Warnung: Brisante Entwicklung bei Waldbränden

Experten warnen bereits jetzt vor einer "brisanten Entwicklung bei den Vegetationsbränden". Schon die ersten Waldbrände im Süden, aber auch hierzulande, würden deutlich auf diese Entwicklung hinweisen.
Die Waldbrände haben in diesem Jahr bereits früh begonnen. Hier: Löscharbeiten bei Kordel. Foto: Florian Blaes
Die Waldbrände haben in diesem Jahr bereits früh begonnen. Hier: Löscharbeiten bei Kordel. Foto: Florian Blaes

Die ersten schweren Waldbrände wüten bereits in südlichen Ländern, aber auch hier in Deutschland hat es bereits gebrannt. Dass die Waldbrände bereits so früh beginnen, ist laut den Worten des Vegetationsbrandexperten der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb), Dr. Ulrich Cimolino, ein deutlicher Hinweis auf die brisante Entwicklung bei den Vegetationsbränden.

Gerade erst ist – wie schon mehrmals in den Vorjahren – die spanische Touristenhochburg Costa del Sol betroffen. Dort mussten mehr als 3.000 Menschen, darunter viele Touristen, in Sicherheit gebracht werden.

„Waldbrandsaison“ früh begonnen

„In Deutschland sind trotz vieler Niederschläge in einigen Regionen die Bodentrockenheit und die Durchschnittstemperatur höher als normalerweise für das ausgehende Frühjahr zu erwarten wäre“, betont Cimolino. „Es gab daher in einigen Regionen bereits Brände, die nur deshalb relativ schnell gelöscht werden konnten, weil sie sofort entdeckt und bekämpft wurden.“

Waldbrände in unserer Region

Anzahl der Brände sehr hoch

In anderen Ländern hat nach den Worten von Cimolino in diesem Jahr die Saison für größere Brände ebenfalls sehr früh begonnen. In Griechenland habe es im Umfeld von Athen so stark gebrannt, dass in einem Vorort Evakuierungen notwendig wurden. Schon im April sei die Zahl der Feuer, die den Einsatz der griechischen Feuerwehren notwendig machten, mit über 400 ungewöhnlich hoch gewesen.

Waldbrände können sich schnell entwickeln

Der Vegetationsbrandexperte der vfdb, Leiter des Arbeitskreises Waldbrand im Deutschen Feuerwehrverband (DFV) und der vfdb-Expertenkommission Starkregen 2021 weist darauf hin, dass Vegetationsbrände zu den wetterbedingten bzw. wetterbeeinflussten Einsätzen gehören: „Diese können sich schnell zu dynamischen Großschadenslagen entwickeln, wenn die Trockenheit groß und die Widerstandsfähigkeit der Vegetation durch diese und andere Schäden (z.B. Sturm, Borkenkäfer) gering ist. Dadurch kann sich die vorherrschende Vegetation leicht entzünden und schnell abbrennen.“ Als Beispiele nennt Cimolino Nadelhölzer, Eukalyptus und Birken.

Risiko für Vegetationsbrände steigt

Sorge bereitet dem Experten auch die vom Deutschen Wetterdienst (DWD) veröffentlichte Prognose. Demnach werde regional eine bis zu einem Grad höhere Durchschnittstemperatur als bisher erwartet. „Das klingt recht wenig, erhöht aber die Brisanz der Vegetationsbrandlage sehr deutlich. Denn es ist unmöglich, dass sich die Vegetation oder auch nur der Waldbau in der Gefahrenvorbeugung in der Zeit darauf voll einstellen kann“, so Cimolino.

Folglich fordert der vfdb-Präsident, Dirk Aschenbrenner, eine rasche wissenschaftliche Untersuchung der vorhergesagten Klimaänderungen für die Vegetationsbrände. Daraus gelte es, Szenarien inklusive geeigneter Handlungsvorschläge für Forst, Naturschutz und die Gefahrenabwehr zu erarbeiten. Vor allem müsse im Bereich der Früherkennung eine Verbesserung erfolgen.

Ferner müsse die Einsatzsteuerung und die Kommunikation auch von großen Einheiten besser und robuster gemacht und die Bevölkerung wieder mehr in ihren eigenen Schutz eingebunden werden. „Für besondere Lagen sind geeignete spezielle Erkundungs- und Rettungsgeräte für den Bedarf zu entwickeln“, sagt Aschenbrenner. Es sei hilfreich, insbesondere die europäische Vernetzung zu verstärken. Voneinander Lernen ist notwendig, um sich gegenseitig besser helfen zu können.

Mitteilung Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (10.06.2022)