Besch bleibt! – Der Wald bei Zewen und Igel bleibt besetzt

Seit 13. Mai 2021 haben Aktivist:innen Bäume im Wald zwischen Zewen und Igel besetzt. Ihr Ziel: Den Wald vor der Rodung schützen und den Bau des „Moselaufstieg“ in Trier verhindern. Mittlerweile sind fas fünf Monate vergangen. Zeit genug, um dem Camp einen Besuch abzustatten.

Besch bleibt!

Über Nacht hatten sie im Mai Kletterplattformen in den Bäumen errichtet und ihr Camp aufgeschlagen. Damals war nicht abzusehen, wie lange die Besetzung anhalten würde. Im Idealfall, so die Aktivisten, bis das Projekt gestoppt wird oder sie von der Polizei von den Bäumen gepflückt werden.

Hintergrund der Besetzung

Der Hintergrund für das Protestcamp im „Besch“ ist der geplante Bau einer Autobahnzufahrt, der sogenannte „Moselaufstieg“ (Westumfahrung Trier). Dieser Bau beinhaltet eine vierspurige Bundesstraße zwischen Konzerbrück über eine Brücke durch das Waldgebet zwischen Trier-Zewen und Igel bis zur A 64 in Höhe Herrestal. Das Vorhaben besteht bereits seit den 1980er-Jahren und soll den Verkehr in Trier entlasten. Jedoch wurde das Projekt nie umgesetzt, weil es seit jeher in der Kommunalpolitik und bei vielen Bürgerinnen und Bürgern umstritten war.

Im Jahr 2015 wurde das Projekt, mit Rekordkosten von 60 Millionen Euro, in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen. Damit wurde beschlossen, dass die Bundesregierung den Bau fördern und bis 2030 vorantreiben wird.

Intention der Aktivisten – „Klimagerechtigkeit ist und bleibt Handarbeit!“

Mit ihrer Besetzung wollen sie nicht nur das Projekt des Moselaufstiegs kippen, sondern schlussendlich den ganzen Bundesverkehrswegeplan 2030.  „Wir schauen nicht mehr zu wie die Ökosysteme in unserer Umgebung zerstört werden! Wir sind die Generation Waldbesetzung. Und wir sind wütend!“ Der Wald steht für sie symbolisch für alle drohenden Naturzerstörungen, die im Bundesverkehrswegeplan 2030 verankert ist. Das Ziel sei es also nicht nur diesen Wald zu schützen, sondern den gesamten Plan zu verhindern, der mehr als 850 km neue Autobahnen-Ausbau bis 2030 vorsieht.

Eine Umgehungsstraße, die den Verkehr innerhalb Triers reduzieren soll, sei der falsche Ansatz. Das geplante Projekt entstamme dem Automobilwahn der 60er- und 70er-Jahre und ist schon lange nicht mehr zeitgemäß. Um den Autoverkehr in Trier zu entlasten, müsse der ÖPNV und Radwege gefördert werden. Dies sei die schnellste und einfachste Lösung. „Was wir brauchen sind lebenswerte Städte ohne Autos, einen gut ausgebauten und kostenfreien ÖPNV, der auch ländliche Regionen miteinbezieht, sowie Naherholungsgebiete wie etwa den Zewener Wald“, heißt es in einer Pressemitteilung von der Waldbesetzung.18

Aktuelle Lage vor Ort

Newstr.de war vor Ort, um sich die gegenwärtige Besetzung anzusehen, mit den Aktivist:innen vor Ort zu sprechen und von ihren Erfahrungen der letzten fünf Monate zu hören.

Mittlerweile hat sich ein fester Kern entwickelt, der die meiste Zeit vor Ort ist, aber immer wieder kommen Menschen dazu und bleiben für einige Stunden, Tage, Wochen oder sogar Monate. Nicht immer sind diese aus der näheren Umgebung, einige reisen aus großer Entfernung an, um vor Ort gegen die Zerstörung des Waldes zu protestieren. Mittlerweile hat sich eine Art „Rotationssystem“ im festen Kern entwickelt, damit niemand zu lange im Wald ausharren muss. Im Wald selbst gibt es aber immer was zu tun: das Leben im Wald wird mit der Erfahrung besser und „komfortabler“. Beispielsweise hat der Starkregen im Juli dazu angeregt, den „Moselabstieg“ im Erdboden zu ziehen, um das Camp vor Überflutung zu schützen.

Camp Übersicht

 

Leben im Wald

Aus den anfänglichen einzelnen Plattformen in den Bäumen ist ein richtiges Camp geworden – inklusive „Küche“ und organischer Toilette. Mit Seilen klettern die Aktivisten hoch in die Bäume, wo sie ihre Lager errichtet haben, um so wenig Fläche wie nötig im Wald zu beschlagnahmen. Das System ist ausgeklügelt: mit Trassen gleiten sie von einer Plattform zu der nächsten oder klettern an Seilen von Baum zu Baum.

Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit

Im Camp wird sich auf die kalten Temperaturen vorbereitet. Der sogenannte „Tower“ wird winterfest gemacht, indem Kork und Matratzen an den Seiten verbaut werden. Damit soll der Innenraum wohlig warm bleiben. Außerdem soll es dieses Jahr in Waldnähe noch ein „Herbstfest“ in Form einer Kundgebung mit Musik und Programm geben. Voraussichtlich soll das Herbstfest am 13. November stattfinden und alle Interessierten sind eingeladen.

Tower für den Winter

 

Solidarität in der Bevölkerung

Auf eigene Angaben erhalten die Aktivist:innen viel Zuspruch – sei es von Spazierenden, die am Wanderweg auf das Camp aufmerksam werden und interessiert nachfragen oder durch Unterstützung in Form von Lebensmitteln, Wasser oder einer Dusche im Eigenheim. Insbesondere Politikerinnen und Politiker von den Grünen zeigten sich solidarisch und besuchten die Aktivisti:innen im „Besch“.

 

 

 

 

 

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