Kassenärztechef kritisiert Lauterbach: Falsche Impfstrategie und Verschwendung von Millionen Euro

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wird scharf von der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kritisiert. Dem Gesundheitsminister wird eine "falsche" Impfstrategie vorgeworfen und eine unrealistische Kalkulation der Impfstoffe.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Wahlkampf Landtagswahl NRW 2022 - SPD - Roncalliplatz Köln 2022-05-13-4087, CC BY-SA 4.0
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Wahlkampf Landtagswahl NRW 2022 - SPD - Roncalliplatz Köln 2022-05-13-4087, CC BY-SA 4.0

Gesundheitsminister Lauterbach plane bis zu 60 Millionen Corona-Impfungen in Herbst und Winter. Doch die Kalkulation ist laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) nicht realistisch und Lauterbach verfolge eine „falsche“ Impfstrategie.

KBV-Chef Andreas Gassen sagte dazu im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Die KBV hat das mal kalkuliert: Bei einem zweiten Booster für alle ab 60, einem ersten Booster für alle Jüngeren und einem üppigen Kontingent für Ungeimpfte – ohne große Hoffnung, dass bisherige Impfskeptiker sich jetzt impfen lassen – kommen wir – großzügig gerechnet ­- auf rund 30 Millionen Impfungen.“ Das Ziel von 50 bis 60 Millionen Impfung sei unrealistisch, so Gassen weiter.

Millionen Impfdosen für den Müll

Sollten, wie von Medien zuvor berichtet, mehr als 200 Millionen Dosen bestellt worden sein, dann sei zu erwarten, dass Impfstoff im Wert von „möglicherweise hundert Millionen Euro oder mehr weggeworfen werden muss“, macht Gassen deutlich.

Kein zweiter Booster für unter 60-Jährige

Kritik gibt es auch für Lauterbachs Empfehlung, auch unter 60-Jährige eine zweite Auffrischimpfung zu verabreichen. „Unter anderem aus israelischen Studien wissen wir, dass ein zweiter Booster bei jüngeren Gesunden nicht sinnvoll ist“, sagte Gassen der NOZ. Lauterbach sei mit seiner Empfehlung zum zweiten Booster für alle „ziemlich exklusiv unterwegs. 30- oder 40-Jährigen pauschal eine vierte Impfung zu empfehlen, das halte ich für falsch.“, so der KBV-Chef weiter.

Auch im Herbst sehe er dafür aktuell keine Notwendigkeit, solange es nicht neue und deutlich gefährlichere Varianten gebe. „Ich werde mir jedenfalls keinen zweiten Booster geben lassen“, stellte Gassen in der NOZ klar. „Selbst bei den gesunden älteren Menschen wäre ich mit der Viertimpfung zurückhaltend, insbesondere, wenn sie gerade schon eine Omikron-Infektion überstanden haben.“ Das Immunsystem sei ein hochkomplexes Organ. „Alle paar Monate unkritisch eine Boosterimpfung, nur, weil so viel Impfstoff bestellt wurde? Etliche Immunologen warnen davor! Viel hilft nicht immer viel.“

Neue Osnabrücker Zeitung (23.07.2022)