Verspätungen, Vollbremsungen, Kinder vergessen & Ausdrücke: Große Busprobleme im Hochwald

Im Hochwald gibt es Probleme beim Busfahren: Zahlreiche Eltern haben News-Trier angeschrieben. Hier erfahren Sie was passiert ist und was die Verantwortlichen dazu sagen.
dpa-Bildfunk
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Mitte September 2022 haben uns mehrere Nachrichten über den Zustand mit der Busbeförderung erreicht, besonders in Bezug auf die Busfahrten der Grundschulkinder. Hiervon waren vor allem die Linien 204 und 206 im Hochwald betroffen.

Um was geht es?

Um sich ein genaues Bild zu machen, gibt es hier Auszüge der „Beschwerden“ der Eltern. Diese kamen teilweise völlig unterschiedlich voneinander an unsere Redaktion, aber auch gebündelt als Berichte von Eltern einer Schule. Folglich die Auszüge:

Bericht 1

„Seit das neue Unternehmen Jozi-Reisen hier übernommen hat, sind fast täglich Vorfälle. Es werden zum Beispiel Vollbremsungen gemacht, Kinder sind dadurch verletzt worden. Kinder wurden an der Haltestelle einfach stehen gelassen (Grundschule). Der Bus kommt täglich rund zwanzig Minuten zu spät, unter anderem, weil der Fahrer sich verfährt oder irgendwo anhält, um zu telefonieren. Auch wurden Kinder beleidigt (Hinweis: sehr schlimme Schimpfwörter, wir haben sie zensiert). Wir haben uns als Eltern schon mehrfach beschwert. Bei Jozi-Reisen selbst, sowie beim VRT, es passiert nichts. Die Fahrer können fast alle kein Deutsch oder Englisch und man kann sich nicht verständigen. Dir Kinder haben zum Teil Angst, Bus zu fahren.“

Bericht 2

„Hallo ich bin die Mama eines 7-jährigen Jungen. Mein Sohn fährt die Strecke ab Geisfeld Dorfplatz bis zur Grundschule Beuren. Am ersten Schultag, der 05.09.22, war mein Sohn in der Betreuung. Die Betreuung endet um 16.15 Uhr. Mein Sohn ging dann zu Haltestelle in Beuren zum Kindergarten. Er stand eine Stunde da an der Bushaltestelle. Die Busfahrerin kam dann endlich und fuhr einfach an meinem Sohn vorbei! Auf Nachfrage bei Jozi- Reisen streitete die Busfahrerin natürlich alles ab. Es hatte dort niemand gestanden… Die Busfahrerin ist neu und fuhr die Strecke zum ersten Mal. Mein Sohn muss so dicht am Bordstein gestanden haben, um zu erkennen, dass sie rote Haare hatte und geschwollene Lippen. Durch diese Beschreibung war Jozi-Reisen ziemlich schockiert und sagte, dann muss er ja da gestanden haben und genauso sieht sie aus. Es wollte sich gekümmert werden und auf Antwort warte ich bis heute. Er war nur am Weinen und völlig verzweifelt, weil man in dem Alter auch kein Handy hat, um sich zu melden. Glücklicherweise ist die Putzfrau aufmerksam geworden und hat den Kleinen in Obhut genommen.“

Bericht 3

„Hallo ich bin Mama einer 12-jährigen Tochter. Meine Tochter geht in Hermeskeil auf die IGS und fährt mit dem Bus zur Schule und auch wieder nach Hause. Am 12.09.2022 berichtete mir meine Tochter erneut, dass der Busfahrer die Kinder wiederholt beleidigt hat. Hier fallen Wörter wie z.B. halt die F…. Es wurde nur gefragt wann weitergefahren wird. Wenn Kinder im Bus stehen, wird ohne Vorwarnung eine Vollbremsung hingelegt, sodass das Kind, welches stand, durch den kompletten Bus geflogen ist und hingefallen ist. Mehrere Kinder sind mit dem Kopf gegen den Sitz geschlagen. Dies betrifft nur den Bus nach Hause. Meine Tochter hat mittlerweile Angst, mit dem Bus zu fahren. Der Busfahrer ist immer sehr frech und beleidigend. Ich wünsche mir, dass sich das schnell ändert damit wir Eltern einfach auch wieder beruhigt sein können. Ich frage mich hier wo die Grenzen des Busfahrers sind und was noch passieren könnte.“

Wir fassen zusammen

Wir haben nun drei Auszüge von Eltern hier gelesen, die sich besorgt zeigen, über die „Missstände“ in den Bussen im Hochwald. Da geht es um unerfahrene Fahrer, die teilweise die Fahrtstrecken nicht kennen, es geht um vermeintliche Vollbremsungen und schwerwiegende Beleidigungen und Kinder, die an der Bushaltestelle stehen gelassen werden bzw. der Bus viel zu spät kommt. News- Trier hat die VRT und das Busunternehmen Jozi-Reisen angeschrieben. Wir haben beide mit den „Problemen“ konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten.

