Neues Leben für ältere Smartphones

Smartphones altern. Nicht nur in Sachen Materialien, sondern Leistungsfähigkeit und Geschwindigkeit. Wer nicht gerade ein Oberklassegerät braucht, findet zwar ständig Neuware für nur wenige hundert Euro.
stock.adobe.com © Karen
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Allerdings sind selbst das Summen, die erst einmal verdient werden müssen.

Und über allem schwebt ständig das Thema Umwelt: Jedes Handy, das nicht produziert werden muss, weil ein Altgerät länger lebt, ist diesbezüglich ein wichtiger Gewinn. Zudem ist es mit grundsätzlichen Bedienerkenntnissen und den richtigen Anleitungen leicht, sein älteres Smartphone fit für einige weitere Jahre zu machen.

1. Den Vertrag anpassen oder gleich wechseln

Handyverträge stellen in Sachen Kostengestaltung und Leistungsumfang immer ein Abbild des Ist-Zustandes beim Abschluss dar. Doch kein Provider wird sich von selbst bei seinen Kunden melden, um ihnen mehr Leistung und/oder geringere Kosten zu offerieren. Das ist eine Aufgabe für jeden Handybesitzer selbst.

Der erste Schritt zu einem aufgefrischten Smartphone besteht deshalb darin, den Leistungsumfang seines aktuellen Vertrags zu sichten. Darauf basierend wird dann ergebnisoffen anhand der wichtigsten Leistungsmerkmale mit aktuellen Tarifen verglichen. Der Wechsel der Konditionen oder sogar der Anbieter ist schließlich grundsätzlich möglich.

Fast immer wird sich hierbei etwas Besseres finden lassen, was der eigenen (heutigen) Nutzungsweise eher entspricht. Vielleicht hat sich seit dem Abschluss des Altvertrages ja auch etwas im eigenen Leben verändert. Wer seitdem beispielsweise viel häufiger im Home-Office arbeitet, benötigt mitunter nicht mehr ein so großes Datenvolumen und kann einen günstigeren Vertrag abschließen.

2. Das Smartphone kräftig aufräumen

Smartphones werden nicht bloß gefühlt mit der Zeit immer langsamer, sondern tatsächlich. Das liegt aber nur zum Teil an ständig steigenden Leistungsansprüchen von Apps und Websites. Es liegt vor allem daran, dass sich durch jede einzelne Handlung etwas mehr „Datenmüll“ auf dem Gerät sammelt.

Von selbst reinigen sich nur die wenigsten Systeme. Erneut müssen User aktiv werden. Dazu stehen drei unterschiedliche Herangehensweisen offen:

· Die manuelle Methode: Es werden überflüssige Medien und Apps entfernt. In allen Programmen wird der Cache entleert. Das dauert seine Zeit und ist nicht die vollständigste Vorgehensweise. Dafür aber bleibt das System an sich unangetastet.

· Die automatische Methode: Es werden Systemreinigungs-Apps genutzt. Diese automatisieren den manuellen Prozess und können zudem tiefer ins System eingreifen. Der Nachteil: Gute Apps kosten Geld. Zudem benötigen viele solcher Programme (speziell beim Android-Betriebssystem) sogenannte Root-Rechte, um wirklich vollständig zu arbeiten. Das jedoch bedarf tiefergehender technischer Kenntnisse.

· Die vollständige Methode: Alle wichtigen Daten werden in der Cloud oder auf anderen Geräten/Speichermedien gesichert. Dann wird das Smartphone in den Werkszustand zurückgesetzt und von dort ausgehend neu bestückt und justiert. Das ist äußerst wirksam und ohne größeres Fachwissen durchzuführen. Jedoch müssen danach sämtliche Apps erneut installiert und alle Personalisierungen neu vollzogen werden. Der Arbeitsaufwand variiert deshalb stark.

Der Vorteil: Durch all diese Methoden wird das alte, überfrachtete System wieder „schlanker“ und meist deutlich schneller – selbst im Angesicht gestiegener Anforderungen.

