Flutkatastrophe im Landkreis Trier-Saarburg: „Eine solche Lage hat es im Landkreis noch nie gegeben“

Es sind schon knapp sieben Wochen vergangen. Sieben Wochen nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfahlen, die in die Geschichte

Pressekonferenz: v.l.n.r. stellv. BKI Christian Neuschwander, Landrat Günther Schartz, VG Bürgermeister Michael Holstein, BKI Christoph Winkler

Es sind schon knapp sieben Wochen vergangen. Sieben Wochen nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfahlen, die in die Geschichte eingehen wird. Besonders schwer wurde das Ahrtal getroffen. Aber auch in unserer Region gab es schlimme Bilder der Verwüstung und Zerstörung. Das Wasser kam – und konnte nicht aufgehalten werden.

Auch im Landkreis Trier-Saarburg kam die Flut mit voller Macht und hat besonders die Verbandsgemeinde Trier-Land getroffen. Kordel an der Kyll und die Dörfer von Ralingen bis Echternacherbrück an der Sauer wurden von einer Flutwelle, wie sie noch nie da gewesen ist, überrollt.

In der vergangenen Woche fand in der Kreisverwaltung Trier-Saarburg eine erste große Nachbesprechung mit den Pressevertretern statt. Mit dabei waren der Landrat des Landkreises Trier-Saarburg Günther Schartz, der Verbandsgemeindebürgermeister Trier- Land Michael Holstein, der Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) Christoph Winkler und sein Stellvertreter Christian Neuschwander.

Chronologie der Flutkatastrophe an Kyll und Sauer 14./15. Juli 2021

14. Juli 2021

  • 13.52 Uhr: Aufgrund des Starkregens kommt es im Landkreis zu ersten Unwettereinsätzen in Trier-Land, Ruwer und Schweich
  • 15.52 Uhr: Die Führungsunterstützung des Landkreises wird alarmiert, Aufbau der Koordinierungsstelle in Konz (Grund: steigende Pegel, mehrere Unwettereinsätze und Verschärfte Warnung des DWD)
  • 18.51 Uhr: Der Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) Christoph Winkler ruft Alarmstufe 4 aus
  • 19.20 Uhr: Der Krisenstab kommt zur ersten Besprechung zusammen. Im Kreis laufen 24 Unwettereinsätze, die Pegel steigen stark an, Landkreise Bitburg- Prüm und Bernkastel-Wittlich fragen nach Unterstützung
  • 23.13 Uhr: Es wird entschieden, dass das Seniorenheim in Kordel evakuiert werden soll und weiterhin 110 Haushalte in Kordel
  • 23.15 Uhr: Alarmstufe 5.2 wird ausgerufen: Landrat übernimmt jetzt Verantwortung, BKI wird technischer Einsatzleiter im Stab in Konz. Es steht fest, dass die Hochwasserwand in Kordel nicht halten wird, Alarm für AEP Evakuierung und Alarmstufe 5 Betreuung. Schwerpunkte werden gesetzt: 1. Räumung von Kordel 2. Sandsäcke füllen 3. Alarmierung von Einsatzkräften

15. Juli 2021

  • 00.17 Uhr: Kordel ist nicht mehr erreichbar, Zufahrtswege überschwemmt bzw. von Erdrutschen blockiert
  • 00.39 Uhr: Seniorenheim in Kordel ist nur noch mit Booten zu erreichen
  • 01.31 Uhr: Die Trinkwasserversorgung in der VG Trier-Land fällt komplett aus (22.000 Menschen betroffen)
  • 02.27 Uhr: In Trier-Ehrang spitzt sich die Lage zu. Evakuierung des Stadtteils und Räumung des Krankenhauses wird vorbereitet. Stadt und Landkreis unterstützen sich gegenseitig
  • 07.28 Uhr: Flutwelle erreicht Ralingen, große Überschwemmungen und Öl auf dem Wasser
  • 11.18 Uhr: Dammbruch in Trier-Ehrang
  • 13.38 Uhr: Im überfluteten Wasserwerk Kordel kann ein Aggregat platziert werden, Trinkwasserversorgung wieder hergestellt
  • 20.35 Uhr: Einsatzkräfte werden ausgetauscht, Kräfte aus ganz Deutschland sind zur Unterstützung eingetroffen

