Landrat Schartz (CDU) gibt Medien Schuld an seiner deutlichen Abwahl

Wir blicken auf den Sonntagabend zurück. Die historische Wahlniederlage von Güther Schartz ist nun zwei Tage vergangen. Doch die Echos bleiben.

Foto: Günther Schartz

Es war ein Paukenschlag in der Kreisverwaltung Trier-Saarburg am Sonntagabend. Die Chancen, dass die SPD mit Stefan Metzdorf gewinnen würde, waren hoch und gegeben. Dass Metzdorf jedoch mit 68,27 Prozent gewinnt, das war schon historisch hoch. Und das erste Mal, dass ein SPD-Kandidat in dem Landkreis gewinnt. 16 Jahre lang war Günther Schartz an der Spitze des Landkreises Trier-Saarburg. Und jetzt gibt er in drei Pressestatements den regionalen Medien die Schuld an seiner, wie er sagte „Abwahl“.

In der Kreisverwaltung waren unter anderem der Trierische Volksfreund, der Wochenspiegel und das SWR Fernsehen. Letzteres sendete eine Live-Schaltung in die Abendnachrichten um 19:45 Uhr. Alle drei regionalen Medien haben mit dem scheidenden Landrat und dem neu-gewählten Landrat ein Interview geführt. Und in allen drei Interviews wird Günther Schartz ganz deutlich:

Zitat: „Aus meiner Nebentätigkeit wurde ein Hype gemacht in den Medien. Alleine im Trierischen Volksfreund wurde über 30 mal darüber berichtet, auch der SWR und Wochenspiegel hat immer wieder darüber berichtet und das auf meinem Rücken…“ In den Interviews heißt es weiter, dass die Arbeit der letzten 16 Jahren nicht anerkannt wurden, was er als Landrat auf die Beine gestellt hatte. Gegenüber den Mitarbeiter der Kreisverwaltung sei es auch schade, die „einen super Job gemacht hätten“.

Zur Wahl von Stefan Metzdorf SPD sagte der noch amtierende Landrat in den Interviews, dass es letzendlich eine Abwahl von ihm gewesen sei, es sei kein Gewinn von Stefan Metzdorf (SPD), sondern „eine negative Auslese im Hinblick auf die Person Günther Schartz. Er sei deprimiert, wenn man sehe, dass schon gute Arbeit in den letzten 16 Jahren gemacht wurde.

Worum es geht: Die RWE-Affäre

In diesem Jahr mussten Landräte und Oberbürgermeister ihre Nebeneinkünfte das erste Mal öffentlich darlegen. Und da ist im April 2021 offen gelegt worden, dass Günther Schartz in seiner Nebentätigkeit im Aufsichtsrat beim RWE rund 160.000 Euro verdiente. Das ist deutlich mehr als sein eigentliches Hauptgehalt als Landrat. Schartz verteidigte im Frühjahr seine Nebentätigkeit: „Die Mitarbeit beim RWE liegt sicher auch im Interesse des Landkreises Trier-Saarburg, der gemessen an seinem Aktienpaket durch die Mitarbeit des Unterzeichners im Aufsichtsrat deutlich überproportional vertreten ist.“ Im August 2021 wurde dann bekannt, dass die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) die weitere Ausübung bei RWE untersagt und Schartz den Posten beim RWE- Aufsichtsrat abgeben muss. Neben der Kritik vom Bund der Steuerzahler, war die Kritik unter den Menschen im Landkreis ebenso immer größer geworden.

Das sagt der Trierische Volksfreund dazu 

In einem Kommentar des Trierischen Volksfreundes wendet sich am Montagabend der Chefredakteur Thomas Roth an die Leserinnen und Leser. Hier schreibt der Chefredakteur, dass sich Schartz schlichtweg im Ton vergreifen würde, wenn er von Hetze in den Interviews spricht, die unter anderem vom Trierischen Volksfreund ausgegangen wären. Die hohe Nebentätigkeit eines Politikers im Landratsamt sei eben etwas, was die Öffentlichkeit angehe und interessiere. Thomas Roth stellt fest: „Wenn ein Politiker bei seinem Nebenjob mindestens annähernd so viel wie im Hauptjob verdient (wenn nicht gar mehr), dann ist dies ein Thema, das die Öffentlichkeit interessiert.“Für diese zu hohe Nebentätigkeit trage einzig und alleine der Landrat die Verantwortung und nicht die Medien in ihren Berichterstattungen. Thomas Roth macht deutlich, dass der Vorwurf der Parteilichkeit gegenüber den Kolleginnen und Kolleginnen ganz klar so nicht stimme und weist den Vorwurf deutlich zurück.

Was bleibt von der Affäre übrig?

Ein Problem für die CDU: Die ist nach dem katastrophalen Ergebnis der Bundestagswahl auch in den Regionen stark gebeutelt. Nach der Maskenaffäre im Bund, in die vor allem Unionspolitiker verwickelt waren, belasten auch extrem hohe Einkünfte aus Nebentätigkeiten das Vertrauen der Menschen in die Politik. Nun ist CDU-Mann Günther Schartz nicht irgendwer: Er ist auch stellvertretender Landesvorsitzender der rheinland-pfälzischen CDU. Auch hier ruft manch einer hinter den Parteikulissen bereits – dem Berliner Beispiel folgend – nach kritischer Bestandsaufnahme und personeller Erneuerung.