3. Ein alternatives Betriebssystem aufspielen

Prinzipiell ist die Hardware moderner Smartphones für viele Jahre gut. Gerade bei Android als wichtigstem mobilen Betriebssystem schränkt jedoch eine Tatsache eine langjährige Nutzung oft ein:

Je nach Hersteller und Handymodell werden nach Auslieferungen nur wenige Updates garantiert. Nach dem Ende dieser Zeit werden für das Modell dann keine neuen Android-Versionen mehr programmiert und keine Sicherheits-Updates bereitgestellt. Vor allem letzteres ist ein schwerwiegendes Problem, weil es das Handy angreifbarer und unsicherer macht.

Da Smartphones jedoch nichts anderes sind als kompakte Computer, ist es bei den allermeisten Geräten möglich, alternative Betriebssysteme zu installieren. Diese haben mehrere Vorteile:

· Sie sind fast ausschließlich quelloffen und Community-basiert. Nicht an große Unternehmen gekoppelt, sondern von Usern für User. Dadurch sind sie kostenlos und durch die große Transparenz sehr sicher. An dieser Stelle sei beispielhaft auf das größte alternative Betriebssystem für Android-Geräte verwiesen, LineageOS. Es existieren jedoch zahlreiche weitere Distributionen; Lineage ist nur die größte, bekannteste mit dem umfassendsten Support.

· Da am grundsätzlichen Systemaufbau nichts geändert wird, sehen die Betriebssysteme meist wie die gewohnten Oberflächen aus und gestatten ein nahtloses Verwenden von bisherigen Apps.

· Ungleich zu vielen Betriebssystem-Varianten, die speziell für Handy-Hersteller programmiert werden, sind diese Systeme frei von vorinstallierter „Bloatware“. Das sind mitgelieferte Programme, die sich nicht ohne Weiteres löschen lassen und nur die Speicherbelegung aufblähen. Das macht alternative Betriebssysteme speichersparender und das Gerät meist deutlich schneller.

· Weil hinter den Systemen keine wirtschaftlichen Interessen stehen, werden ständig aktuelle Versionen selbst für sehr alte Handys regelmäßig veröffentlicht.

Dagegen steht ein Nachteil: Ein Smartphone mit einem völlig neuen Betriebssystem auszurüsten, ist eine komplexe Aufgabe. Zwar stellen die Communities detaillierte Anleitungen zur Verfügung, dennoch müssen hier sehr viele Schritte durchgeführt werden. Wer sich das nicht zutraut, aber Computer-affine Bekannte hat, sollte diese ansprechen – es ist definitiv nichts, was nur ausgesprochene Experten durchführen könnten.

Denn der Lohn der Mühe ist ein Handy, das selbst, wenn es jetzt schon einige Jahre alt ist, zumindest in Sachen Sicherheit und Kompatibilität noch für einige weitere Jahre gut ist.

4. Einen neuen Akku installieren (lassen)

Was die Ausdauer eines Smartphone-Akkus belastet, hat viele Gesichter. Eine neue Betriebssystem-Version kann etwa nach einem Update deutlich energiehungriger sein als seine vorherige Version.

Abseits solcher Software-basierten Probleme ist es jedoch eine rein technische Tatsache, dass Akkus jeglicher Art mit der Zeit abbauen – dahinter stehen unvermeidbare physikalische Gründe. Mit jedem Lade- und Entladevorgang verliert die Batterie etwas an Kapazität und somit Reichweite zwischen zwei Aufladungen.

Zwar lässt sich dieser Abbau durch korrektes Verhalten verzögern. Jedoch:

· Das muss von Anfang an geschehen, um wirklich wirksam zu sein und

· selbst sehr diszipliniertes Vorgehen verlängert lediglich die Zeitspanne.

Einen neuen Akku zu installieren, kann deshalb gefühlt wahre Wunder bewirken. Da der Leistungsabfall über Monate und Jahre geschieht, merken viele User ihn erst richtig, wenn sie einen brandneuen Energiespeicher einbauen.

