Investment in Zeiten von Kellerzinsen und Inflation: Ist Nachhaltigkeit eine Lösung?

Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) festgelegte Leitzins befindet sich noch immer auf einem historischen Tiefststand.
(Quelle: adobe.stock | benenin | 361067502)
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Das führt zu außerordentlich geringen Zinsen für Sparbücher, Festgeld oder Tagesgeld. Die Inflation ist in Deutschland seit der Corona-Pandemie stark gestiegen. Viele private Anleger fragen sich, welche Geldanlagen sich angesichts der Kellerzinsen und der Inflation noch lohnen. Eine Lösung könnten nachhaltige Investments sein, da Nachhaltigkeit immer mehr Bereiche des täglichen Lebens erfasst.

Auswirkungen von Niedrigzinsen und Inflation auf Geldanlagen

Noch immer liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) bei 0,00 Prozent. An diesem Leitzins orientiert sich die marktübliche Zinssituation bei Zinsen für Sparbücher, Festgeld und Tagesgeld, aber auch bei Kreditzinsen. Das bedeutet, dass Anleger für sichere Geldanlagen wie Sparbücher oder Festgeld kaum noch Zinsen erwarten können, während Kredite durch niedrige Zinsen gekennzeichnet sind. Mit der Beendigung ihrer Netto-Anleihenkäufe in Milliardenhöhe am 1. Juli 2022 macht die EZB den Weg frei für ihre erste Zinserhöhung seit 2011. Nach der nächsten Sitzung im Juli plant EZB-Präsidentin Christine Lagarde eine Zinserhöhung um 0,25 Prozent. Eine weitere Zinserhöhung ist für September 2022 vorgesehen. Da die Zinserhöhung der EZB nur gering ist, können Anleger kaum mit attraktiveren Zinsen für Sparbücher, Festgeld oder Tagesgeld rechnen. Auch Negativzinsen für Sparguthaben sind bei den meisten Banken an der Tagesordnung. Sie werden zumeist für höhere Guthaben, beispielsweise ab 20.000 Euro, erhoben. Häufig liegen diese Strafzinsen bei 0,5 Prozent im Jahr. Ein weiteres Problem, das sich negativ auf die Erträge von Geldanlagen auswirkt, ist die Inflation, die sich im Juni 2022 leicht abgeschwächt hatte und bei 7,6 Prozent lag. Die Inflation bedeutet, dass das Geld immer mehr an Kaufkraft verliert. Selbst attraktive Geldanlagen wie Aktien oder Investmentfonds werden angesichts der Niedrigzinsen und der Inflation zu einem Negativsummenspiel.

Geringere Erträge für Geldanlagen im Zuge der Inflation

Zu Zeiten der Nullzinspolitik der EZB waren Aktien, Investmentfonds und börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds, ETFs) eine gute Alternative zu sicheren Geldanlagen wie Sparbüchern oder Festgeld. Allerdings sind Aktien und Fonds volatile Geldanlagen. Die Erträge schwanken, was von verschiedenen Faktoren wie

· Entscheidungen der Notenbanken

· wirtschaftlicher Situation in dem Land, aus dem die Aktien oder Fonds stammen

· allgemeiner globaler wirtschaftlicher und politischer Situation

· herausragenden Ereignissen wie Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg oder Inflation
abhängt.

Solche Geldanlagen entwickeln sich zyklisch, was durch Höhen und Tiefen in den Kursen gekennzeichnet ist. Aktien, Investmentfonds und ETFs sind daher als langfristige Geldanlagen gedacht. Sie versprechen eine gute Rendite, doch kommt es darauf an, in welches Unternehmen, welche Branche oder welchen Index Anleger investieren. Bei einer Investition in einen ETF auf den Weltaktienindex MSCI World über 15 Jahre können Anleger mit einer Jahresrendite von durchschnittlich 7,9 Prozent rechnen. Ähnlich hoch kann die Rendite bei Aktien von erfolgreichen Unternehmen ausfallen. Bei einer Inflationsrate von 7,9 Prozent, wie sie im Mai 2022 in Deutschland zu verzeichnen war, bleibt von der Rendite nichts mehr übrig.

Welche Unternehmen können der Inflation trotzen?

Die Inflation führt dazu, dass von der Rendite auf Aktien und andere Geldanlagen nicht mehr viel übrig bleibt. Auch die reale Rendite fällt bei den meisten Aktien aufgrund der Inflation niedriger aus. Die Geldentwertung macht sich auch bei verschiedenen DAX-Unternehmen bemerkbar. Aktien sind jedoch nach wie vor als langfristige Geldanlage zu empfehlen. Um der Niedrigzinspolitik der EZB und der Inflation zu trotzen, kommt es für private Anleger darauf an, in die richtigen Unternehmen und Branchen zu investieren. Verschiedene Experten empfehlen die Investition in Aktien von Unternehmen, die Konsumgüter herstellen. Im Zuge der Inflation steigen die Preise für Konsumgüter, was sich auch positiv auf die Aktienkurse auswirken kann. Der Absatz von Produkten der Konzerne Unilever oder Procter & Gamble bleibt auch während der Rezession vergleichsweise stabil. Ein Problem sind jedoch die gestiegenen Rohstoffkosten, unter denen die Unternehmen leiden und die auch die Aktienkurse negativ beeinflussen können. Ein Konsumklassiker ist auch Nestlé, in dessen Aktien sich eine Investition lohnen kann. Um das Risiko zu streuen, können Anleger in Aktien aus verschiedenen Sektoren investieren, so auch beispielsweise von LVMH, einem europäischen Luxuskonzern. Auch Luxusgüter bleiben während der Inflation für Anleger attraktiv.