16. Juli 2021

  • 10.00 Uhr: Unzählige Helfer kommen in die Krisenorte, Koordinierung läuft an
  • 11.40 Uhr: Pegel an den Flüssen fallen stetig
  • 12.00 Uhr: Stromversorgung zu 99,3 % wieder hergestellt
  • 14.00 Uhr: Baufachberater beginnen mit der Prüfung aller Gebäude ,die im Hochwasser standen

17. Juli 2021

  • 10.00 Uhr: 40 Einsatzkräfte aus Trier-Saarburg fahren in einer ersten Kolonne in den Landkreis Ahrweiler
  • 11.00 Uhr: Die ersten Müllberge an Kyll und Sauer werden abtransportiert

18. Juli 2021

  • 21.24 Uhr: Die technische Einsatzleitung beendet ihren Dienst, Einsätze laufen allerdings in den Orten noch Tage weiter

 

Fakten der Flutkatastrophe an Kyll und Sauer

  • 4.048 Einsatzkräfte waren im Landkreis Trier-Saarburg in Einsatz
  • 330 Einsatzkräfte waren im Landkreis Bad Neuenahr-Ahrweiler im Einsatz
  • Alarmstufen 4 und 5.2 wurden vor dem eigentlichen „Plan“ frühzeitig ausgerufen
  • Die Pegel an Kyll und sauer waren extrem schnell angestiegen, so schnell wie noch nie
  • Eine Katastrophe wie im Ahrtal ist auch jederzeit im Landkreis Trier-Saarburg möglich. Besonders im Einzugsgebiet von Ruwer, Leuk, Kyll und Sauer
  • Ausfälle in der kompletten Kommunikation können für die Einsatzkräfte zu großen Problemen führen (Ausfall von Mobilfunk, Festnetz, Digitalfunk)

 

Flutkatastrophe an Kyll und Sauer: Das hat gut geklappt

  • Im Landkreis Trier-Saarburg gibt es keine Toten und keine Verletzten
  • Die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte aus RLP, Saarland und BaWü lief problemlos
  • Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und des THW lief reibungslos
  • Die Zusammenarbeit und Unterstützung aller Verbandsgemeinden, der Wehrleiter und andere Hilfsorganisationen lief problemlos
  • Die technische Einsatzleitung (TEL) und weitere Kreiseinheiten liefen professionell
  • Der Landrat bzw. ein Vertreter war von Anfang bis Ende in der Einsatzleitung
  • Der gemeinsame Bereitstellungsraum von Landkreis Trier-Saarburg und Stadt Trier verlief effektiv und unbürokratisch
  • Der Bereitschaftszug des Landkreises Trier-Saarburg sowie der Personalaustausch funktionierte gut

Flutkatastrophe an Kyll und Sauer: Das hat nicht gut geklappt

  • Die Kommunikation auf Landesebene war aufgrund der Ereignisse im Ahrtal völlig überlastet
  • Der zurückgefahrene Katastrophenschutz machte sich bemerkbar: Materialmangel wie z.B. fehlende Gelände- und Wattfahrzeuge und fehlendes Führungs- und Lagezentrum
  • Probleme bei der Verpflegung der Bevölkerung während und nach der Flutwelle
  • Probleme bei der Verpflegung von Helfern und Einsatzkräften
  • Probleme bei der Kommunikation für Schlafmöglichkeiten der Einsatzkräfte
  • Die Abstimmung mit Nachbarkommunen muss noch intensiver werden
  • Warnung erfolgte schnell und frühzeitig, muss jedoch noch weiter ausgebaut werden
  • Einsatzkräfte in allen Bereichen müssen früher abgelöst werden
  • Die Digitalisierung des Brand- und Katastrophenschutzes muss stärker werden

