Leere Regale wegen Hamsterkäufen – einige Lebensmittel sind besonders gefragt

Seit Putins Angriff auf die Ukraine kaufen Verbraucher:innen in Deutschland einige Produkte mehr als doppelt so oft. Das hat Engpässe im Handel zur Folge. Marktforschende haben ermittelt, welche Artikel besonders betroffen sind:
Hamsterkäufe sorgen in vielen Einkaufsmärkten derzeit für leere Regale. Foto: Florian Blaes
Hamsterkäufe sorgen in vielen Einkaufsmärkten derzeit für leere Regale. Foto: Florian Blaes

Das Einkaufsverhalten in Deutschland hat sich durch den Ukraine-Krieg verändert. „Hamsterkäufe sorgen wieder für Absatzsteigerungen und teils leere Regale bei einigen Grundnahrungsmitteln“, zitiert die Welt am Sonntag aus dem aktuellen Handelspanel des Marktforschungsinstituts IRI. Besonders gefragt für „Panikkäufe“ seien Mehl, Speiseöl und Reis, aber auch bei Nudeln und Kartoffelpüree.

Steigende Verkaufszahlen seit Anfang März

In der ersten Märzwoche (Kalenderwoche 9) lagen die Verkaufszahlen für Mehl in Supermärkten und Drogeriemarktfilialen 82 Prozent über dem Niveau des Vorjahres, in der Folgewoche waren es sogar 170 Prozent, so der Bericht der Welt. Bei Reis sind die Verkaufszahlen um 57 beziehungsweise 74 Prozent gestiegen, bei Speiseöl sind es 29 und 99 Prozent.

Begrenzter Verkauf einiger Produkte

Folglich wird in vielen Einkaufsmärkten die Abgabe von bestimmten Produkten rationiert: „Wegen aktuellen Lieferengpässen bei Mehl – Abgabe max zweimal pro Haushalt. Wir bitten um Ihr Verständnis“, hängt beispielsweise im Rewe-Markt in Nonnweiler aus. Das gleiche gilt dort für den Verkauf von Öl.

Der Verkauf von Öl ist rationiert. Foto: Florian Blaes

Hohe Spendenbereitschaft

Artikel wie Konserven, Babynahrung, Hygieneartikel und Babypflegeprodukten wie Windeln und Feuchttüchern verzeichnen ebenfalls hohe Steigerungsraten, berichtet Welt. Bei diesen Produkten lagen die Absatzzahlen zwischen 22 und 76 Prozent über den entsprechenden Vorjahreswerten. Laut Forschungsinstituts IRI seien hier weniger Hämsterkäufe die Ursache, sondern die Spendenbereitschaft für Geflüchtete aus der Ukraine. „Je nach zukünftiger Spendenbereitschaft erwarten wir auch in den kommenden Wochen höhere Volumina“, zitiert die Welt aus der Untersuchung.

Erwartungen: Verkaufszahlen normalisieren sich, Preise steigen

Weiter heißt es im Bericht der Welt, dass IRI „für die kommenden Wochen wieder mit einer Normalisierung der Verkaufszahlen“ rechne. „Ein Mehrverbrauch sei unwahrscheinlich, und die Bevorratung zieht Aufbrauchphasen nach sich“, werden die Experten des Instituts zitiert. Zudem seien auch keine Versorgungsengpässe zu erwarten – außer bei Sonnenblumenöl, für das die Ukraine einer der weltweit wichtigsten Rohstofflieferanten ist, so die Welt am Sonntag.

Abschließend prognostiziert das Marktforschungsinstitut Preissteigerungen: „Mittel- und langfristig wird der Ukraine-Krieg die Inflation in Europa verschärfen“. Vor kurzem hatte Aldi bereits die Preise von knapp 400 Artikeln erhöht. Weil sich viele Händler an den Preisen von Aldi orientieren, erwarteten Expert:innen, dass weitere Händler folgen.

Artikel von Welt am Sonntag (27.03.2022)