Bauern brauchen dauerhafte Preissteigerungen – mindestens 30 Prozent Aufpreis

Dass Bauern für ihre Erzeugnisse zu gering entlohnt werden, ist keine Neuheit. Aber auch sie leiden spürbar unter den Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine - damit vergrößert sich ihre verwzickte Lage zusätzlich:
Nur reine Ackerbauern profitieren von den aktuell hohen Getreidepreise. Symbolbild: Unsplash/ Robert Wiedemann
Nur reine Ackerbauern profitieren von den aktuell hohen Getreidepreise. Symbolbild: Unsplash/ Robert Wiedemann

Eine Preiserhöhungen für landwirtschaftliche Produkte sei lange überfällig und unverzichtbar, erklärt der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Hubertus Beringmeier. Dabei gehe es nicht um punktuelle Steigerungen, sondern dauerhafte Preissteigerungen.

Aufpreis von mindestens 30 Prozent

Landwirtschaftliche Produkte müssen dauerhaft teurer werden, „wenn wir in Deutschland Landwirtschaft behalten wollen. Unsere Bauern müssen von ihrer Arbeit leben können“, so der Präsident gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Die gemeinten Preiserhöhungen sollen keine „keine schwindelerregenden Höhen“ erreichen, sondern wenigstens 30 Prozent – mindestens, stellt Beringmeier klar. Als Produzenten „bekommen wir heute einfach zu wenig ab vom Kuchen“.

Deutschland spart an falscher Stelle

Auch die Bauern spüren die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine deutlich, erklärt Beringmeier weiter. „Einerseits profitieren reine Ackerbauern von den aktuell hohen Getreidepreisen. Andererseits erleben wir extrem gestiegene Preise für Futtermittel, Dünger und Energie, und das macht gerade den Tierhaltern zu schaffen. Dünger kostet zum Beispiel das Dreifache im Vergleich zum Vorjahr“, erklärte des Verbandschef.

Beim Einkauf lässt sich bereits ein geändertes Kundenverhalten feststellen. Verbraucher:innen reagierten sehr sensibel auf höhere Fleischpreise, achteten weniger auf die Haltungsstufen und neigten zum Sparen. Fleisch bleibe daher zum Teil im Laden liegen. Beringmeier kritisierte diese Entwicklung: „Es wird in Deutschland leider mehr beim Essen gespart als beim Urlaub und beim Auto.“

 

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (13.06.2022)