Burger, Süßigkeiten und Co.: Verbot von an Kinder gerichtete Junkfood-Werbung gefordert

Werbung für ungesunde Lebensmittel muss viel strenger kontrolliert werden. Solche Werbung, die besonders an Kinder gerichtet ist, müsse verboten werden, fordert die Verbraucherschutzministerkonferenz (VSMK).
McDonals Werbeschild. Symbolbild: Unsplash/ Jurij Kenda
McDonals Werbeschild. Symbolbild: Unsplash/ Jurij Kenda

Die Verbraucherschutzministerkonferenz (VSMK) hat ein Verbot von an Kinder gerichteter Werbung für ungesunde Lebensmittel gefordert.

Ungesunde Werbespots für Kinder streichen

Mit bekannten Social-Media-Influencern und bunten Werbespots würden Kindern von der Lebensmittelindustrie vor allem Zuckerbomben und fettige Snacks angedreht werden, erklärt Saskia Reinbeck von der Verbraucherorganisation foodwatch. „Der Appell der Landesminister an die Bundesregierung könnte deutlicher nicht sein: Nur mit einem strengen Bundesgesetz kann das Treiben der Lebensmittelunternehmen auf Kosten der Kindergesundheit gestoppt werden.“, so Reinbeck weiter.

Keine Schlupflöcher für die Lebensmittelindustrie

Bundesernährungsminister Cem Özdemir dürfe bei einem solchen Gesetz aber keine Schlupflöcher lassen: Die Influencer-Empfehlung für McDonald’s werde von Kindern ebenso wahrgenommen wie der Clip von Coca-Cola in der Werbepause für Germany‘s Next Topmodel. Gefordert werden Sendezeiten ohne Junkfood-Werbung, eine Beschränkung von Anzeigen im Internet und über die Sozialen Medien – all diese Maßnahmen dürfen nicht nur Kinderformate betreffen, sondern müssen alle Formen von Werbung für besonders ungesunde Lebensmittel berücksichtigen.

Eigentlich Teil des Koalitionsvertrags

Die Verbraucherschutzministerkonferenz hat sich in einem Beschluss für „ein umfassendes Verbot für an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung für Lebensmittel, die nicht dem Nährstoffprofil-Modell des Regionalbüros für Europa der WHO entsprechen“, ausgesprochen. Der Bund müsse ein entsprechendes Gesetz „im Rahmen seiner Regelungszuständigkeit“ auf den Weg bringen, so die Ressortchefs der Länder.

In ihrem Koalitionsvertrag haben die Ampel-Parteien versprochen, die an Kinder gerichtete Werbung für Ungesundes beschränken zu wollen. Einen Gesetzesentwurf hat sie jedoch bislang noch nicht eingebracht.

Ein von foodwatch in Auftrag gegebenes juristisches Gutachten zeigt, dass Bundesernährungsminister Cem Özdemir umfassende Werbebeschränkungen als Bundesgesetz auf den Weg bringen kann. Einen Umweg über den Medienstaatsvertrag sei nicht notwendig.

15 ungesunden Werbespots am Tag ausgesetzt

Laut einer Studie der Universität Hamburg sieht ein Kind in Deutschland durchschnittlich 15 Werbespots oder -anzeigen für ungesunde Lebensmittel pro Tag. Davon entfallen fünf auf das Internet und zehn auf das Fernsehen. 92 Prozent der Spots für Lebensmittel, die Kinder in Internet und TV wahrnehmen, bewerben ungesunde Produkte wie Fast Food, Snacks oder Süßigkeiten (Fernsehen 89 Prozent, Internet 98 Prozent).

Fachorganisationen und Ärzteverbände fordern seit Jahren eine Beschränkung der Junkfood-Werbung. So sollten nur ausgewogene Lebensmittel an Kinder beworben werden dürfen. Auch der wissenschaftliche Beirat des Bundesernährungsministeriums (WBAE) empfiehlt in seinem Gutachten gesetzliche Regelungen und beschreibt die „unzureichende Effektivität freiwilliger Selbstkontrollen beim kinderbezogenen Marketing“.

Das Gremium verweist auf internationale Erfahrungen, wonach in Ländern mit gesetzlichen Beschränkungen des Kindermarketings der Konsum von Junkfood im Zeitraum von 2002 bis 2016 um 8,9 Prozent gesunken ist. In Ländern mit freiwilligen Selbstverpflichtungen der Wirtschaft ist der Konsum im gleichen Zeitraum hingegen um 1,7 Prozent gestiegen.

 

 

Pressemitteilung foodwatch (17.06.2022)