Interview mit Landratskandidatin Julia Köster Eifelkreis Bitburg-Prüm

Am 26. September wird nicht nur der Bundestag gewählt, sondern auch die nächste Landrätin oder der Landrat für den Landkreis Bitburg-Prüm.

Alle Kandidierenden haben Fragen der Redaktion beantwortet, die womöglich bei der Wahlentscheidung ausschlaggebend sein können. Heute geht die zweite Fragerunde online – dieses Mal mit Julia Köster.

Stellen Sie sich kurz vor!

Mein Name ist Julia Köster und ich bin Leiterin des Finanzamts Bitburg-Prüm. Ich habe in Trier Jura studiert und damit die Befähigung zum Richteramt erworben. Im Anschluss an das Studium habe ich an der Uni Mainz meine Promotion geschrieben und drei Jahre als Rechtsanwältin gearbeitet, bevor ich im Jahr 2001 in die Finanzverwaltung eingestiegen bin. Dort habe ich verschiedene Leitungsaufgaben in der Großregion wahrgenommen. In den letzten Jahren war ich stellvertretende Amtsleiterin im Finanzamt Wittlich mit den Standorten Daun, Wittlich und Bernkastel-Kues sowie im Finanzamt Trier.

Ich bin in Neuss am Rhein geboren, lebe und arbeite inzwischen seit 30 Jahren in Trier und der Großregion. Gemeinsam mit meinem Mann habe ich hier zwei Kinder großgezogen. Wir fühlen uns hier wohl und wollen auch hier bleiben. Privat engagiere ich mich ehrenamtlich im Bildungs- und Kulturbereich, singe im Chor, spiele Klarinette, laufe und wandere gerne.

Wo fühlen Sie sich in Ihrem Landkreis am wohlsten?

Ich arbeite an beiden Standorten des Finanzamts Bitburg-Prüm und bin gerne an beiden Orten. Am Wochenende fühle ich mich in der abwechslungsreichen Natur im Eifelkreis am wohlsten. Ich wandere gerne entlang der Flußläufe, in den Felsenlandschaften um Ernzen oder in der Schneifel am Schwarzen Mann.

Für welche Werte steht Ihre Politik? Was zeichnet sie aus?

Ich stehe für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Als parteilose Kandidatin möchte ich eine Landrätin für alle sein. Gemeinsam mit den Parteien im Kreistag und den 234 Ortsgemeinden möchte ich das Kreisentwicklungskonzept des Eifelkreises umsetzen und weiterentwickeln. Mir ist wichtig, alle Menschen mitzunehmen: die Alten und Jungen, die Menschen aus der Stadt und vom Land, die Berufstätigen und Ehrenamtlichen.

Wie beurteilen Sie die letzten Jahre bezüglich der Landes- und Kommunalpolitik? Was möchten Sie anders machen, was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Ich möchte die erfolgreiche Politik des langjährigen Landrats Joachim Streit fortsetzen. Wirtschaftsförderung, Bildung, ärztliche Versorgung und Klimaschutz sind meine zentralen Anliegen. Als Mutter von zwei heranwachsenden Kindern habe ich vielleicht noch einen anderen Blick auf die Belange von Frauen und Familien.

Wie beurteilen Sie die Handlungen während und nach der Flutkatastrophe? Was hätten Sie anders gemacht und was wollen Sie anders machen?

Mit dem Katastrophenschutzzentrum in Bitburg war der Kreis in der Flutkatastrophe vom Juli 2021 sehr gut aufgestellt. Wenn ich gewählt werde, werde ich mich mit allen Verantwortlichen der Rettungsdienste und der Verwaltung an einen Tisch setzen und die Geschehnisse der Flutkatastrophe aufarbeiten. Es gilt, die Erfahrungen zu nutzen, um sich künftig noch besser aufzustellen. Moderne, batteriebetriebene Sirenensysteme, möglichst mit der Funktion für Sprachnachrichten, Kommunikationsketten und die Ausstattung der Feuerwehren sind hier zentrale Anliegen.

Seit dem 1. September 2021 gibt es neue Fahrpläne und Buslinien im ÖPNV – Sehen Sie weiterhin Verbesserungsbedarf?

