Kein Aprilscherz: EU-Verbot für bunte Tattoos

Warum es auf der Haut auch bei uns bald weniger farbig zugehen dürfte. Wir sprechen mit Tättowierern und Betroffenen in der Region und erklären, was hinter dem Verbot steckt.
Farbige Tattoos gehören vorerst der Vergangenheit an. Foto: News-Trier

Tattoos gehören längst zur modernen Gesellschaft und zieren in vielen Größen, Formen und Farbvielfalt so ziemlich jede Körperstelle. Doch damit ist wohl vorerst Schluss, zumindest, wenn es um farbige Tattoos geht.

Die EU Chemikalien-Verordnung REACH verbietet seit dem 4. Januar 2022 den Einsatz der Farbpigmente „Blue15“ und „Green7“, auch in Tattoofarben. Da diese Pigmente aber in ziemlich jeder Tattoofarbe außer schwarz vorkommen, können Tattoos künftig nur noch in schwarz oder in Grautönen gestochen werden. Zumindest, solange es keine Alternativfarben gibt. Doch diese sind vorerst nicht in Sicht.

Auch Tattoostudio von Peter Jakobs in Wittlich betroffen 

Nach Verlusten durch die Corona-Pandemie stehen viele Tattoo-Studios erneut vor schweren Umsatzeinbrüchen. Betroffen ist auch Peter Jakobs von der Tattoo-Factory in Wittlich.

„Wenn es medizinisch notwendig ist, dann ist das Verbot der beiden Farbpigmente auch völlig in Ordnung. Kein Verständnis habe ich aber dafür, wie es umgesetzt wurde. Das Verbot kam für uns sehr überraschend und kurzfristig, sodass auch nicht mehr alle Kunden umgestellt werden konnten. Da wo es ging, habe ich farbige Arbeiten vorgezogen, um sie noch vor dem 4. Januar fertigstellen zu können. Das allerdings war nicht bei allen Kunden machbar“, beklagt sich Peter Jakobs. Auch Kundin Andrea ist stinksauer. Sie mag bunte Tattoos und kann das Verbot nicht verstehen. „Ich habe da überhaupt kein Verständnis. Ich habe viele Farb-Tattoos und bisher immer alles gut vertragen“.

Hautarzt Gerd Kautz aus Konz begrüßt die neue Verordnung 

Einer, der beruflich oft die andere Seite der Medaille zu sehen bekommt, ist Hautarzt Gerd Kautz aus Konz. In seiner Haut- und Laserklinik behandelt er regelmäßig Menschen, die nach dem Tätowieren Probleme bekommen haben. „Farben selbst können oft Komplikationen verursachen, und die Farbpigmente, die besonders oft Probleme bereiten, sind jetzt verboten worden. Es kann massive Reaktionen der Haut auf Farbpigmente geben, von allergischen Reaktionen mit Rötungen und Juckreiz, über Narbenbildung bis hin zu wuchernden Entartungen des Gewebes, was dann schlimmstenfalls operativ behandelt werden muss“.

Die Farbhersteller arbeiten bereits an Alternativen. Doch bis diese auf dem Markt sein werden, können noch Jahre vergehen. Schließlich müssen auch die neuen Mittel erst getestet, geprüft und genehmigt werden. Vielleicht sieht die Welt dann ja doch wieder etwas bunter aus.