Polizistenmord in Kusel: Erster Prozesstag beendet- Andreas S. bestreitet Mord

Der erste Prozesstag in Kaiserslautern gegen Andreas S. ist zu Ende. Er soll zwei Polizeikräfte erschossen haben. Doch der Angeklagte bestreitet die Tat.
Blumen und Kerzen vor der Polizeiinspektion Kusel. Foto: Florian Blaes
Blumen und Kerzen vor der Polizeiinspektion Kusel. Foto: Florian Blaes

Großes Medieninteresse 

Das Medieninteresse am ersten Prozesstag gegen den mutmaßlichen Todesschützen Andreas S. am Landgericht in Kaiserlautern ist sehr groß. Alle 40 Plätze für Pressevertreter sind belegt und die übrigen Zuschauerplätze restlos besetzt. Viele kommen in den Gerichtssaal nicht mehr rein.

Um 9 Uhr hat der Prozess am Landgericht begonnen. Der Angeklagte kommt mit einer Maske und einem Aktenordner in den Gerichtssaal. Pünktlich konnte der Auftakt nicht starten, da der Verteidiger zunächst an der Sitzordnung etwas auszusetzen hatte, was erst einmal geklärt werden musste.  Dann folgte die Vorlesung der Anklageschrift über das Geschehene in der Tatnacht.

Staatsanwaltschaft schildert die Morde:

Mit der Anklage wurden neue Details zu den Morden an den beiden Polizeikräften bekannt. Mittlerweile werden dem 38-Jährigen drei Schüsse mit der Schrotflinte zu Last gelegt. Demnach habe Andreas S. den ersten Schuss „überraschend aus der Schrotflinte aus kurzer Entfernung auf den Kopf der Polizeibeamtin“ abgefeuert, die dadurch schwer verletzt und bewusstlos zu Boden ging – daher Andreas (38) zunächst davon aus, dass sie tot sei.

Den zweiten Schuss aus der Schrotflinte soll er aus größerer Entfernung auf den männlichen Polizeibeamten gefeuert haben. Danach schoss er drei Mal mit einem Jagdgewehr auf den Polizisten und verletzte ihn mit jedem Schuss schwer, so die Angaben der Staatsanwaltschaft. Der letzte Schuss traf den Polizisten am Kopf und war tödlich.

Weiterer Schuss aus kurzer Entfernung

Als sich der Schütze wieder der auf dem Boden liegenden Polizistin widmete, soll er bemerkt haben, dass sie noch lebte „und gab mit der Schrotflinte einen weiteren Schuss auf ihren Kopf ab.“ In dieser Nacht wurden 22 Wildtiere erschossen und in den Transporter verladen. Der Gehilfe von Andreas S. soll pro erlegtes Trier 10 Euro vom Angeklagten bekommen haben. Damit habe er sich sein Lebensunterhalt erstritten.

Paukenschlag: Angeklagter beschuldigt Florian S. geschossen zu haben 

Im Auftrag für den Angeklagten begann, nach der Vorlesung der Anklageschrift, der Verteidiger von Andreas S. vorzulesen, wie es in der Tatnacht abgelaufen sein soll: Andreas S und Florian V. sollen auf der Landstraße bei Ulmet eine kleine Pause eingelegt haben. Dann näherte sich das Zivilfahrzeug der beiden getöteten Polizeikräfte und hielt neben dem Transporter an. Hier soll das Auto aber zu nah an dem Transporter gehalten haben, sodass der Hauptangeklagte seine Türe nicht öffnen konnte. Sein Mitangeklagter Kollege war zu diesem Zeitpunkt nicht im Fahrzeug. Als Andreas S. dann im Handschuhfach seine Papiere holen wollte, habe er mehrere Schüsse gehört und sei sofort aufgeschreckt. Er habe gehört, wie eine Person vor dem Auto auf den Boden gefallen sei.

Der 39- jährige Hauptangeklagte habe dann mit einer Waffe auf das sog. „Mündungsfeuer“, welcher er wahrgenommen hatte geschossen, um die Schießerei zu beenden. Er habe dann das Autolicht angeschaltet und wahrgenommen, dass einer der Polizeikräfte auf dem Boden mit einem Kopfschuss lag. Andreas S. soll sich dann mit Florian V. gestritten haben und den Transporter gewendet haben. In diesem Moment nahm er wiederholt einen Schuss wahr. Hier soll der 33- jährige dann die Polizistin erschossen haben. Daraufhin wollte sich der Hauptangeklagte der Polizei stellen, aber Florian V. habe ihn gebeten dies nicht zu tun, da er nicht ins Gefängnis wolle. Dann seien beide geflüchtet.

Florian V. habe oft bei den Wildereien, die sie seit November 2021 regelmäßig durchführten, unter Drogeneinfluss gestanden.

Ermittlungen können die Aussage zu keinster Weise stützen

Die kriminaltechnischen Untersuchungen der Polizei, haben aber  das genaue Gegenteil ergeben. Demnach soll Andreas S. als alleiniger Täter agiert haben. Es wird wohl auf einen langen Indizienprozess hinaus laufen.

Eigene Recherche