Investition in grüne und ethische Unternehmen

Eine Alternative zu Aktien von Konsumgüterkonzernen kann eine Investition in grüne und ethische Unternehmen sein. Fachartikel über die Bewältigung der Inflation mit Investments in grüne und ethische Unternehmen informieren darüber, nach welchen Kriterien diese Unternehmen arbeiten und welche Aktien aus diesem Sektor eine gleichbleibend gute Rendite versprechen. Die nachhaltigen Unternehmen sind keine Hypes und keine riskanten Investments, die durch rasant steigende Renditen gekennzeichnet sind, bei denen aber auch die Gefahr hoher Verluste innerhalb kurzer Zeit besteht. Längst sind die Zeiten vorbei, in denen nachhaltige Investments nur niedrige Renditen brachten. Nicht erst seit Fridays for Future gewinnt Nachhaltigkeit bei Anlegern an Bedeutung. Grüne und ethische Unternehmen berücksichtigen die ESG-Kriterien (E für Environment, Umwelt; S für Social, Soziales und G für Governance, Unternehmensführung). Sie verzichten auf Kinderarbeit, achten auf faire Arbeitsbedingungen und Arbeitslöhne, die den Arbeitskräften eine sichere Existenz ermöglichen, und praktizieren Umweltschutz. Langfristig gesehen haben solche Unternehmen eine bessere Perspektive als Unternehmen, die nicht nachhaltig arbeiten. Auch wenn die Rendite angesichts der Inflation noch auf der Stelle tritt, könnte sie sich in den kommenden Jahren gut entwickeln.

Investment in nachhaltige Sektoren

Interessante und zukunftsträchtige Geldanlagen in Inflationszeiten sind Aktien aus nachhaltigen Branchen, beispielsweise

· Solarenergie

· Wasserstoff

· Brennstoffzellentechnologie

· Windkraft.

Nachhaltige Aktien aus dem Energiesektor gewinnen immer mehr an Bedeutung, da langfristig auf erneuerbare Energie gesetzt wird und fossile Brennstoffe wie Öl oder Kohle in den Hintergrund geraten. Anleger sollten allerdings genauer hinschauen, ob diese Energieunternehmen tatsächlich nachhaltig arbeiten und nicht auch mit anderen Energieträgern wie Kohle oder Atomkraft ihren Umsatz erzielen. Die Rendite mag zwar aktuell noch gering ausfallen, doch langfristig ist mit einer deutlich höheren Rendite zu rechnen.

Investition in nachhaltige ETFs

Eine Alternative zu Einzelaktien sind ETFs als börsengehandelte Fonds. Sie bieten eine bessere Risikostreuung, da sie einen ganzen Index abbilden. Sie enthalten Aktien aus Indizes wie dem DAX oder dem US-amerikanischen Dow Jones, aber auch aus länderübergreifenden Indizes wie dem Weltaktienindex MSCI World. Auf verschiedene Indizes wurden bereits Nachhaltigkeitsindizes aufgelegt, die nur Aktien nach ESG-Kriterien enthalten. Aktien, die diese Kriterien nicht erfüllen, beispielsweise aus der Rüstungsbranche, der Kohleenergie oder der Atomkraft, fallen aus diesen Indizes heraus. Allerdings sind die ESG-Kriterien bei den verschiedenen Emittenten von ETFs nicht immer klar definiert. Einige Indizes enthalten die nachhaltigsten Unternehmen einer Branche, die an sich nicht nachhaltig ist. Andere ETFs setzen konsequent auf die Aktien von nachhaltigen Unternehmen. Nachhaltig sind ETFs auch, wenn sie mit dem Zusatz für SRI (Social responsible investment, sozial verantwortliche Investition) gekennzeichnet sind. Die ETFs auf nachhaltige Indizes können eine bessere Rendite bringen als ETFs ohne diese Kriterien. Ein Beispiel ist der Weltaktienindex MSCI World, auf den der Anbieter Blackrock mit der Marke iShares verschiedene ETFs herausgegeben hat. Der klassische ETF auf den MSCI World erreichte bei einer Investition über ein Jahr eine Rendite von 6,1 Prozent und über drei Jahre von 39,8 Prozent. Deutlich besser schnitt der nachhaltige ETF auf den MSCI World SRI in den gleichen Zeiträumen mit 6,7 bzw. 47,8 Prozent ab. Das Beispiel zeigt, dass auch nachhaltige ETFs eine Anlagemöglichkeit in Zeiten der Inflation sind.

Fazit

Die Niedrigzinspolitik der EZB und die Inflation führen zu immer geringer werdenden Zinsen für Geldanlagen. Bei Aktien kann sich das negativ auf die Rendite auswirken. Zukunftsträchtig sind Aktien von grünen oder ethischen Unternehmen und von nachhaltigen Branchen. Eine Alternative sind Nachhaltigkeits-ETFs, die eine breite Risikostreuung bieten und gute Renditen versprechen.