunde Ernährung oder Bewegungsmangel.

Technik der Plastination

Dr. Gunther von Hagens ist Mediziner, Wissenschaftler, Erfinder und ein Vorwärtsdenker, der die Anatomie des menschlichen Körpers in beispielloser Weise einem breiten Publikum zugänglich gemacht hat.
Durch die Technik der Plastination kann das Innere des Körpers detaillierter denn je dargestellt werden. Die Präparate sind trocken, geruchsfrei und für unbegrenzte Zeit haltbar.

1 Fixierung und anatomische Präparation

Im ersten Schritt wird der Körper fixiert, das bedeutet der Verwesungsprozess im Körper wird getoppt, indem eine Formalin-Lösung in das Arteriensystem des Körpers gepumpt wird. Bis alle Bakterien abgetötet sind, dauert es etwa drei bis vier Stunden – danach kann die anatomische Präparation beginnen.

Sämtliche Organe, Muskeln und Sehnen sowie Nerven und Gefäße sind von einer dünnen Schicht von faserigem Bindegewebe umgeben, das mit Pinzette, Skalpell und Schere vorsichtig entfernt wird. Diese Arbeit erfordert eben anatomischen Kenntnissen und manuellem Geschick auch sehr viel Geduld. Nach eigenen Angaben dauert die Präparation je nach Komplexität zwischen 500 und 1.000 Arbeitsstunden.

2 Entwässerung und Entfettung

Nach der Präparation folgt der eigentliche Plastinationsprozess. Zunächst wird das Körperwasser, aus dem der menschliche Körper zu 70% besteht, durch ein Lösungsmittel ersetzt. Dafür wird beispielsweise Azeton verwendet. Das Präparat wird in ein eiskaltes Azetonbad gelegt, welches das Körperwasser nach und nach verdrängt. Im nächsten Schritt wird das Azetonbad auf Raumtemperatur erwärmt, um auch die löslichen Fette aus dem Gewebe zu entfernen. Insgesamt dauert der Prozess der Entwässerung und Entfettung circa drei bis vier Monate.

3 Forcierte Imprägnierung

Anschließend folgt der zentrale Schritt der Plastination. In einer Vakuumkammer, die mit flüssigem Kunststoff gefüllt ist, zum Beispiel Silikonkautschuk, wird das Azeton im Präparat ausgetauscht. Durch das Vakuum beginnt das Azeton zu sieden, das dabei aus dem Gewebe ausgasende Azeton wird abgesaugt und der im Präparat entstehende Unterdruck sorgt für das Eindringen der Kunststofflösung bis in die letzte Zelle. Dieser Vorgang dauert etwa zwei bis fünf Wochen.

4 Positionierung

Nun ist das Präparat noch flexibel und gestaltbar. Der Körper wird in die gewünschte Pose gebracht, jede anatomische Struktur korrekt positioniert und mithilfe von Drähten, Nadeln und Klammern fixiert. Das Positionieren erfordert große anatomische Sachkenntnis, gestalterisches Geschick und einen Sinn für Ästhetik. Der gesamte Vorgang kann einige Wochen, aber auch mehrere Monate dauern.

5 Gashärtung

Im finalen Schritt wird das Präparat mithilfe eines speziellen Gases gehärtet. Dafür wird eine luftdichte Kammer um das Präparat herum errichtet. Für andere Kunststoffe, wie Polyester und Epoxidharze, wird Licht oder Wärme verwendet. Damit ist das Präparat dauerhaft vor Verwesung geschützt und der Plastinationsprozess abgeschlossen.