Schneise der Verwüstung nach Tornado: 14 Verletzte, 100 abgedeckte Dächer, 1000 Notrufe, 7 Kilometer Schneise

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Luxemburg. (bla) „So etwas habe ich bisher nur aus dem Fernsehen in den USA gesehen“ ist eine Bewohnerin aus Petingen im Gespräch schockiert. Und in der Tat: Der Kern der Stadt gleicht einem Bombenangriff. Ein Tornado hat am späten Freitagnachmittag eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Etwa 7 Kilometer zog der Wirbelsturm von Rodange über Lamadelaine, Petingen, und Linger bis nach Niederkerschen im Südwesten von Luxemburg. Alles was im Weg war, wurde zertrümmert. In einer Presseerklärung der Regierung hieß es am Abend das mehr als 100 Dächer abgedeckt wurden. Teilweise fand man die abgedeckten Dächer Kilometerweit auf einer Straße wieder. Dachziegel flogen wie Geschosse durch die Luft und bohrten sich in Hausfassaden, berichten Augenzeugen in der betroffenen Rue Guillaume. Autos wurden komplett zerstört, wie man vor Ort erkennen konnte.
Im Gespräch erzählt uns Miriam Kesselhut, die in einer Seitenstraße der viel betroffenen Rue de Luxemburg wohnt, wie sie den Tornado erlebte: „Auf der ganzen Straße liegen Trümmerteile von Häuser und Dächer. Straßenlaternen und Bäume wurden wie Streichhölzer umgeknickt. Es ist erschreckend zu sehen was hier innerhalb von wenigen Minuten passiert ist.“
Bis zum späten Abend wurden in dem Krisengebiet 14 Menschen verletzt, zwei davon schwer. Laut Medienberichten wurden mit Suchhunden zerstörte Häuser nach Menschen durchsucht. Bei der Leitstelle der Feuerwehr in Luxemburg gingen innerhalb vier Stunden über 1.000 Notrufe ein. Die Feuerwehr musste aus dem ganzen Land Verstärkung anfordern. Ebenso gab es für die Polizei der Region viel zu tun und sie wurde verstärkt. Ein Sprecher der Polizei erklärt: „Wir haben in einem großen Radius Rodange und Petingen abgesperrt, sodass niemand mehr in die Stadt hereinkann.“ Die A13 wurden ebenfalls für den Verkehr komplett gesperrt.
Während die Betroffenen noch schockiert auf der Straße stehen, beginnt am Abend eine Welle der Hilfsbereitschaft. Zu ihren gehört auch Henriette Spanier. „Ich bin nach dem Tornado auf die Straße gegangen, bin selbst nicht betroffen und sah das erschreckende Ausmaß. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit zu helfen.“ So kommen hunderte freiwillige Helfer nicht nur aus dem betroffenen Gebiet, sondern aus ganz Luxemburg, der Region Trier und dem Saarland, unter anderem um Freunden und Verwandten zu helfen.
Ein großer Supermarkt, der Cactus Bascharage, in der Avenue de Luxembourg, wurde nach dem Tornado evakuiert, da zwei große Strommasten, wie Streichhölzer umgeknickt wurden und die Stromleitungen auf das Gebäude fielen. Der Strom wurde zwar umgehend abgeschaltet, dennoch besteht eine große Gefahr. Viele Straßen, auch außerhalb der Zugbahn des Sturms wurden durch umgestürzte Bäume unpassierbar und mussten gesperrt werden. Betroffen waren hier die Hauptdurchfahrtsstraße von Petingen, Route de Luxembourg und zahlreiche Nebenstraßen. Zudem die Anschlussstelle der A13, Collectrice du S, die Avenue de Luxembourg in Bascharage und ebenfalls viele Nebenstraßen.
Ein Sprecher der CGDIS (Luxemburgische Feuerwehr) erklärte in einem kurzen Gespräch dass die Einsatzkräfte nur Einsatzstellen mit hoher Priorität abarbeiten können. Die Anzahl der Notrufe übersteige die Kraft aller Kapazitäten. So wurde zur besseren Koordinierung am Abend ein Krisenzentrum eingerichtet.
Für betroffene Bewohner, die kein Dach mehr über dem Kopf haben, wurden mehrere Schulen und Turnhallen als Notunterkunft hergerichtet. Viele Familien mit Kindern waren betroffen. Sie kamen aber auch bei Freunden und Familien unter.
Je später der Abend wurde, desto mehr Abschlepper kamen in die betroffenen Straßen. Es mussten Dutzende Autos abgeschleppt werden. Da die Zahl der Schäden an den Fahrzeugen zu hoch ist und die Abschleppunternehmen nicht mehr nachkamen, wurden sie provisorisch mit Planen abgedeckt. Auch kamen immer mehr Müllfahrzeuge zu einem Sondereinsatz. Die vielen freiwilligen Helfer räumten in gemeinschaftlicher Arbeit den Müll in die Autos zum Abtransport. Währenddessen musste die Feuerwehr auch mit Einbruch der Dunkelheit immer wieder Dächer sichern. Doch nicht nur diese Aufgabe wurde der Feuerwehr und Polizei zugeteilt. Viele Türen und Fenster gingen zu Bruch und mussten für die Nacht gesichert werden. Hier galt es den Einbruchschutz herzustellen und entsprechend vor der Witterung die Häuser zu schützen. Viele Dächer wurden auch noch in der Dunkelheit mit Planen abgedeckt.
Die Schäden werden wohl in die Millionen gehen und enorm sein. Die Aufräumarbeiten werden sich noch über mehrere Tage und Wochen hinziehen.
Auf dem Wetterradar des Deutschen Wetterdienstes, welches wir am Abend uns anschauten, war das Unwetterfeld gut zu erkennen. Auch eine Rotation, die schließlich in einem Tornado endete konnte beobachtet werden. Dennoch ist sich auch Bernd, ein Bewohner und Helfer in Petingen sicher: „Ich wünsche mir, dass wir nie wieder einen solchen Tornado erleben müssen. Es ist eine reinste Katastrophe, wie im Krieg.“ Und kann von Glück sprechen, das es keine Toten gegeben hat.
Die Regierung bittet die Bevölkerung darum, keinen Tourismus zu betreiben und die schwer getroffenen Gebiete zu meiden. Am Abend wurde eine Hotline für Betroffene und für Bewohner, die im Urlaub sind, eingerichtet. Die Telefonnummer Lux. 8002 8080.

(Bericht und Bilder: Blaes)