Flutkatastrophe an Kyll und Sauer: Das kann man besser machen

  • Die Landkreis müssen für die Aufgaben im Brand- und Katastrophenschutzes mehr gestärkt werden
  • Es muss ein modernes und effektives Ausbildungs-, Führungs- und Lagezentrum mit digitaler Fernmeldezentrale im Landkreis Trier-Saarburg gebaut werden (hierzu folgt ein Extra-Beitrag!)
  • Geländegängige Fahrzeuge, Wattfahrzeuge und Mannschaftstransportfahrzeuge müssen beschafft werden
  • Es muss eine frühzeitige und automatisierte Alarmierung des Verwaltungsstabes erfolgen
  • Es muss früher geplant werden im Bezug auf: Spenden, Hilfsangebote und Müllentsorgung
  • Die Warnungsmöglichkeiten in der Bevölkerung muss ausgebaut und erweitert werden
  • Alarm- und Einsatzpläne müssen überprüft werden
  • Strömungsretter des DLRG müssen in den Katastrophenschutz Trier-Saarburg aufgenommen werden
  • Fortbildungen und Übungen im Bereich Großschadenslagen
  • Ein digitales Lagedarstellungssystem muss eingeführt werden

Flutkatastrophe an Kyll und Sauer: Landrat, VG-Bürgermeister, BKI und stellv. BKI danken!

  • Allen Einsatzkräften, vor allem auch den unterstützenden Kräften aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und aus Baden-Württemberg
  • Den Einsatzkräften der Bundeswehr, des THW, DLRG und der Landespolizei
  • Den Arbeitgebern, die Einsatzkräfte teils mehrere Tage freigestellt haben
  • Der gesamten Bevölkerung, die mit angepackt und geholfen haben, auch bei der Unterstützung der Einsatzkräfte
  • Den vielen Menschen die Sach- oder Geldspenden gespendet haben

Flutkatastrophe an Kyll und Sauer: Das sagt Landrat Günther Schartz

  • „Die Einsatzleitung hat reibungslos ohne Beanstandung funktioniert. Die Struktur der Einsatzleitung in Konz und der Abschnittleitungen im Hochwassergebiet war problemlos“
  • „Das war die erste Einsatzlage dieser Massivität und Größe im Landkreis Trier-Saarburg“
  • „Fahrzeuge die wir für den Brand- und Katastrophenschutz brauchen, müssen unbürokratisch geschaffen werden“
  • „Sirenenalarmierung und Lautsprecherdurchsagen müssen ausgeweitet werden, die Menschen müssen neue Alarmtöne erlernen“

Flutkatastrophe an Kyll und Sauer: Das sagt VG Bürgermeister Michael Holstein

  • „Der Austausch unter mir und dem Landrat aber auch den Einsatzkräften funktionierte sehr gut“
  • „Ich war zwischenzeitlich auch im Lagezentrum in Konz und konnte mich von der professionellen Arbeit überzeugen“
  • „Die Nachbarschaftshilfe in der gesamten Verbandsgemeinde war etwas Besonderes und großartiges“
  • „Die unbürokratische Regelung zwischen uns und der ART für die Abholung des Mülls ging schnell und unproblematisch“

Flutkatastrophe an Kyll und Sauer: Das sagt Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) Christoph Winkler

  • „Ich habe in der Chronologie des Landkreises nachgeschaut. Eine solche Lage der Flutkatastrophe hat es im Landkreis Trier-Saarburg noch nie gegeben“
  • „Unser Landrat war von Anfang an bis zum Ende der schweren Lage über zwei Tage immer im Lagezentrum“
  • „Auch die Verbandsgemeindebürgermeister Trier-Land und Konz waren immer wieder im Lagezentrum zu Besprechungen mit dabei“
  • „Wir haben in der technischen Einsatzleitung über 5.000 Meldezettel geschrieben“
  • „Die Hilfe der Feuerwehr war mit dem Zurückgehen der Pegel längst nicht beendet. Wir haben auch bei der Leerräumung der Häuser und dem Beseitigen der Öltanks geholfen“

Flutkatastrophe an Kyll und Sauer: Das sagt stellv. Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) Christian Neuschwander

  • „Wir hatten großartige Hilfe in der technischen Einsatzleitung der TEL’s südliche Weinstraße, Mainz und Kusel die uns abgelöst hatten“
  • „Wir haben die Lage gut eingeschätzt und die Auslösungen der Alarmstufen bereits vor dem eigentlichen Plan durchgenommen“