Im Eifelkreis sind neue Linien seit Ende letzten Jahres schrittweise in der Einführung. Ich beobachte allerdings viele leer fahrende Busse. Hier sollte der VRT unter Mitwirkung der Landräte eine Evaluation durchführen bzgl. Linienführung und Taktung. Ganz entscheidend wird auch die Preisgestaltung eine Rolle spielen müssen, wenn die Attraktivität des ÖPNV gesteigert werden soll. Ich werde mich für ein 365 € Jahresticket in Rheinland-Pfalz einsetzen.

Wohnungen werden immer teurer – wie stehen Sie zu einem bezahlbaren Wohnraum?

Der Eifelkreis ist ein Zuzugsgebiet. Wir brauchen für junge Familien Wohnraum. Wir brauchen aber auch barrierefreien Wohnraum für ältere Menschen in ihren Wohnorten, damit sie im Alter nicht aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen werden. Die Konversion der Housing im Rahmen der hoffentlich nach Bitburg kommenden Landesgartenschau wäre hier ein Meilenstein in der Entwicklung. Gleichzeitig muss aber auch dezentral in den Ortsgemeinden Wohnraum geschaffen werden. Den Bedarf für beides sehe ich deutlich.

Was sind die Pläne im Landkreis für flächendeckendes schnelles Internet? Was wurde in den letzten Jahren bereits umgesetzt?

Der Breitbandausbau im Eifelkreis war nötig und ist gut bei den Menschen angekommen. Zukunftsweisend werde ich den Glasfaseranschluss für jedes Haus vorantreiben.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation der Schulen und Bildungseinrichtungen im Landkreis?

Für 9 der 12 weiterführenden Schulen im Landkreis stehen aktuell Sanierungen an bzw. laufen bereits. Diese werde ich weiter fördern. Bildung ist die wichtigste Ressource, die wir selbst in Qualität und Quantität bestimmen können. Sie ist unsere Zukunftsgrundlage und hier muss weiter in unsere Kinder investiert werden. Das gilt auch für die Digitalisierung und die Qualität der Nutzung von digitalen Bildungsangeboten.

Wie wollen sie dem Leerstand in den ländlichen Regionen entgegentreten?

Im Eifelkreis gibt es nur noch wenig Leerstand. Der Bedarf an Wohnraum ist zu groß.

Klimaschutz und Umwelt! Was tun Sie ganz konkret persönlich im Alltag dafür? Welche drei relativ schnell umsetzbaren Ideen hätten Sie für den Landkreis?

Ich persönlich nutze das Fahrrad so weit es geht. Im Eifelkreis laufen bereits sehr viele Projekte für die Nutzung erneuerbarer Energien. Entscheidend wird es sein, eine Speichertechnik für die Energie zu finden, die sich mit regionaler Wertschöpfung für alle umsetzen lässt. Hier möchte ich die Chancen Wasserstoffherstellung unter Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energiequellen im Eifelkreis ermitteln lassen.

Die Landwirtschaft ist sauer! Wie könnten Sie die Lebensmittelerzeuger unterstützen?

Die Landwirte haben im Rahmen der Flutkatastrophe viel Sympathie in der Bevölkerung gewonnen. Sie haben ungefragt einfach Hilfe geleistet. Die Landwirtschaft ist für den Eifelkreis prägend – sowohl für die Nahrungsmittelsicherung wie auch für die Landschaftspflege. Ihre Arbeit verdient Wertschätzung.

Was sehen Sie als größte Herausforderung für den Landkreis Bitburg-Prüm?

Die Infrastruktur in einem Flächenkreis zukunftstauglich zu machen bleibt die größte Herausforderung. Sie ist die Grundlage für eine weiterhin prosperierende Wirtschaft, allen voran den mittelständischen Betrieben. Zur Infrastruktur gehört auch die flächendeckende Gesundheitsversorgung. Diesen Herausforderungen werde ich meine volle Aufmerksamkeit widmen.

Wenn Sie Landrätin werden… Was tun Sie als Allererstes?

Zu allererst werde ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre vielfältigen Tätigkeitsfelder kennen lernen wollen. Nur in einer vertrauensvollen Zusammenarbeit können alle Themen des Eifelkreises erfolgreich angegangen werden.

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