Von der VRT kam diese Stellungnahme:

Verspätungen und mit dem Bus verfahren 

„In der gesamten Region kommt es derzeit vermehrt zu Baustellenumleitungen – teilweise auch sehr kurzfristig. Diese erfordern dann zeitnahe Fahrplanänderungen, welche dazu führen können, dass sich Fahrerinnen und Fahrer vereinzelt anfänglich verfahren. Zudem führen solche Baustellen zum Teil unvermeidlich zu Verspätungen, was wir aber versuchen, so gut wie möglich zu vermeiden. Verspätungen sind im Straßenverkehr allgemein nicht immer vermeidbar. Grundsätzlich arbeiten wir im Busnetz Ruwertal-Hochwald mit einem sehr lösungsorientierten Partner zusammen. Einige Verspätungen, die von Eltern beim Busunternehmen beanstandet worden sind, kann uns das Unternehmen z.B. mit GPS-Daten widerlegen.“

Kinder stehen gelassen

„Dazu ist dem Unternehmen nur ein Beschwerdefall bekannt. Hier wurde von den Beschwerdeführern beschrieben, dass ein Bus der Linie 204 am Montag, 5. September 2022, an der Haltestelle Beuren Kindergarten nicht gehalten hätte. Das Unternehmen hat den Fall unmittelbar geklärt und uns mitgeteilt, dass an dieser Haltestelle ein Fahrgast ausgestiegen sei – womit auch ein Halt stattgefunden haben müsste. Um in solchen Fällen bestmöglich reagieren zu können, bittet der VRT seine Kundinnen und Kunden, sich direkt über das Kontaktformular auf der VRT-Webseite zu melden.“

Zu vermeintlichen Ausdrücke des Fahrers und ruckartigen Vollbremsungen 

„Diese Vorwürfe sind laut zuständigem Unternehmen nicht berechtigt. Mit allen Fahrerinnen und Fahrern, die auf der Linie eingesetzt sind, sei dazu gesprochen worden. Viele von ihnen haben selbst Kinder und das Unternehmen weist sie regelmäßig darauf hin, dass achtsam und rücksichtsvoll mit den Kindern umzugehen ist.

Ein Fahrer bestätigt, dass er auf der Fahrt wegen des hohen Geräuschpegels im Bus mehrfach die Stimme erheben musste, um sich gegen den Geräuschpegel Gehör zu verschaffen, weil die Kinder auf den Sitzen in den hinteren Reihen und an den Haltestangen herumgeklettert seien. Mit Ausdrücken beschimpft habe er die Kinder aber zu keiner Zeit.

Der Schulleiter der Grundschule Beuren Dietmar Knippel bestätigt, dass es auf der Strecke Kinder gäbe, die sich besonders unangemessen verhalten. Diese habe er auf Bitten des Busunternehmens auch nochmals spezifisch ermahnt. Die Schule verschicke bei Bedarf auch Schreiben an die Eltern mit Bitte die Kinder für dieses Sicherheitsthema im Bus nochmals zu sensibilisieren. Auch das Busunternehmen und wir als VRT bitten die Eltern, die Kinder nochmals darauf hinzuweisen, dass sie zu ihrer eigenen Sicherheit und der Sicherheit aller auf einer Busfahrt ruhig sitzen bleiben müssen. Ansonsten provozieren sie, dass das Fahrpersonal abgelenkt sein könnte.

In den, dem Unternehmen, vorliegenden Beschwerden werden teilweise Vorfälle miteinander in Zusammenhang gebracht, die wenig bis nichts miteinander zu tun haben. Wenn ein Fahrer z.B. nachdem er die Kinder in den hinteren Reihen laut zum Hinsetzen aufgefordert hat, aufgrund der Verkehrssituation stark bremsen muss, ist dieser äußere Umstand für die Kinder ggf. nicht ersichtlich. In einem weiteren Beispiel wurden dem Unternehmen Fotos von zwei beschädigten Bussen geschickt und ein Unfall mit Fahrgästen suggeriert: hierbei handelte es sich wohl aber um einen Auffahrunfall, der noch vor Fahrtantritt auf einem Parkplatz passiert sei – ohne Fahrgäste im Bus.“

Von Jozi-Reisen kam diese Stellungnahme:

Die VRT hat hier im Vorfeld wohl mit dem betroffenen Busunternehmen gesprochen und für das Unternehmen und den Verkehrsverbund geantwortet. Denn von Jozi-Riesen gab es gegenüber News-Trier keine eigene Stellungnahme.  Aber ein Elternteil bekam von dem Unternehmen eine Rückmeldung. Diese liegt News-Trier auch vor. Darin beschreibt der Reisedienst auch, dass es in der Tat zu Verspätungen gekommen ist. Grund hierfür seine Baustelle und die damit verbundene Umleitung. Es wird auf den Fahrer eingegangen, der sich verfahren hat, dafür entschuldigt sich Jozi-Reisen und gelobt Besserung. Mit klaren Worten richtet sich das Unternehmen aber gegen die Unterstellungen von Ausdrücken und Vollbremsungen. Die Eltern sollten diese Unterstellungen bitte sein lassen.

Hat sich was geändert? 

News-Trier hat nun bewusst eine Zeit lang gewartet, um zu schauen, ob es Änderungen und Besserungen gibt. Da ist das Fazit Anfang Oktober nur teilweise positiv. Wir haben am heutigen Dienstag, 04.10.2022, wieder mit den Eltern gesprochen.

Positiv

  • Der Busfahrplan wurde an die Baustelle und die Umleitung angepasst und es kommt zu keinen größeren Verspätungen mehr
  • Kinder wurden seit dem Vorfall auch keine mehr an einer Haltestelle stehen gelassen und vergessen
  • Die Grundschule in Beuren/ Hochwald hat einen Link zum VRT auf ihrer Homepage über Beschwerden zur Schülerbeförderung eingerichtet
  • Vollbremsungen soll es keine mehr gegeben haben

Negativ

  • Es soll weiterhin im Bus gegen die Kinder geschimpft werden, teilweise für einen Busfahrer nicht entsprechend
  • Die Kinder werden von den Busfahrern oftmals mit ihrem Anliegen nicht wahrgenommen oder verstanden

News-Trier wird an diesem Thema dran bleiben.

 

Eigene Recherche