Wer sich das selbst zutraut, der findet bei der iFixit-Community zahlreiche Schritt-für-Schritt Anleitungen, unter denen wahrscheinlich auch sein Gerät gelistet wird – passende Akkus finden sich ebenfalls im Netz. Wer jedoch keine Erfahrungen hat, sollte eine Handywerkstatt damit betrauen.  Kostenpunkt: zwischen zirka 50 und 100 Euro.

Übrigens: Bei dieser Gelegenheit können verkratzte Displays aufpoliert werden und dadurch „wie neu“ erstrahlen.

5. Einen alternativen Launcher nutzen

Wie das Smartphone arbeitet, wird durch das Betriebssystem bestimmt. Wie seine Benutzeroberfläche aussieht und sich alles bedienen lässt, hängt hingegen zu einem deutlich größeren Teil vom sogenannten Launcher ab.

Speziell bei Android unterscheidet sich der Launcher oft zwischen den Herstellern. Dadurch lassen sich verschiedene Geräte trotz gleichem Android-System und -version oft unterschiedlich bedienen und sehen (bis auf die Symbole, die sogenannten Icons) verschieden aus.

Zu den alternativen Launchern gibt es folgendes zu wissen:

· Sie sind für praktisch jedes Android-Handy verfügbar und können über den regulären App-Shop bezogen werden.

· Es existieren zahlreiche unterschiedliche Launcher. Sie unterscheiden sich Hinsichtlich des Preises, der allgemeinen Optik, dem Funktionsumfang und der Einstellbarkeit.

· Einen alternativen Launcher zu installieren, ändert nichts am Handy, den installierten Apps und gespeicherten Daten. Die Systemoberfläche sieht lediglich anders aus.

Bei vielen Launchern benötigen User etwas Zeit, um sich in den Funktionsumfang einzuarbeiten. Prinzipiell ist der Umgang mit ihnen jedoch kaum komplexer als mit herkömmlichen Apps. Das Handy wird zwar nicht schneller, dafür aber kann es ungleich besser personalisiert werden.

Von Icons in völlig anderem Design (die getrennt herunterzuladen sind) über Farben, Art und Aussehen von Animationen bis zu Menüs lässt sich dem Smartphone ein komplett neuer Look verpassen. Sozusagen das Gegenstück zum Tapetenwechsel in der Wohnung.

6. Eine neue Hülle nutzen

Ob wir ein Smartphone als alt und abgenutzt empfinden, hängt vielfach nicht so sehr von der tatsächlichen Leistungsfähigkeit ab wie von der reinen Optik des Geräts. Aus diesem Grund kann sich ein Handy nach dem Installieren eines alternativen Launchers wie brandneu anfühlen.

Am Äußeren des Mobiltelefons ändert das jedoch nichts. Dabei ist das nicht minder wichtig. Schließlich schauen wir ständig darauf, wenn das Handy in der Hand oder auf dem Tisch liegt.

In früheren Zeiten, vor Marktreife des Smartphones, ließen sich bei vielen Handys die Gehäuse austauschen. Das ermöglichte eine große Vielfalt von Farben und Designs. Heute ist das leider anders geworden. Erst recht, seitdem sich bei den meisten Geräten nicht einmal mehr die Rückseite abnehmen lässt, um an den Akku zu gelangen.

Allerdings: Nach wie vor gibt es verschiedenste Smartphone-Hüllen zu kaufen. Sie reichen von einfachen Kunststoff-Halbschalen, die nur das Display freilassen, bis zu Widerstandskraft beträchtlich erhöhenden „Panzer-Hüllen“ aus weichen Kunststoffen, Leder und Metall.

Hier zuzugreifen, kann das Smartphone-Äußere ebenfalls beträchtlich aufpeppen. Doch je höher der Schutz ist, desto größer ist natürlich die Chance, das jetzt aufgefrischte Gerät tatsächlich noch weitere Jahre nutzen zu können. Denn solche Hüllen sind äußerst wirksam im Abfedern von Stürzen aller Art.